Eskalation auf dem Fußballplatz : Faustschläge und üble Beleidigungen

Im Krankenhaus: Sereetz-Trainer Michael Henning. Foto: Kröger
Im Krankenhaus: Sereetz-Trainer Michael Henning. Foto: Kröger

Bei einem Fußballspiel gegen den Türkischen SV Lübeck ist der Trainer des Sereetzer SV verprügelt worden. Zuvor sollen Spieler ihren blanken Hintern gezeigt haben.

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23. September 2011, 12:30 Uhr

LÜBECK | Die Negativschlagzeilen im Lübecker Amateurfußball reißen nicht ab. Zum dritten Mal innerhalb eines halben Jahres kam es am Wochenende zu einem schwer- wiegenden Zwischenfall, der mit einem Verletzten und einem Polizeieinsatz endete. Zum zweiten Mal waren es dabei Spieler des Türkischen SV Lübeck, die für die Eskalation sorgten.
In diesem Fall war es ein Spiel der Altherren-Kreisklasse B. Der Türkische SV II lag gegen den Sereetzer SV kurz vor Schluss mit 0:2 zurück, als ein Elfmeterpfiff zugunsten der Gäste die Gemüter erhitzte. Der Kapitän der Türken habe den Sereetzer Trainer Michael Henning verbal provoziert und angespuckt, heißt es in der Stellungnahme des SSV. Dann sei ein anderer Spieler hinzugekommen und habe dem Trainer ins Gesicht geschlagen. Henning musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden, wo ein Nasenbeinbruch und eine Gehirnerschütterung diagnostiziert wurden.
Blanker Hintern und "Nazi"-Rufe
Der überforderte Schiedsrichter gab an, die Vorfälle außerhalb des Platzes nicht wahrgenommen zu haben. Das Spiel wurde letztlich abgebrochen, weil sich die Sereetzer weigerten, weiterzuspielen. Die von den Gästen herbeigerufene Polizei nahm den Vorfall auf. Gegen den beschuldigten Spieler wird nun wegen Körperverletzung ermittelt.
Im Spiel soll es schon zuvor zu Provokationen gekommen sein. Während die Sereetzer erklärten, dass ein Türkischer SV-Spieler seinen blanken Hintern Richtung SSV-Bank gezeigt hätte und Beleidigungen wie "Nazi" und "Kinderschänder" gefallen seien, berichtete Reiner Schmaal, Sprecher des Türkischen SV, von beidseitigen Entgleisungen. "Von Sereetzer Seite fielen Worte wie Kanake oder Lern erstmal richtig Deutsch."
Täter aus Verein ausgeschlossen
Auf die Eskalation reagierte man beim Türkischen SV jedoch bestürzt. "Gewalt gehört nicht auf den Platz, und auch solche Beleidigungen wollen wir nicht hören", erklärte Schmaal. "Wir versuchen als Verein, solchem Verhalten entgegen zu treten. Leider sind es immer wieder einzelne Spieler, die uns in Verruf bringen und dafür sorgen, dass dann auch alte Kamellen wieder ausgepackt werden." Den Täter habe man umgehend aus dem Verein ausgeschlossen, sagte Schmaal. "Solche Leute brauchen wir nicht." Zum Sereetzer Vorstand wurde bereits Kontakt aufgenommen. Schmaal betonte: "Ich werde mich im Namen unseres Vereins auch noch persönlich bei Herrn Henning entschuldigen."
Von Verbandsseite wird man sich intensiv mit den Vorkommnissen befassen. "Beim letzten Vorfall ist der Türkische SV auf uns zugekommen und hat sehr gut reagiert. Im Vorstand sitzen dort vernünftige Leute. Der Verein leistet wertvolle Integrationsarbeit", erklärte Dr. Tim Cassel, der als Leiter der jüngst von der Uefa ausgezeichneten Initiative "Schleswig-Holstein kickt fair" und Präventionsbeauftragter des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes fungiert. Möglichen Sanktionen, die von Sperren bis zum Ausschluss der betroffenen Mannschaft reichen können, wollte man beim SHFV nicht vorgreifen. "Es wird natürlich Ermittlungen des Sportgerichts geben. Wir werden den Fall zudem mit beiden Vereinen aufarbeiten", so Cassel. Dabei betonte er, dass in den meisten vergleichbaren Fällen beide Seiten zur Eskalation beitragen. Zudem nahm er die Vereine in die Pflicht. "Auch als Mitspieler und Trainer trage ich Verantwortung, dass so etwas nicht eskaliert. Auf Spieler, die hitzig reagieren, muss in der Mannschaft eingewirkt werden, um Schaden für den Verein zu verhindern."
Cassel betonte jedoch, dass die Statistiken über Gewalttaten im Fußball insgesamt keine signifikante Häufung von Spielern ausländischer Vereine als Täter erkennen lassen. "Aber es ist natürlich ein allgemeines gesellschaftliches Problem, dass in sozial schwieriger Umgebung viel zu schnell zur Gewalt gegriffen wird. In diesen problematischen Verhältnissen gehören Migranten auch dazu."

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