Olympia : Fünfkampf ohne München: Olympia nicht um jeden Preis

Die Bevölkerung möchte Olympia nicht.
Die Bevölkerung möchte Olympia nicht.

Die Strahlkraft Olympias hat nicht gereicht. Ernüchtert reagierten Münchens Oberbürgermeister Christian Ude und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper auf die Abstimmungspleite für ihr Großprojekt Olympia 2022. Die Bürger haben entschieden.

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10. November 2013, 21:33 Uhr

Unter diesen Umständen wollen wir das Ringe-Spektakel nicht. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Münchner Olympia-Macher haben es also nicht geschafft, die gestiegene Bedeutung des Sports in der Gesellschaft durch eine erneute bayerische Kandidatur für die Ausrichtung der Winterspiele 2022 zu manifestieren. Im Gegenteil: Ausgerechnet die vermeintliche Wintersportnation Deutschland muss sich jetzt fragen lassen, wie sie der Öffentlichkeit künftig dieses Selbstverständnis und die gleichzeitig ablehnende Haltung gegenüber der Ausrichterrolle erklären will.

Ausschlaggebend für das unerwartet deutliche Debakel in allen vier Bürgerentscheiden sei die «zunehmende Skepsis in Deutschland gegenüber Großereignissen», vermuteten Ude und Vesper unisono. «Ich persönlich glaube, dass es unsere letzte Chance war, Winterspiele zu bekommen», erklärte Thomas Schmid, Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, unmissverständlich. Seit Sonntag ist klar: So schnell werden Olympische Spiele nicht nach Deutschland zurückkehren - egal, ob im Winter oder im Sommer. Eine Kandidatur um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 gilt als aussichtslos: Südafrika und die muslimische Welt hoffen auf eine Olympia-Premiere, auch die USA wollen sich mit einer aussichtsreichen Metropole bewerben.

«Das Votum ist kein Zeichen gegen den Sport, aber gegen die Profitgier des IOC. Ich glaube, in ganz Deutschland sind Olympia-Bewerbungen mit dem heutigen Tag vom Tisch», analysierte Ludwig Hartmann, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) muss sich tatsächlich überlegen, warum die Bürger traditioneller Wintersportländer wie der Schweiz oder Deutschland Olympische Spiele in ihrer Region ablehnen. Der neue IOC-Präsident Thomas Bach hatte bereits in seinem Wahlkampf angekündigt, die Vergabekriterien künftiger Spiele modifizieren zu wollen. So sollen Bewerbungen in Zukunft mehr auf nationale Identitäten und Kulturen der jeweiligen Gastgeber abzielen.

«Für die olympische Bewegung ist es bedenklich. Wenn sich solche traditionellen Länder wie die Schweiz oder Deutschland als Ausrichter zurückziehen, ist dies eine gefährliche Entwicklung», sagte Josef Fendt, Präsident des Internationalen Rennrodelverbandes (FIL). Für ihn waren die abstimmenden Bürger «falsch informiert». Bedenken der Umweltschützer und ein klares Nein zur Kostenexplosion und zu den «IOC-Knebelverträgen» seien am Ende die Gründe gewesen, so Fendt. Ude selbst hatte in der Vergangenheit den Kontrakt, den das IOC jedem Olympia-Gastgeber zur Unterschrift vorlegt, als Zumutung bezeichnet.

Wie geht es jetzt weiter? «Wir müssen das in Ruhe analysieren», sagte Vesper. München 2022 war bereits der fünfte vergebliche deutsche Anlauf auf Olympia. Bei der Vergabe der Spiele 1992 schied Berchtesgaden in der ersten Runde aus, Berlin scheiterte bei der Abstimmung über den Olympia-Ausrichter 2000 in Runde zwei. Leipzig wurde beim Rennen um das Ringe-Fest 2012 gar nicht erst zur Endrunde zugelassen, und München verlor das Wahlfinale um Olympia 2018 klar gegen den südkoreanischen Favoriten Pyeongchang.

Das IOC und vor allem Bach hielten sich am Sonntagabend mit Reaktionen oder Einschätzungen über das Wahlergebnis in Bayern zurück. Schon vor der Abstimmung hatten sich die Olympier allerdings zufrieden über das Interesse an ihrem Premium-Produkt Olympia 2022 gezeigt. Immerhin fünf Städte (Almaty, Oslo, Peking, Lwiw, Krakau) würden um den Zuschlag kämpfen, prahlte das IOC. Bis Donnerstag müssen die ersten Unterlagen eingereicht werden. Oslo geht als klarer Favorit in den Bewerbungsmarathon.

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