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14. Dezember 2017 | 15:03 Uhr

Europas Fußball-Könige

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Der Pokal ist "dahoam": Bayern feiert nach dem 2:1-Sieg gegen Dortmund eine rauschende Party-Nacht / Jetzt wollen Schweinsteiger und Co. das Triple

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

London | Auf der Siegerbühne des Bankett-Saales ließ Karl-Heinz Rummenigge Europas neue Fußball-Könige los zur Sause ohne Limit mit dem so langersehnten silbernen Henkelpott. "Wir haben in sechs Tagen wieder ein Finale, aber ich glaube, mit 1,8 Promille haben wir trotzdem eine Chance" gegen Stuttgart, rief der Chef des FC Bayern den im dritten Anlauf gekrönten Champions-League-Helden nach ihrem Last-Minute-Sieg gegen Borussia Dortmund zu. Nach den nicht enden wollenden Jubelarien mit ihren 25 000 Fans im Stadion brachten sich Matchwinner Arjen Robben und Co. bei der offiziellen Party mit 1800 geladenen Gästen im "Grosvenor House" weiter in Stimmung für die anschließende lange Nacht im internen Kreis. Im Rausch der Gefühle kündigte Robben einfach mal eine Feier über "zwei, drei Tage" an.

Der 2:1 (0:0)-Kraftakt gegen den nationalen Erzrivalen BVB ließ "alle Dämme brechen", wie Jupp Heynckes berichtete. Der scheidende Trainer steht mit seiner Mannschaft vor der Krönung, nach der Meisterschaft der Rekorde kehrt nach dem wichtigsten Sieg des Jahres die wertvollste der drei angestrebten Trophäen nach zwölf Jahren nach München zurück. Erleichterung pur machte sich breit. "Wenn man eine goldene Generation werden will, muss man einen internationalen Titel gewinnen", sagte Kapitän Philipp Lahm, der den Pokal aus den Händen von Uefa-Präsident Michel Platini entgegennahm. Nun soll gegen den VfB Stuttgart der i-Punkt gesetzt werden. "Wir wollen das Triple", verkündete Lahm. Der Titelhunger ist immer noch nicht gestillt.

Im ersten deutschen Königsklassen-Finale wurden die Bayern in London für alles entschädigt, was sie in den verlorenen Endspielen 2010 gegen Inter Mailand und beim Elfmeter-Drama "dahoam" gegen den FC Chelsea durchleiden mussten. "Was wir heute erlebt haben, war das Sport-Comeback des Jahres", schwärmte Rummenigge in seiner Rede: "Was ist das für ein Club, was ist das für eine Qualität, was ist das für ein Stolz, den dieses Bayern München darstellt im Moment."

Viele hätten vor zwölf Monaten gedacht, "dass wir zusammenbrechen, in eine Schockstarre fallen und aufhören". Nun stehen die Bayern als die neue Fußball-Macht in Europa da. "Eine neue Ära" im europäischen Vereinsfußball könnte Heynckes eingeleitet haben.

Ausgerechnet Arjen Robben hatte einer starken Borussia aus Dortmund in der 89. Spielminute den K.o. versetzte. Auch das passte perfekt ins Bild vom "Comeback des Jahres", denn der Holländer trug 2012 große Verantwortung für alle verpassten Ziele. Statt Pfiffen gab es am Sonnabend herzerwärmende "Arjen-Robben"-Rufe der Fans. "Heute hat es geklappt - da kann man das andere vergessen", kommentierte der 29-Jährige. Lahm, Schweinsteiger, Robben, Ribéry haben endlich "das Höchste erreicht", wie der Siegtorschütze betonte.

"Die Zeit wäre ihnen weggelaufen", stellte Heynckes fest. "Der Druck war enorm hoch", gestand Kapitän Philipp Lahm ehrlich. Wie Blei schien er in der Anfangsphase gerade auf den Schultern der Münchner Führungsspieler zu lasten. Nationaltorhüter Manuel Neuer musste sein Team mehrfach vor einem Rückstand bewahren. Auch nach dem 1:0 durch Mario Mandzukic (60.), das Robben vorbereitete, kam der BVB durch einen Foulelfmeter von Ilkay Gündogan (68.) zurück. "Nach dem 1:1 ist mir der Arsch auf Grundeis gegangen", gab Neuer zu. Bis Robben, der vorher zwei Mal an Roman Weidenfeller gescheitert war, zuschlug.

Der "Fußball-Gott", den Heynckes noch am Tag vor dem Finale beschworen hatte, war diesmal auf Münchner Seite. "Vielleicht waren die Bayern in diesem Jahr einfach an der Reihe", meinte Bundestrainer Joachim Löw im fernen Miami. Losgelöst konnten Lahm und Kollegen in ihren roten "FOOTBALL IS COMING HOAM"-Shirts ihren feucht-fröhlichen Feiermarathon antreten.

Rührselig ging es zu, als Schweinsteiger dem von seiner Steueraffäre geplagten Präsidenten Uli Hoeneß auf der Tribüne den Pokal in die Hände drückte und dieser ihn unter frenetischen "Uli-Uli-Uli"-Rufen der Fans gerührt, aber nur sehr dezent in die Höhe hob. "Das ist nicht mein Titel", sagte der angeschlagene Vereinspatron.

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