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Volleyball : DVV-Männer vor EM-Reise ins Ungewisse

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Nach der umjubelten Silber-Medaille der deutschen Volleyballerinnen vor heimischem Publikum starten nun auch die DVV-Männer in ihre EM-Mission. Doch von Projekt Gold kann bei der Mannschaft von Bundestrainer Vital Heynen keine Rede sein.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 10:03 Uhr

Die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) reist mit einigen Problemen im Gepäck zum Turnier in Dänemark und Polen. Die DVV-Crew will in erster Linie Wiedergutmachung für die Blamage von Tschechien vor zwei Jahren betreiben. Unter dem damaligen Coach Raúl Lozano wurde die Deutschen als 15. nur Vorletzter.

Seit Februar 2012 ist nun der Belgier Heynen am Ruder. Und vor dem schwierigen Startschuss am Freitag im polnischen Gdynia gegen EM-Favorit und Olympiasieger Russland weiß er gar nicht so recht, wo seine Mannschaft steht. «Physisch entwickelt sich die Mannschaft, wir sind aber noch keine echte Mannschaft», beschrieb der Mann aus Maaseik die Schwierigkeiten beim Teambuilding.

Angesichts nur begrenzter Vorbereitungszeit habe sein Team noch nicht richtig zusammenwachsen können. «Storming, Norming, Performing» fehle, betonte Heynen und meinte damit die Phasen des Konflikts, des Übereinkommens und der Leistung, die eine Mannschaft erst so richtig zusammenschweißen würden.

Schon mit Blick auf Olympia 2016 in Rio de Janeiro hat der Coach sein Team umgebaut. Nach dem verblüffenden fünften Platz bei den Ringe-Spielen 2012 in London hieß es: Alte raus, Junge rein. Philipp Collin (Tours/Frankreich) oder auch Björn Höhne (TV Ingersoll Bühl) kennen die EM bisher nur vom Hörensagen. Insgesamt stehen fünf EM-Debütanten im Kader. «Jeder sucht noch seinen Platz», sagte Heynen. «Das wusste ich zwar schon vorher, trotzdem ist die Entwicklung schwieriger einzuschätzen. Oft habe ich Antworten, heute habe ich noch nicht viele Antworten.»

Der Belgier, der viel auf Eigenverantwortung und Teamgeist setzt, konnte mit den letzten beiden Tests gegen Italien aber zufrieden sein. Das erste Duell mit dem Vize-Europameister gewann der DVV mit 3:2, das zweite sogar mit 3:0. Kann die EM also kommen?

Als wunder Punkt hat sich der Diagonalangriff erwiesen. Kapitän Jochen Schöps droht wegen einer Bauchmuskelverletzung nicht nur für das Russland-Duell, sondern auch für die weiteren Gruppen-Partien am Samstag gegen den Weltranglisten-Neunten Bulgarien und am Sonntag gegen Emporkömmling Tschechien auszufallen. «Ich hoffe, dass ich noch fit werde», sagte Schöps, der seit 2012 in Polen bei Resovia Rzeszow spielt.

Immerhin ist nach seiner Schulteroperation Georg Grozer wieder mit dabei. Doch der 28 Jahre alte Weltklasse-Diagonalangreifer vom russischen Meister Belogorie Belgorod braucht noch Zeit. «Seine vier Monate Pause steckt er nicht so schnell weg», sagte Heynen, der seit Mitte August in Kienbaum nahe Berlin am Feinschliff mit seinem Team arbeitet. «Ich habe Angst, dass es zu viel für ihn wird.»

Über Ziele kann Heynen angesichts der vielen Fragezeichen nur bedingt reden. «Es besteht die Möglichkeit, dass es komplett nicht gut läuft», meinte er. Im Hinterkopf hat der 43-Jährige aber auch die ganz leise Hoffnung, vielleicht doch eine Riesenüberraschung zu schaffen und erstmals mit den DVV-Männern eine Medaille zu erringen. Mit Blick auf die schwere Vorrunden-Gruppe D betonte Heynen: «Solche Spiele sind für die Entwicklung junger Leute gut. Ich liebe diese Herausforderungen.»

Das EM-Aufgebot der deutschen Volleyballer:

Zuspiel: Lukas Kampa (Modena), Simon Tischer (Lyon)

Mittelblock: Marcus Böhme (Generali Haching), Tim Broshog (Moerser SC), Philipp Collin (Tours/Frankreich)

Außenangriff: Denis Kaliberda (Piacenza/Italien), Björn Höhne (TV Ingersoll Bühl), Sebastian Schwarz (Generali Haching), Christian Fromm (Citta di Castello/Italien)

Diagonalangriff: Jochen Schöps (Rzeszow/Polen), Georg Grozer (Belgorod/Russland)

Libero: Ferdinand Tille (Generali Haching), Markus Steuerwald (Paris), Tom Strohbach (Generali Haching)

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