Feier-Abend, Freundschafts-Akt, Sympathie-Träger

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13. Mai 2013, 10:02 Uhr

Mutmacher: Die Bayern feierten ihre 23. Meisterschaft, als hätten sie ganz überraschend am vorletzten Spieltag den Titel gewonnen. Offenbar war die Freude deshalb so groß, weil der notorische Wassertrinker Matthias Sammer den Meisterspielern einen Feier-Abend gönnen musste. Hätte er allein entschieden, würden die Profis wohl noch gut zwei Wochen warten müssen, um einen über den Durst zu trinken. Zählt doch in dieser Saison in München nur das Triple, also der Gewinn der nationalen Meisterschaft, des DFB-Pokals - und der Champions League gegen den Erzfeind aus Dortmund in Wembley.

Fast 70 Minuten lang zeigte Augsburg, dass auch den Bayern beizukommen ist. Mag sein, dass Jürgen Klopp seinem Team ein Video von dieser Partie zeigt. Es wäre aus Dortmunder Sicht der richtige Mutmacher für Wembley.

Während der Woche hatte der Aufsichtsrat mit einer Acht-zu-Null-Abstimmung Uli Hoeneß das Vertrauen ausgesprochen. Die Bayern wollen bedingungslosen Zusammenhalt dokumentieren. Nur die Ruhe bewahren bis zum 25. Mai, heißt es in der Vereinsspitze. Haben doch verschiedene Umfragen ergeben, dass das deutsche Fußballvolk in der Mehrheit hinter Hoeneß steht. Und mit der Masse will man es sich nicht verderben. Schon eher mit den Aktionärsschützern, die das Verhalten der Chefetage einer von Fußball-Ergebnissen abhängigen Aktiengesellschaft heftig kritisieren. Endlich stieg auch der Kurs von Bayern-Hauptsponsor Telekom. Was jedoch nichts mit dem Meistertitel zu tun hat. Und schon gar nichts mit dem Votum für Hoeneß.

Spannung: Der letzte Spieltag hat es in sich. Mit einem "Endspiel" im Breisgau. Ausgerechnet der kleine FC Freiburg kann sich in die "Königsklasse" schießen. Mit einem Heimsieg über das große Schalke 04. Am Donnerstag hatte Manager Horst Heldt seinen Intimus Jens Keller mit einer Vertragsverlängerung versorgt, zwei Tage später verliert Schalke gegen Stuttgart und setzt die Qualifikation für die Champions League aufs Spiel. Der voreilige Akt kann Schalke teuer zu stehen kommen.

Im Spiel ist plötzlich auch wieder der Hamburger SV, die Nummer eins im Norden. Ein Sieg am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen bei einer gleichzeitigen Niederlage von Eintracht Frankfurt gegen den VfL Wolfsburg - und die Hamburger hätten sich für die Europa League qualifiziert. In der eigenen Hand hat es der HSV aber nicht. Sollte es dennoch zum Happy End kommen, wären die Finanzsorgen ein wenig kleiner. Wenn nicht, könnte es bei der Finanzierung der neuen Spielzeit eng werden. Angeblich beträgt das Saisonminus rund 24 Millionen Euro. Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow will die Zahlen nicht kommentieren. Noch nicht. Der Verkauf des beliebten Stürmerstars Heung-Min Son steht offenbar bevor, dazu wird über die Zukunft von Dennis Aogo spekuliert. Beide Profis gehören nicht nur zu den Leistungsträgern, sie genießen bei den Fans hohes Ansehen. Aogo und Son sind Sympathieträger in Hamburg und gleichwertige Neuzugänge kaum zu finanzieren.

Dabei ist durchaus Geld in der Kasse. Die Fananleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro aber hat zweckbestimmten Charakter, das Geld soll in ein Nachwuchszentrum im Volkspark investiert werden. Gute Geldanlage.

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