Vor der Rückrunde : Fußball-Bundesliga: Das große Zittern im Abstiegskampf

Die halbe Fußball-Bundesliga bangt in der am Freitag beginnenden Rückrunde um den Verbleib in der Erstklassigkeit.

shz.de von
29. Januar 2015, 07:19 Uhr

Jürgen Klopp hat den Profis von Borussia Dortmund Gedächtnisschwund nach einer unterirdischen Hinrunde verordnet, der Freiburger Kollege Christian Streich seinem Kader Schienbeinschützer im Training, und beim Neuling SC Paderborn setzt Coach André Breitenreiter auf den ersehnten neuen Rasen. Die Clubs im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga ziehen für Abstiegskampf in der morgen beginnenden Rückrunde alle Register. Bis zu Hannover 96 auf Platz acht und damit nur sieben Zähler entfernt von Relegationsplatz 16 reicht die Gefahrenzone in der engen Tabelle. Eine Konstellation, die aber auch eine Chance bietet.

Auf die hofft besonders der abgestürzte Vizemeister aus Dortmund. Aufmunternde Worte kamen ausgerechnet vom Erzrivalen Bayern München. Der BVB habe eine Mannschaft „die in der Lage ist, drei-, vier-, fünfmal in Serie zu gewinnen, und dann macht man schon einen schönen Sprung“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge: „Dortmund wird nicht absteigen, mit Glück sogar noch mal in das Rennen um die internationalen Plätze eingreifen.“ BVB-Coach Klopp hat derweil seine Spieler aufgefordert die „beschissenste Vorrunde unseres Lebens“ aus den Köpfen zu eliminieren, den Reset-Knopf zu drücken und nach geregelter Vorbereitung möglichst schon am Sonnabend (18.30 Uhr) bei Bayer Leverkusen neu durchzustarten. Gelungen ist das dem BVB einst 2004/05, als man unter Trainer Bert van Marwijk nach 18 Punkten in der Hinrunde 37 Zähler nach der Winterpause holte und nur knapp die Europacup-Plätze verpasste. Doch Gedanken an die Champions League 2015/16 sind beim aktuellen Achtelfinalisten tabu. Es geht beim schlechtesten Auswärtsteam der Liga nur noch um einen versöhnlichen Abschluss einer verkorksten wie verrückten Saison.

Beim Tabellenschlusslicht Freiburg waren sie hingegen vom ersten Spieltag an mental auf den Abstiegskampf eingestellt. Schon im Training wird der Ernstfall simuliert, Schienbeinschützer sind nunmehr Pflicht. Mit allen Mitteln soll der vierte Bundesliga-Abstieg vermieden werden. SC-Präsident Fritz Keller ist überzeugt: „Am Ende stehen sicher wieder drei, vier Teams hinter uns.“ Dennoch ist der bevorstehende Kraftakt in der Liga derzeit nicht das größte Thema im Breisgau. Denn für Sonntag ist der Bürgerentscheid über den Neubau des Stadions terminiert.

Erprobt im Abstiegskampf sind inzwischen auch die einstigen Europacup-Stammgäste Hamburger SV und Werder Bremen. Die dritte Saison in Folge dümpeln die Teams aus dem hohen Norden im Süden der Tabelle. Unruhe im Umfeld der beiden Clubs, ständige Trainerwechsel und eine seltsame Personalpolitik sollen ein Ende haben, obwohl die Bremer mit der überflüssigen Ausleihe von Torhüter Koen Casteels vom VfL Wolfsburg als Nummer zwei ausnahmslos Unverständnis ernteten. Sinnvoll erscheint hingegen die Verpflichtung von Abwehrspieler Jannik Vestergaard (1899 Hoffenheim).

Beim Tabellen-15. VfB Stuttgart verzichtete man auf Verstärkungen. Feuerwehrmann Huub Stevens, ebenfalls durch Abstiegskämpfe gestählt, setzt auf Zuckerbrot, aber auch Peitsche. Und wer nicht mitzieht, wie Moritz Leitner im Trainingslager, den bittet der Coach auch mal morgens um sechs Uhr zu einer Zusatzschicht. VfB-Präsident Bernd Wahler forderte: „Wir müssen raus aus dem Keller. Aber das allein genügt nicht. Ich will den VfB nicht als Wackelkandidaten, sondern als Erfolgskandidaten.“ Mit 19 Punkten und damit gleichauf mit dem 1. FC Köln und einen Zähler besser als der FSV Mainz 05 und Hertha BSC, darf Neuling SC Paderborn auf ein zweites Jahr im Fußball-Oberhaus hoffen, zumal die Ostwestfalen in der Rückrunde im Stadion und auf dem Trainingsplatz endlich auf dem ersehnten neuen Rasen kicken können.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen