"Erst mit dem Abpfiff ist das Spiel zu Ende"

Unheilbar erkrankt: der Neumünsteraner Fußballer Stefan Moik. Foto: schmuck
Unheilbar erkrankt: der Neumünsteraner Fußballer Stefan Moik. Foto: schmuck

shz.de von
05. Juni 2010, 03:59 Uhr

neumünster | Es war ein Schlüsselbeinbruch, der das Leben des Fußballers Stefan Moik vor einem Jahr schlagartig verändern sollte. "Nur" ein Schlüsselbeinbruch. Doch für den heute 44-Jährigen war es der zweite innerhalb von zehn Wochen. Zum wiederholten Mal hatte er sich bei einem Sturz nicht richtig abstützen können. Die Ursache dafür war niederschmetternd. Denn bei einem anschließendem Arztbesuch wurde bei Stefan Moik die Muskel- und Nervenkrankheit ALS diagnostiziert - eine unerforschte Krankheit, die als unheilbar gilt. Wer darunter leidet, der hat nach der Diagnose nur noch drei bis fünf Jahre Lebenserwartung.

Stefan Moik weiß das natürlich auch und hat für heute seine vielen Kollegen und alte Weggefährten aus der Kickerszene zusammengetrommelt. Um 15 Uhr spielen auf dem Olympia-Platz am Neumünsteraner Forstweg die mit Ex-Profis und weiteren bekannten Gesichtern gespickte Nord-Ostsee-Auswahl, ein Altliga-Allstarteam des VfR Neumünster und die Altliga des FC Torpedo Neumünster ein Abschiedsturnier für den früheren Landesauswahlkicker aus. "Ich möchte nicht, dass man posthum zu meinen Ehren ein Turnier veranstaltet. Ich will jetzt noch einmal im Kreis meiner Freunde etwas erleben." Wenn Stefan Moik so etwas sagt, klingt er energisch. Aber er verliert dabei nie sein Lächeln. Das Markenzeichen hat er sich bewahrt. Überhaupt ist er ein positiver Typ, überall gut angesehen, geschätzt und respektiert. "Wir müssen denen helfen, denen es bei weitem schlechter geht als uns", sagt er, dem es selbst gar nicht gut geht. Und so wird heute am Rande des Turniers und des anschließenden Beisammenseins mit Live-Musik und einem DJ für traumatisierte Kinder in Sri Lanka gesammelt.

Stefan Moik hat nie nach dem Warum gefragt. "Denn ich habe im Leben viel Glück gehabt. Glück, das andere in 80 Jahren nicht haben", räumt er ein. "Zwei tolle Kinder", wie der Neumünsteraner seinen 17-jährigen Sohn und die zwei Jahre jüngere Tochter bezeichnet, haben ihm stets Kraft gegeben. Kraft, die ihm jetzt fehlt. "Ja, ich habe Angst vor gewissen Situationen, auch wenn ich mich total auf den heutigen Sonnabend freue", gibt Moik zu. Der Weg in den Mittelkreis, wo er vor dem ersten Anstoß noch einmal eine Rede halten möchte, und seine zuletzt häufig wacklige Stimme machen ihm Sorgen.

Er sehe die Welt seit seiner schlimmen Diagnose mit anderen Augen, erzählt der 44-Jährige. "Als behinderter Mensch machst du dir Gedanken, wie du auf den nächsten Bordstein kommst. Du lernst die Menschen schätzen, die dich unterstützen. Und du definierst die Erfolge ganz anders", berichtet Stefan Moik. Für ihn sei es bereits ein Erfolg, ohne fremde Hilfe eine Treppe hinaufzukommen. "Ich möchte wieder laufen, Hemden zuknöpfen und schreiben können", nennt er als Wünsche. Sein zielgerichteter Blick aus dem Fenster lässt erkennen, dass er ernst meint. "Und wenn ich wieder gesund bin, dann spiele ich auch wieder Fußball", sagt Stefan Moik. "Denn erst mit dem Abpfiff ist das Spiel zu Ende."

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