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SG Flensburg-Handewitt : Enttäuschung und Ratlosigkeit in Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

SG-Trainer Ljubomir Vranjes kündigt eine intensive Aufarbeitung der 22:29-Niederlage gegen die Rhein-Neckar Löwen an.

Es gibt genug Handball-Trainer, die nach einer schweren Niederlage in der Pressekonferenz Wirkungstreffer zeigen und recht einsilbig werden. Ljubomir Vranjes schien nach der glatten 22:29-Niederlage in der Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen genau diesem Verhaltensmuster zu entsprechen. „Ich weiß gar nicht, was sich sagen soll: Meine Mannschaft hat nicht so gut gespielt“, stieg der Schwede ein. Als der eine oder andere Zuhörer bereits damit rechnete, sein Mitteilungsbedürfnis wäre damit bereits erschöpft, legte der Coach der SG Flensburg-Handewitt erst richtig los. „Wir sind bereits am Dienstag nach Mannheim geflogen, haben uns gut vorbereitet“, zürnte er. „Aber hier hatte ich das Gefühl, dass meine Mannschaft gar nicht anwesend war.“

Es wurde keine Wutrede, in den Worten von Vranjes schwang aber genug Frust mit. Er haderte über Fehlpässe „aus zwei Metern“, über zahlreiche technische Fehler, die sich ständig wiederholten hätten und über unzureichendes Angriffsverhalten in 6:6-Situationen. Nun: Ein Positionsspiel hatte im ersten Durchgang praktisch nicht stattgefunden. Nach rund 20 Minuten glückte dem gerade eingewechselten Jim Gottfridsson ein Durchbruch, die anderen sieben Treffer der ersten Hälfte entsprangen Gegenstößen und der zweiten Welle.

Im zweiten Durchgang lief es mit der Besetzung Holger Glandorf, Thomas Mogensen und Drasko Nenadic im Rückraum etwas besser. Prompt verkürzte der Gast auf 20:22 (46.). „Da dachte ich, wir haben den Hebel umgelegt“, verriet Kapitän Tobias Karlsson später. Doch die nächsten Angriffe mündeten in Würfen, die aus nicht perfekter Position abgegeben werden mussten, weil die Schiedsrichter ein passives Spiel angezeigt hatten. Die SG verlor wieder an Boden – diesmal entscheidend. Während die Pressekonferenz noch lief, hatten die SG-Akteure die SAP-Arena durch einen Hintereingang verlassen. Einige sprachen kurz mit einigen Fans, die meisten verkrochen sich schnell im Mannschaftsbus. Enttäuschung und Ratlosigkeit herrschten vor. „Wir waren zu langsam“, meinte Linksaußen Anders Eggert. „Die Rhein-Neckar Löwen haben stärker gedeckt als erwartet – und die Löcher in der Abwehr wurden für uns sehr klein.“ Dem wollte sich Tobias Karlsson nicht anschließen. „Wir sind frustriert, weil wir nicht das gezeigt haben, was wir können“, sagte er. „Aber um in eine taktische Analyse zu gehen, möchte ich das Spiel zu erst noch einmal sehen.“

Eine akribische Zerlegung des Auftritts in seine Einzelteile wird kommen, kündigte Ljubomir Vranjes bereits an. Zufrieden war er nur mit der Tatsache, dass dem nächsten Auswärtsspiel in Lübbecke ein spielfreies Wochenende vorausgeht. Zeit, um sich zu finden. „Wir geraten nicht in Panik, werden auch den Kopf nicht in den Sand stecken – es war aber eine Partie, die man nicht schönreden kann und die zu denken gibt“, bemerkte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.

Was aber nicht mehr reparabel ist: Die vier Minuspunkte sind eine schwere Hypothek, belasten die großen Ambitionen der SG. „Im Vorjahr“, erinnerte Vranjes, „haben wir auch in Magdeburg und Mannheim verloren.“ Und die SG wurde Vize-Meister. Der SG-Trainer zitierte die Worte von HSV-Geschäftsführer Christoph Wendt, der vor wenigen Tagen davon gesprochen hatte, dass die Bundesliga kein Sprint, sondern ein Marathon sei. Dann schuf Ljubomir Vranjes ein eigenes Bild: „Wir sitzen alle in einem Boot, und wir können aus diesem die ganze Saison nicht aussteigen. Jeder muss alles für alle anderen tun.“

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