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DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund : Fünf gute Gründe, den Sportfreunden Lotte die Daumen zu drücken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Favoritenrolle am Dienstagabend ist klar. Doch es gibt genügend Argumente für den Kleinen. Eine Übersicht.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 09:51 Uhr

Lotte | Der Drittliga-Neuling gegen eine internationale Top-Adresse: Sportfreunde Lotte gegen Borussia Dortmund. Das Viertelfinalspiel am Dienstagabend (20.45 Uhr/ARD) ist eines der Duelle, die den DFB-Pokal populär gemacht haben. Wir kennen fünf Gründe, warum Fußball-Liebhaber heute den Sportfreunden aus dem Tecklenburger Land die Daumen drücken dürfen.

Erstens, ...

...weil Überraschungen immer seltener werden. Der moderne Fußball sichert die Favoriten ab vor den hässlichen Niederlagen gegen die Kleinen. Setzlisten, Gruppenphasen und die ungerechte Verteilung der TV-Gelder machen die Großen immer größer. Nur im Pokal geht es in 90 (oder 120 Minuten) um Hopp oder Topp. Das ist Fußball in seiner reinsten Form: Alles ist möglich. Die Sportfreunde Lotte haben das gleich drei Mal bewiesen – am Autobahnkreuz hieß für Werder Bremen, Bayer Leverkusen und TSV München 1860 „Last Exit“. In den letzten zehn Jahren erreichten nur sechs Drittligisten das Viertelfinale, in der Dekade davor waren es noch zehn. Also: Es wird Zeit für einen Kleinen im Halbfinale!

Zweitens, ...

...weil sich ein Verein nirgendwo so schön für seine Aufbauarbeit belohnen kann. Vor 30 Jahren spielten die Sportfreunde in der Bezirksliga, als Obmann Manfred Wilke – einst ein cleverer Stürmer, der es beim OSV Hannover bis in die 2. Liga Nord brachte – den Aufstieg einleitete – mit Fachwissen, Herzblut und auch ein paar Geldspritzen. Und vor allem Geduld und Hartnäckigkeit, denn in jeder Klasse scheiterten die Lotter mehrfach knapp, ehe der Sprung in die nächste Etage gelang. Nach den Aufstiegen in die Landesliga (1990), die Verbandsliga (1996) und die Oberliga (2004) sahen viele den kleinen Club aus der 14.000-Einwohner-Gemeinde mit dem kleinen Stadion, das lange nur ein Sportplatz war, in der Regionalliga (2008) am Ende seiner Möglichkeiten. Doch dann schoben sich die Sportfreunde in die Spitzengruppe vor, hätten 2013 um ein Haar RB Leipzig den Aufstieg vermasselt und schafften im letzten Sommer mit einer beeindruckenden Leistung gegen den favorisierten Ex-Bundesligisten Waldhof Mannheim den Sprung in die 3. Liga. Das wurde bundesweit noch eher beiläufig registriert, doch mit jeder erfolgreichen Pokalrunde stieg der Sympathie-Pegel für „Tante Lotte“.

Drittens, ...

...weil gute Trainer nicht nur aus den Nachwuchsleistungszentren der Großvereine kommen. Ismail Atalan, Sohn kurdischer Flüchtlinge, hat sich hochgearbeitet, angetrieben von seiner Leidenschaft für den Fußball. „Irgendwann merkte ich: Mensch, Du kannst das! Und seitdem habe ich auf die Karte Fußball gesetzt.“ Für den jungen Atalan war Fußball nur ein Hobby, es fehlte ihm an Disziplin und Ehrgeiz, deshalb reichte es für den Stürmer nur für die Verbandsliga. Seine erste Trainerstation, mit Ende 20: Die Kreisliga-Reserve des 1. FC Gievenbeck in Münster. Der Abiturient arbeitete als Versicherungskaufmann, lebte aber für den Fußball. C-Lizenz, B-Lizenz, Vorträge, Fachliteratur, und im Urlaub schaute er Profiteams beim Training zu. Davensberg, Beckum, Lotte – mit jedem Vereinswechsel ging es nach oben. Für den Fußballlehrer-Lehrgang 2016/17 war er nicht zugelassen worden, doch mit dem Aufstieg in die 3. Liga verschaffte er sich eine Wild-Card – im Moment steckt er im Prüfungsstress.

Viertens, ...

...weil es Fußballer gibt, die eine zweite Chance brauchen. Die meisten Spieler der Sportfreunde sind zwar in Nachwuchsleistungszentren ausgebildet worden, aber den Durchbruch als Profis haben die meisten nicht auf Anhieb geschafft. Nico Granatowski (VfL Wolfsburg), Gerrit Nauber, Benedikt Fernandez, André Dej (alle Bayer Leverkusen), Nico Neidhart, André Langlitz (Schalke 04) oder Phillipp Steinhart (München 1860) wurden erst in Lotte zu Drittliga-Stammspielern. Und für Spieler wie die Neuzugänge Jaroslaw Lindner und Saliou Sane, die in der 3. Liga – unter anderem bei Holstein Kiel – nicht mehr unterkamen, war Lotte die letzte Option – doch sie ließen sich schnell begeistern für die familiäre Atmosphäre in Ort und Verein.

Fünftens, ...

...weil sich mit den Pokal-Millionen ein neuer Profi-Standort etablieren lässt. Lotte hat sich hochgekämpft, auch mit Geld, aber mit den modernen Fußballprojekten sind die Sportfreunde nicht zu vergleichen. Sie haben Vorbildfunktion für Clubs, die ohne den Ballast von Tradition, aber mit einer gewissen Unbekümmertheit ihren Platz in den Ausläufern des Profifußballs suchen. Stück für Stück ist das Stadion ausgebaut worden, das Publikumsinteresse steigt, und die Sponsoren schauen interessiert nach Lotte.

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