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Olympia : Führung gesucht: Heißer Herbst für deutschen Sport

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Wer wird künftig den deutschen Sport anführen? Wer könnte der Kopf für eine erneute Bewerbung Münchens um die Winterspiele sein? Nach der Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten steht der Deutsche Olympische Sportbund vor weitreichenden Entscheidungen.

Wenn der deutsche Sport seinen neuen Anführer über eine öffentliche Anzeige auswählen würde, dann könnte sie etwa so lauten: Gesucht wird eine führungsstarke Persönlichkeit, die beste Kenntnisse darüber verfügt, wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) funktioniert und wohin er geführt werden soll, die fest verwurzelt ist in der Gesellschaft, die weiß, wie man es anstellt, Olympische Winterspiele ins Land zu bekommen - und das alles in einem Ehrenamt.

Zusätzlich könnte es heißen: Als Belohnung winkt eine Mitgliedschaft im Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Denn das ist die Regel: Starke nationale olympische Organisationen haben einen gewissen Anspruch darauf, dass ihre Chefs in den olympischen Orden aufgenommen werden.

Natürlich wird es eine solche Ausschreibung nicht geben. Und natürlich wird einen Tag, nachdem Thomas Bach in Buenos Aires den Olymp erklommen hat, niemand sein Interesse anmelden. Das könnte sich jedoch bald ändern in einem stürmischen sportpolitischen deutschen Herbst. Eingeleitet wird er am kommenden Montag in Frankfurt, wenn der gerade gewählte IOC-Präsident seine nationale Präsidentschaft niederlegt, um sich in Richtung Lausanne zu verabschieden.

Von da an hat ein Trio das Sagen: Der Ex-Banker Hans-Peter Krämer (72), der als Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen laut Statut die DOSB-Geschäfte übergangsweise führen wird, dazu Generaldirektor Michael Vesper (61) und Rainer Brechtken (68). Der ist Fraktionsführer der Fachverbände im DOSB. Ohne die geht nichts. Allein die Verbände mit olympischen Sportarten verfügen über eine Einstimmen-Mehrheit in der Vollversammlung.

Krämer sagt, er werde sich «an exponierter Stelle bemühen, hilfreich zu sein bei der Suche nach einer Bach-Nachfolge. Im Moment ist sie völlig offen.» Er habe zwar einen Kandidaten im Auge, doch werde er den Teufel tun, ihn namhaft zu machen. Krämer, der auch der Deutschen Krebshilfe vorsteht, will den Job so schnell wie möglich loswerden - genau am 7. Dezember, wenn die DOSB-Vollversammlung in Wiesbaden tagt. Dort wird entschieden: Muss Krämer noch bis zum Ende der Legislaturperiode im Dezember 2014 seines Übergangsamtes walten oder hat der deutsche Sport bis dahin einen überzeugenden Kandidaten auserwählt. Der sollte den DOSB dann bis 2018 anführen.

Für eine solche Lösung macht sich neben Krämer auch Brechtken stark: «Der deutsche Sport hat einen Anspruch darauf, schon im Dezember eine Wahl zu treffen, wem er die Führung längerfristig zutraut. Ich halte nichts von einem Verschiebebahnhof, ich bin gegen eine Übergangslösung.» Der Sport sollte nun in einem «sauberen, geordneten Verfahren» auf Kandidaten-Suche gehen. Das spricht für das Einsetzen einer Findungskommission.

Als erstes wichtiges Datum steht bereits der 19. September fest, wenn sich die Exekutive der Verbände und anschließend die Präsidenten aller Spitzenverbände in Frankfurt treffen. Dabei müsse es aber auch um inhaltliche Fragen gehen, fordert Brechtken. Wie könne man die Organisation straffen, den Anti-Doping-Kampf noch effektiver gestalten, die Spitzensportförderung weiterentwickeln?

Eine Schlüsselrolle wird Michael Vesper bei der großen Suchaktion im deutschen Sport spielen. Als energischer Generaldirektor hat der ehemalige Spitzenpolitiker der Grünen in den vergangenen sieben Jahren Respekt gewonnen - allerdings mehr in der Außenwirkung als nach innen. Sollte er bereit sein, sein gut bezahltes Hauptamt gegen das Ehrenamt eines Präsidenten einzutauschen, dann wäre Vesper in einer Reihe sich noch zurückhaltenden Möchtegern-Kandidaten eine starke Option. Die Spitzenverbände würden sich dem wohl nicht widersetzen. Aber auch eine Außenlösung scheint nicht undenkbar, etwa wenn der sportaffine hessische Ministerpräsident Volker Bouffier demnächst bei der Landtagswahl seinen Job verliert.

Bliebe noch das Spitzenamt eines Bewerbungs-Chefs für die wahrscheinliche Kandidatur Münchens um die Olympischen Winterspiele 2022. Über eine Bewerbung will der DOSB mit seinen Sportverbänden und Landessportbünden am 30. September in der bayrischen Hauptstadt grundsätzlich entscheiden. Grünes Licht würde sie aber erst am 10. November, vier Tage vor Ende der Anmeldefrist des IOC, durch einen positiven Ausgang der Bürgerbefragung in München und den übrigen geplanten Austragungsorten bekommen. Für den Job ist vor allem ein Manager gefragt - wie zum Beispiel der Ski-Verbandspräsident und Unternehmer Alfons Hörmann.

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erstellt am 11.Sep.2013 | 13:35 Uhr

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