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Sparda-Bank-Hallencup : Fußball-Tanz im Handball-Tempel

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weiche feiert mit 3000 Zuschauern den Überraschungscoup / Torschützenkönig Patrick Thomsen: „Das Finale gegen St. Pauli war nicht zu toppen“

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 18:55 Uhr

Diesmal lag Harald Uhr völlig daneben. „Wir haben einfach keine Hallenspieler“, meinte der Mäzen des Fußball-Regionalligisten ETSV Weiche. „Unsere Spieler sind alle viel zu groß. Das ist auf dem Feld gut, aber nicht in der Halle.“ Von wegen! Beim Turnier um den „Sparda-Bank-Hallen-Cups“ gewannen nicht die Profis aus Hamburg, Bielefeld oder Osnabrück, sondern der Viertligist aus der Fördestadt triumphierte und spielte sich dabei in die Herzen der knapp 3000 Zuschauer. Als der Lokalmatador drei Minuten vor dem Ende des Finales gegen den FC St. Pauli mit 5:3 führte, standen alle Besucher von ihren Plätzen auf und feierten bereits mit den Flensburger Fußballern den Sensationssieg in der Flens-Arena. Später am Abend gab es sogar noch einen Auto-Korso durch Weiche.

Die Verlierer vom Kiez steckten die Niederlage schnell weg. „Das Turnier sollte den Jungs Spaß machen und eine intensive Trainingseinheit darstellen. Die haben sie bekommen, deshalb ist der zweite Platz nicht so tragisch“, bewertete Cheftrainer Roland Vrabec das Abschneiden seines Teams. „In der Halle ist eben alles möglich“, sagte Fin Bartels. „Glückwunsch an Flensburg. Die Mannschaft stand hinten sehr gut und hat verdient gewonnen.“ Fantastisch fand der Mittelfeldspieler des Zweitligisten die Stimmung in der Fördestadt. „Aber das kennt man ja von den Handballern aus dem Fernsehen.“ Auch Vizekapitän Jan-Philipp Kalla machte es sichtlich Spaß: „Das ist viel besser, als Runden im Niendorfer Gehege zu drehen.“

Die Spieler des ETSV Weiche, die nicht im Kader standen, mussten draußen trainieren, kamen aber rechtzeitig, um ihren Teamkollegen beim Fußball-Tanz im Handball-Tempel zuzuschauen. Vergessen war die Schmach vom Sonntag, als der Regionalligist beim Turnier des Polizei SV Flensburg in der Vorrunde ausgeschieden war. „Danach hat es ordentlich gekracht“, gestand Christoph Dammann. Nicht nur der Trainer, auch der Manager und der Vorstand hätten den Spielern die Leviten gelesen. „Aber es hat ja gewirkt.“ Derweil verkündete Marcello Meyer bei seinem ersten Live-Interview im TV: „Das schockt mehr, als vor 200 Zuschauern in der Dorfhalle.“

Begehrter Gesprächspartner beim Fernsehteam von Sport1 war auch Patrick Thomsen. Für die Gratulanten nach der Siegerehrung hatte der „Sechser“ keine Hand mehr frei. Rechts hielt er die Torjägerkanone (6 Treffer), links die Trophäe für die Auszeichnung zum besten Spieler. Die fünf Stunden Hallenfußball hat er zu Hause aufgezeichnet. Zumindest ein Spiel will er noch einmal besonders genießen: „Das Finale gegen St. Pauli war nicht zu toppen.“

Die Stimmung in der Halle war von Beginn an da. Auf der einen Seite stimmten die St.-Pauli-Fans an, von der gegenüberliegenden Kurve antworteten die Weiche-Fans mit HSV-Rufen. Und als im Ersten Spiel der Osnabrücker Dennis Wegner den sterbenden Schwan spielte, gleich darauf aber hochsprang und dem Ball im Eiltempo nachsetzte, hatten die Zuschauer ihren Buhmann gefunden. Trotzdem: Die Osnabrücker, die sich in der türkischen Touristenhochburg Side den Feinschliff für die Rückrunde holen wollen, beeindruckten in der Vorrunde am meisten. Zunächst überrannte der Drittligist den stärker eingeschätzten dänischen Superdivisonär SönderjyskE mit 5:1, dann folgte ein 4:2 über St. Pauli.

Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als die Nord-Auswahl aus Schleswig-Holstein gegen Zweitligist Arminia Bielefeld spielte. Knapp zwei Minuten der 20 Minuten Spielzeit fehlten dem Team von Trainer Malte Köster (Husumer SV), um ebenfalls für eine Riesenüberraschung zu sorgen. Die 0:1-Niederlage tat weh. „So ein blödes Gegentor. Zwei, drei Spieler hatten vorher schon gepumpt – da war die Konzentration weg“, so Köster. Dabei hatte die Mannschaft, die sich in mehreren Trainingseinheiten vorbereitet hatte, Pech. Denn als Angreifer Marcel Hansen umgerissen wurde, blieb der Neunmeter-Pfiff aus. Köster diplomatisch: „In unserem Strafraum gab es eine ähnliche Szene. Da wurde auch weiter gespielt.“

Anschließend kam es knüppeldick für die Mannschaft, die sich aus Spieler von der SH-Liga bis zur Kreisliga zusammen setzte. Der ETSV Weiche fegte den Außenseiter mit 5:0 aus dem Turnier. Für Lasse Sohrweide vom TSB Flensburg überwog am Ende aber das Positive. „Im ersten Spiel haben wir uns sehr gut verkauft. Leider fehlte uns am Ende die Luft.“ Trotzdem hatte die Nord-Auswahl noch einen dritten Auftritt. Ein NDR-Team begleitete die Mannschaft in der Vorbereitung und beim Turnier und sendete den Bericht gestern im SH-Magazin.

In der Vorrunde bezeichneten Patrick Thomsen und Jonas Walter die Unterstützung der Fans noch „steigerungsfähig“. Aber ab dem Halbfinale ging auch auf den Rängen die Post ab. Die beiden Weicher erzielten die Tore zum 2:0-Überraschungssieg gegen Osnabrück. „Das Besondere war: Wir haben beide mit dem schwachen Fuß getroffen“, so Walter. Als sich St. Pauli gegen Bielefeld im zweiten Halbfinale mit 5:3 durchsetzte, stand fest: „Jetzt haben wir unser Traumfinale“, sagte der stellvertretende sh:z-Chefredakteur Jürgen Muhl, der das erste Flensburger Hallenevent organisiert hatte – das bei den Zuschauern Lust auf mehr geweckt hat. „Das war Werbung für Flensburg und den Flensburger Fußball“, erklärte ETSV-Ligamanager Hening Natusch.

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