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12. Dezember 2017 | 11:57 Uhr

Ein Kopfstoß schockt die Handballszene

vom

Torsten Jansens Ausraster erstickt die HSV-Freude / Verletzter Ivan Nincevic: "Ich hätte blind sein können" / Übeltäter entschuldigt sich / Lange Sperre droht

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Nach dem schwer erkämpften Sieg saß Torsten Jansen in der Kabine und weinte. Nach Jubel war dem Hamburger Handballer wegen seines bösen Ausrasters gegen Berlins Ivan Nincevic nicht zumute. Dabei hatte sein HSV Hamburg gerade den Rivalen Füchse Berlin mit 28:25 besiegt und sich wieder Hoffnung auf Platz vier und die Champions-League-Qualifikation verschafft. Aber nach Jansens brutalem Kopfstoß 37 Sekunden vor Spielende wurde das Ergebnis zur Nebensache.

Nincevic ging zu Boden und war kurzzeitig bewusstlos. Im Krankenhaus wurde die fünf Zentimeter lange Risswunde unterm rechten Auge genäht. "Das Jochbein ist nicht gebrochen", sagte der Kroate gestern erleichtert. "Mir ist nur schlecht und schwindelig. Ein paar Zentimeter höher, und ich hätte blind sein können", sagte Nincevic. Der ärztliche Befund war lang: schwere Prellung am Jochbein und am Hinterkopf, große Fleischwunde und schwere Gehirnerschütterung. Der 31-Jährige weiß derzeit nicht, ob er rechtliche Schritte gegen Jansen wegen Körperverletzung einleiten soll.

Gestern Morgen rief Jansen seinen Gegenspieler an und bat um Verzeihung. Der Kroate nahm die Entschuldigung an. "Es tut mir leid, was passiert ist. Da ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt. Ich habe mich selbst erschrocken und wünsche Ivan Nincevic schnelle Genesung", sagte Jansen in einer HSV-Mitteilung und bekannte: "Das ist mir in 13 Profi-Jahren nicht passiert."

Für Nincevic ist die Saison beendet. Das bedeutet: Er wird nie mehr im Trikot der Füchse spielen. Am Saisonende verlässt er den Verein. Berlins Manager Bob Hanning war am Morgen nach der brutalen Attacke immer noch geschockt: "Provokation ist das eine. Aber das war Körperverletzung. Das hat im Handball nichts zu suchen." Das sah auch Trainer Dagur Sigurdsson ähnlich: "Toto Jansen hat ihn geköpft und ist dann wie ein kleines Kind weggelaufen", sagte der empörte Isländer.

Was in den 36-jährigen, eigentlich stets fairen Jansen gefahren war, konnte niemand nachvollziehen. "Ich hatte Torsten lange als Spieler", berichtete Hanning, der von 2002 bis 2005 den HSV trainiert hatte. "Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass Torsten 36 Jahre lang ein einwandfreier Sportler war und viel für den deutschen Handball getan hat."

Den Hamburgern war nicht wohl in ihrer Haut. "Die Stimmung ist getrübt. Wir können den Sieg nicht richtig genießen", gestand Rückraumspieler Pascal Hens.

Weil die Rote Karte einen Bericht zur Folge hat, muss Jansen mit Konsequenzen rechnen. "Er wird für 14 Tage vorsorglich gesperrt. In dieser Zeit hat der HSV die Möglichkeit zur Stellungnahme. Dann entscheidet die Disziplinarkommission", sagte Spielleiter Uwe Stemberg. Die Höchstsperre beträgt zwei Monate plus Geldstrafe. Allerdings kann Jansen nur für Bundesliga-Partien in dieser Saison suspendiert werden, und das sind nur noch zwei.

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