Flensburgs perfektes Spiel im Fuchsbau

Machen Sie eine typische Handbewegung: Mattias Anderssons Geste war in Berlin oft zu sehen - der SG-Torhüter hielt 30 Würfe.  Foto: getty
Machen Sie eine typische Handbewegung: Mattias Anderssons Geste war in Berlin oft zu sehen - der SG-Torhüter hielt 30 Würfe. Foto: getty

SG Flensburg-Handewitt siegt mit 27:16 in Berlin dank ihres magischen Torhüters Mattias Andersson. Die überraschende Startaufstellung entsprang kühlen Berechnungen.

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02. April 2013, 08:42 Uhr

Berlin | Nach dem Tief in Lemgo startete die SG Flensburg-Handewitt am Ostersonntag zum Höhenflug durch. Im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga verpasste der Vizemeister den Füchsen Berlin mit 27:16 (12:10) einen schweren K.o. in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle. "Man kann mal eine Delle haben. Aber seit Mittwoch hatte unsere Mannschaft nichts anderes im Kopf, als in Berlin zu gewinnen und keine Krise zuzulassen", sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke und berichtete von großer Erleichterung in der Kabine: "Das gibt uns Luft im Rennen um die Champions-League-Plätze."

Von Meisterschaft ist bei der SG weiter nicht die Rede. Das findet SG-Trainer Ljubomir Vranjes "ganz unrealistisch. Wenn man die Dinge nicht realistisch sieht, kann es schnell in die falsche Richtung gehen". Der Schwede wünscht sich eine nüchternere Sicht auf den Ausrutscher in Lemgo: "Keine große Sache. Es ist normal, dass man es an einem Tag mal nicht schafft. Angst vor Berlin hatte ich deshalb nicht."

Machulla keine Verlegenheitslösung

Ganz im Gegenteil. Es zeugt von herausragendem Vertrauen in den eigenen Sachverstand, wenn man zum vermeintlich schwersten Auswärtsspiel der Rückrunde eine nie gesehene Anfangsformation aufs Feld schickt. Maik Machulla, der bislang kaum Spielanteile hatte, besetzte anstelle von Thomas Mogensen die Angriffsmitte. Keine Verlegenheitslösung, sondern kühle Berechnung: "Wir haben noch ein brutal hartes Programm. Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, die wir haben", sagte Schmäschke.

Machulla lenkte den Angriff besonnen, erzielte überdies ein Tor zum 6:4 (16.), bevor er dem ausgeruhten Mogensen Platz machte. "Ich bin froh, dass ich Thomas helfen und ihm ein paar Minuten Luft nach hinten raus verschaffen konnte. Er spult ja ein Riesenprogramm ab", sagte der 36-Jährige. "Es hat mich sehr gefreut, dass ich anfangen durfte, nachdem ich die ganze Saison Probleme mit dem Rücken hatte. Daher war Ljubo nie 100prozentig sicher, wie fit ich war, und wollte kein Risiko eingehen." Mit einem Spezialisten habe er seine Beschwerden in den Griff bekommen, am Donnerstag gaben die Ärzte grünes Licht für Machulla. "Wenn es kein Risiko gibt, dann spielt er", sagte Vranjes, "Maik hat es optimal gemacht - wie die ganze Mannschaft."

Spoljaric schwächt das Berliner Team vorentscheidend

Nach 18 Minuten legte die SG erstmals vier Tore (9:5) in dem mit harten Bandagen geführten Gefecht vor. Steffen Weinhold war wie in Lemgo gefährlichster SG-Angreifer der ersten 30 Minuten. Weil auch die Füchse in Konstantin Igropulo einen starken Linkshänder hatten, blieb das Duell noch ausgeglichen.

Berlins Untergang leitete der Hitzkopf Denis Spoljaric ein, der für ein Foul an Holger Glandorf unmittelbar vor der Pause eine Zeitstrafe kassierte und sich darüber heftig beschwerte, was mit weiteren zwei Minuten "belohnt" wurde. Hier lagen die erschütternd schwachen Schiedsrichter Baumgart/Wild ausnahmsweise richtig.

Die SG findet ihre Leichtigkeit wieder

Die Überzahl nach Wiederbeginn nutzte die SG optimal und setzte sich auf 15:10 ab. Es begann die große Mattias-Andersson-Show. Schon in der ersten Hälfte klar besser als Silvio Heinvetter gegenüber, zog der SG-Torhüter die Berliner Würfe nun magisch an. Fast zwölf Minuten blieb er ohne Gegentor, natürlich mit Unterstützung der von Tobias Karlsson glänzend organisierten Abwehr. Der Füchse-Rückraum war komplett lahm gelegt: Jaszka, Christophersen und Romero blieben ohne Treffer. Igropulo war nach einem Wadenkrampf außer Gefecht gesetzt.

Der SG-Angriff dagegen fand die zuletzt vermisste Leichtigkeit wieder. 200 Flensburger Schlachtenbummler, die sich deutlich bemerkbar machten, durften sich über Zaubertore und über einen leider nicht von einem Treffer gekrönten sensationellen Rückhandpass von Lars Kaufmann auf Michael Knudsen freuen. Höchster Zwischenstand war das 27:14 nach 57 Minuten - eine in dieser Dimension nie erwartete Demonstration der Stärke. Dass der Berliner Hallen-Animateur dazu "We will rock you" auflegte, wirkte wie Realsatire.Füchse Berlin: Heinevetter (1. Bis 42.), Stochl - Laen, Löffler (2), Spoljaric, Jaszka, Nincevic (1), Christophersen, Iker Romero, Pevnov (2), Bult (1), Lund, Igropulo (4), Sellin (6/1).

SG Flensburg-Handewitt: Andersson - Karlsson, Machulla (1), Eggert (7/2), Glandorf (5), Mogensen, Svan Hansen (5), Weinhold (6), Heinl, Gustafsson (1), Kaufmann (1), Knudsen (1).

Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweier). - Zeitstrafen: 5:6. - Siebenmeter: 3:2.

Zuschauer: 9000

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