Bundesliga-Kolumne : Existenz-Angst, Punkt-Gewinn, Lust-Killer

Hollerbachs HSV wirkte stabiler als in der Vergangenheit. Ob dies dann reichen wird, werden die kommenden Wochen zeigen.
Hollerbachs HSV wirkte stabiler als in der Vergangenheit. Ob dies dann reichen wird, werden die kommenden Wochen zeigen.

Der HSV kämpft sich trotz Rückstand zum Unentschieden: Die Hanseaten zeigen Moral, aber reicht es für den Klassenerhalt?

shz.de von
29. Januar 2018, 08:01 Uhr

Aus, aus, aus: Nun also auch Hannes Wolf. Nach nur zwei Siegen aus den letzten neun Spielen feuert der VfB Stuttgart seinen Jung-Trainer. Das 0:2 im eigenen Stadion gegen Schalke 04 war die Endstation für den 36-Jährigen, der noch im Mai 2017 nach dem Wiederaufstieg in Stuttgart nicht nur gefeiert, sondern auch hoch gehandelt wurde. Bis die Existenzangst beim VfB Einzug hielt. So wie eine Woche zuvor in Hamburg. Und so wie demnächst in Bremen, Mainz oder auch in Wolfsburg.

Früheste Meisterschaft in der Liga-Historie?

Schluss mit dem Jugendwahn in der Mercedes-Stadt, der Nachfolger wird älter sein als der Wolf, Hannes. Somit logischerweise auch älter als der 30-jährige Julian Nagelsmann, der vor Monaten bei den Bayern gehandelt wurde, jetzt aber mit Hoffenheim im Bundesliga- Mittelmaß versinkt. 2:0 bei den Bayern geführt, dann 2:5 verloren. Nagelsmann, der sich beim FCB selbst ins Gespräch gebracht hatte, ist nur Durchschnitt. Und das reicht nun einmal nicht für die Münchner, die den erneuten Meistertitel bereits am 18. März nach ihrem Auftritt in Leipzig feiern könnten. Es wäre die früheste Meisterschaft in der Liga-Historie.

Der BVB wird es nicht verhindern können. Peter Stögers Tage in Dortmund scheinen gezählt. Der Österreicher bekommt die Startruppe nicht in den Griff, was nach seinem Versagen in Köln nicht weiter überrascht. Der BVB ist eine Nummer zu groß für den Österreicher, der für etwas mehr als eine halbe Saison bis zu drei Millionen Euro einstreichen soll. Ja, geht’s noch Borussia Dortmund? Der einstige Arbeiterverein hat offenbar die Bodenhaftung verloren. Auch eine Art von Existenzangst.

Moral gezeigt

Allgemeine Zufriedenheit: Es war ein halbwegs gelungener Einstand von Bernd Hollerbach beim Punktgewinn des Hamburger SV in Leipzig. Mehr nicht. Weil ein Punkt im Abstiegskampf nur wenig hilft, wie es auch in Bremen registriert wird. Der HSV und Werder stecken tief drin im Abstiegs-Schlamassel.

Die Mannschaft habe Moral gezeigt, konstatierte der gelernte Metzgermeister nach dem Schlusspfiff. Womit Hollerbach Recht hat – unter seinem Vorgänger Markus Gisdol wäre die Mannschaft nach der Leipziger Führung nervös geworden und hätte wohl eine weitere Niederlage kassiert.

Hollerbachs Team wirkte stabiler als in der Vergangenheit. Ob dies dann reichen wird, werden die kommenden Wochen zeigen. Der Franke Hollerbach strich erst einmal die freien Tage. Ordnung, Disziplin, Ausdauer. Eine Trainer-Philosophie aus der Vergangenheit, die dem HSV jedoch die Zukunft sichern könnte. Für Experimente hat der Club beileibe keine Zeit.

Videobeweis: Werder erzielt das 1:0 gegen Hertha. Ein reguläres Tor. Das Weserstadion feiert. Denkste. Referee Bastian Dankert lässt die Video-Rolle mehr als eine Minute zurückdrehen – und entdeckt ein Foul im Mittelfeld. Gut drei Minuten später heißt es: Das Tor zählt nicht. In Leipzig wird in der Zeitlupe klar, dass der Treffer des HSV aus einer Abseitsposition heraus erzielt wurde. Hier greift der Video-Schiri nicht ein.

Der Fan versteht es nicht. Und geht irgendwann nicht mehr ins Stadion. Lustkiller Video.

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