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Harting «Herr im Ring» - Issinbajewa gewinnt Stab-Drama

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Moskau (dpa) - Gold, Gold, Gold! Diskus-Ausnahmewerfer Robert Harting feierte am Dienstag bei den Weltmeisterschaften in Moskau seinen dritten Triumph in Serie.

«Die Titelverteidigung ist ein bisschen schwieriger. Es ist immer leichter, jemand zu jagen und in die Enge zu treiben», sagte der 28-jährige Berliner, der während des Titelkampfes von massiven Rückenproblemen geplagt war, erleichtert. Dennoch hatte er noch genug Kraft, erst sein Trikot zu zerfetzen und dann seine in Tränen aufgelöste Freundin Julia Fischer zu küssen.

Zum Heulen war auch Stabhochspringerin Silke Spiegelburg zumute, die wieder bei einem Welttitelkampf an einer Medaille vorbeiflog. Wie 2012 bei der EM in Helsinki und den Olympischen Spielen in London wurde die Leverkusenerin mit 4,75 Metern nur Vierte. «Mir fehlen die Worte», sagte sie und kämpfte verzweifelt mit den Tränen.

Strahlende Siegerin des Stabhochsprung-Dramas von Moskau war die russische Volksheldin Jelena Issinbajewa, die mit 4,89 Meter den dritten WM-Titel gewann und den Angriff der Höhenfliegerinnen Jennifer Suhr (USA) und Yarisley Silva (Kuba), die beide 4,82 Meter sprangen, abwehrte. Das I-Tüpfelchen wollte der 31-Jährigen aber nicht mehr gelingen: Die Weltrekordhöhe von 5,07 Meter überwand sie nicht.

Olympiasieger Harting trumpfte trotz massiver Rückenprobleme groß auf, schleuderte die Scheibe im zweiten Versuch schon auf 68,13 Meter. Trotz Schmerzen setzte er noch einen drauf: Im vierten Versuch landete der Diskus bei 69,11 Meter - zu weit für seinen ewigen Rivalen Piotr Malachowski (Polen/68,36 Meter).

«Es tut manchmal weh, da brauchen wir uns nichts vormachen, dass ist Hochleistungssport», meinte er. «Wenn das Adrenalin da ist, dann muss man. Ich hätte aber auch gut und gerne Zweiter werden können.» Erleichtert war auch sein Trainer Werner Goldmann. «Es war ein toller Wettkampf mit einem guten, glücklichen Ende», kommentierte er den Ausgang, mit dem er nach dem Handicap im Rücken nicht gerechnet hatte: «Eigentlich nicht, das hat er super gelöst, großartig.»

Dritter wurde Gerd Kanter (Estland) mit 65,19 Meter. Dem Magdeburger Martin Wierig fehlten nur 17 Zentimeter zur Bronzemedaille. Mit 65,02 Meter wurde der Olympia-Sechste Vierter und feierte seinen bisher größten internationalen Erfolg. «Der vierte Platz ist in Ordnung. Eine Medaille war aber möglich», sagte Wierig. Auch die Siebenkämpferin Claudia Rath verpasste den Gewinn der Bronzemedaille nur um 15 Zähler. Mit 6462 Punkten wurde die Frankfurterin Vierte hinter der neuen Weltmeisterin Ganna Melnitschenko (Ukraine/6586) und Brianne Thesen-Eaton (Kanada/6530). Ihr Ehemann Ashton Eaton war zuvor Zehnkampf-Weltmeister geworden. Ein «kleines weinendes Auge» habe sie, aber eigentlich sei sie zufrieden, sagte Rath im ZDF.

Harting hatte bereits 2009 in Berlin und 2011 in Daegu/Südkorea Gold geholt. Mehr Diskus-Titel als er hat nur der Chemnitzer Lars Riedel errungen, der zwischen 1991 und 2001 gleich fünfmal Weltmeister war. Bei der 14. WM gewann nun zum neunten Mal ein deutscher Werfer. 1987 in Rom hatte der Schweriner Jürgen Schult gesiegt.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) steuert damit in der russischen Metropole auf ein ähnlich starkes Gesamtergebnis wie schon bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea (3 Gold/3 Silber/1 Bronze) und den Olympischen Spielen 2012 in London (1/4/3) zu. Vor Harting hatten bereits die Hochspringer Raphael Holzdeppe und Björn Otto Gold und Bronze sowie Christina Schwanitz im Kugelstoßen und Zehnkämpfer Michael Schrader jeweils Silber gewonnen.

Insgeheim hatte die EM-Dritte Antje Möldner-Schmidt aus Cottbus mit einer WM-Medaille über 3000 Meter Hindernis geliebäugelt, muss aber in 9:34,06 Minuten mit Rang acht zufrieden sein. Direkt dahinter kam Gesa Felicita Krause (Frankfurt/Main) mit einer Zeit von 9:34,11 Minuten ins Ziel. Weltmeisterin wurde die Kenianerin Milcah Chemos in der Weltjahresbestzeit von 9:11,65 Minuten.

Pech hatte über 5000 Meter der deutsche Meister Arne Gabius im Vorlauf. Der 32-Jährige kam durch einen Sturz von einem vor ihm laufenden Athleten aus dem Tritt und verlor den Anschluss an die Spitze. In 13:34,26 Minuten wurde er am Ende Zwölfter. «Ich hatte keine Chance mehr. Ich war perplex», sagte der Vizeeuropameister.

Das traf auch auf die neue Weltmeisterin im 20 Kilometer Gehen zu, denn Jelena Laschmanowa (Russland) dachte gleich zweimal, dass das Rennen schon vorbei sei. Die 21-Jährige stoppte im Luschniki-Stadion einmal 400 und einmal 200 Meter vor dem Ziel ab und musste beide Mal durch lautes Rufen der Kampfrichter zum Weitergehen aufgefordert werden. Trotzdem gewann die Olympiasiegerin in 1:27:08 Stunden.

Der Äthiopier Mohammad Aman nutze die Abwesenheit von Titelverteidiger David Rudisha und wurde neuer Weltmeister über 800 Meter. Sein zweites WM Gold nach 2009 sicherte sich der US-Amerikaner LaShawn Merritt über 400 Meter. In 43,74 Sekunden stellte er dabei eine Weltjahresbestzeit auf. Olympiasieger Kirani James (Grenada) wurde in 44,99 Sekunden nur Siebter.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 08:55 Uhr

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