Ein Mann will nach ganz oben

Der nächste Herr der Ringe? Thomas Bach werden gute Chancen auf das wichtigste Amt im Weltsport eingeräumt. Foto: dpa
Der nächste Herr der Ringe? Thomas Bach werden gute Chancen auf das wichtigste Amt im Weltsport eingeräumt. Foto: dpa

Kandidatur bestätigt: Thomas Bach will am 10. September in Buenos Aires als erster Deutscher IOC-Präsident werden

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10. Mai 2013, 03:59 Uhr

Berlin | In einem taubenblauen Anzug und mit gefalteten Händen verkündete Thomas Bach ruhig seine präsidialen Pläne. Als Reformer und Bewahrer will der 59-Jährige das Erfolgsmodell Olympia in die Zukunft führen. Mit dem mutigen Schritt, als Erster seine Ambitionen auf das wichtigste Amt im Weltsport öffentlich zu machen, hat der IOC-Kronprinz seinen Führungsanspruch demonstriert - und seine Favoritenstellung manifestiert. "Das ist eine einmalige Gelegenheit, dem Sport vieles zurückzugeben. Das ist meine Motivation", sagte Bach gestern im Haus des deutschen Sports in Frankfurt/Main vor neun Kamerateams und knapp 50 Journalisten.

Der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim ist vorsichtig optimistisch, hat aber schwer berechenbare Gegner. Für eine mögliche Münchner Olympia-Kandidatur um die Spiele 2022 sei seine erfolgreiche Wahl "eher positiv", so Bach. Auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude bewertete die Ankündigung als "positive Ausstrahlung" für die bayerischen Olympia-Träume.

Die 125. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wird am 10. September in Buenos Aires entscheiden, wer als neunter IOC-Präsident die Nachfolge des Belgiers Jacques Rogge antritt. Nach den gescheiterten Bemühungen von Willi Daume 1980 ist Bach erst der zweite Deutsche, der den olympischen Gipfelsturm versucht. In einem Brief hatte er Rogge und die restlichen IOC-Mitglieder über sein Vorhaben informiert.

Sein Wahlprogramm will Bach bei der offiziellen Abgabe seiner Kandidatur in etwa vier Wochen vorstellen. Bisher hat sich der einflussreiche Netzwerker als Vertreter der traditionellen olympischen Werte positioniert. Wie er den Ringe-Zirkel zukunftsfähig machen will, offenbarte Bach in einem Schreiben. Darin versprach er seinen Kollegen, er wolle die olympische Bewegung als "Einheit in Vielfalt" stärken und voranbringen.

Bach will das sportliche Weltparlament für Diskussionen mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur öffnen. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) steht für eine Null-Toleranz-Politik im Anti-Doping-Kampf, eine Modernisierung des Olympia-Programms, eine Reform der Jugendspiele und eine Eindämmung des Gigantismus, mit der das Problem der sinkenden Zahl olympischer Bewerberstädte gelöst werden soll.

Nach seinem Olympia-Gold 1976 mit der Florett-Mannschaft hat der Multifunktionär seit seiner Aufnahme ins IOC 15 Jahre später durch verschiedene Rollen praktisch alle Facetten des Premiumprodukts Olympia kennengelernt. Als Vorsitzender der Juristischen Kommission und Chef der Disziplinarkammer ist Bach längst ein unentbehrlicher Zuarbeiter für Rogge. Bereits drei Mal wurde er zum IOC-Vize gewählt. Jetzt will er ganz nach oben. Sein härtester Rivale im Ringen um den begehrten Posten soll der Puerto Ricaner Richard Carrion, Direktor der IOC-Finanz-Kommission, sein.

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