Festtag für den deutschen Fußball

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Die Spannung vor dem großen Finale steigt: Bayern und Dortmund strotzen vor Selbstbewusstsein

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24. Mai 2013, 03:59 Uhr

Dortmund/München | London is calling, lets go to Wembley: Das erste "German Endspiel" der Champions League zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München elektrisiert ganz Deutschland - bis hinauf zur Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Das Finale in Wembley ist ein Festtag für den gesamten deutschen Fußball", sagt Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), und versicherte: "Egal, wer am Sonnabend als Sieger vom Platz geht, der deutsche Fußball ist der Gewinner."

Der BVB und der FC Bayern werden das naturgemäß spätestens dann völlig anders sehen, wenn Schiedsrichter Nicola Rizzoli aus Italien morgen Abend um 20.45 Uhr (ZDF und Sky) das historische deutsche Endspiel an historischer Stätte anpfeift. Für Dortmund wäre es der zweite Sieg in der Königsklasse nach 1997, für die Münchner, die 1974, 1975 und 1976 den Europapokal der Landesmeister gewannen, der zweite nach 2001. Trainer in beiden Fällen war Ottmar Hitzfeld, seine Prognose lautet: "Bayern ist klarer Favorit." Bundestrainer Joachim Löw, der das Spiel in einem Hotel in Miami Beach verfolgen wird, erwartet "ein Spiel auf Augenhöhe, das hat man bei einigen Spielen in der Vergangenheit immer wieder gesehen". Zwar wird die Borussia auf den künftigen Münchner Mario Götze verzichten müssen, doch das wird nicht zwangsläufig eine Schwächung sein: Beim 5:2 gegen den FC Bayern im Endspiel um den DFB-Pokal vor einem Jahr fehlte er ebenfalls. Bei den Münchnern, im Vorjahr zudem im "Finale dahoam" dem FC Chelsea unterlegen, sind so weit alle fit.

Die Dortmunder, auferstanden aus den Ruinen der Beinahe-Pleite von 2005, seit immerhin sechs Spielen in der Bundesliga ungeschlagen gegen die Münchner, mimen den Underdog. "Der FC Bayern ist die beste Mannschaft der Welt", sagt Trainer Jürgen Klopp und ergänzt: "Wenn wir gewinnen, heißt das nur, dass wir die beste Mannschaft der Welt geschlagen haben." Klopps Chef, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, behauptet: "Es gibt derzeit in Europa nur einen Club, der die Bayern schlagen kann: Borussia Dortmund." Franz Beckenbauer, "Kaiser" der deutschen Fußball-Nation, ist allerdings der Ansicht, dass nur einer den FC Bayern schlagen kann: der FC Bayern.

"Es liegt nur an uns, ob wir Champions-League-Sieger werden", bestätigt auch Bastian Schweinsteiger, vor einem Jahr der große Unglücksrabe im Elfmeterschießen. Nach den zwei verlorenen Meisterschaften gegen Dortmund, nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Dortmund, nach den zwei Niederlagen im Finale der Champions League 2010 (gegen Inter Mailand) und 2012 und nach einer grandiosen Bundesliga-Saison der Rekorde geht es für die Münchner um alles. Ginge es wieder schief, sagt Thomas Müller, dann hätten er und seine Mitspieler einen "Loser-Stempel - zu Recht".

Während Dortmund erst der Wechsel, dann die Verletzung von Götze in Atem hielt, geben sich die Münchner seit Wochen gelassen. Man solle "nicht so viel Blabla machen", sagt Franck Ribéry, "wir müssen Fußball spielen." Ein paar Attacken gegen die Dortmunder hat allenfalls Sportvorstand Matthias Sammer geritten, 1997 als Spieler Champions-League-Sieger - mit dem BVB. Er betont: "Wenn wir unser Top-Niveau erreichen, kann es keinen anderen Sieger geben als den FC Bayern."

Tatsächlich steht der deutsche Rekordmeister unter einem wesentlich größeren Druck. Borussia Dortmund kann gewinnen, der FC Bayern muss gewinnen - sonst wird eine großartige Saison durch die ultimative Demütigung entwertet. Wieder eine Niederlage im Endspiel der Champions League, noch dazu gegen Dortmund, den Rivalen, den die Münchner ja so gerne klein halten wollen - schlimmer ginge es nicht.

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