Tennis : Dustin Brown aus Niedersachsen: Sensationssieg gegen Rafael Nadal in Wimbledon

Was für eine Vorstellung von Dustin Brown: Der Niedersachse entzaubert den einstigen Ranglisten-Ersten Rafael Nadal.

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03. Juli 2015, 08:37 Uhr

London | Dustin Brown hat nach einer spektakulären Show auf dem Center Court für die größte Wimbledon-Sensation dieses Jahres gesorgt und den zweimaligen Champion Rafael Nadal aus dem Turnier geworfen. Der 30 Jahre alte Tennisprofi aus Winsen/Aller entzauberte den völlig genervten Spanier am Donnerstag mit einem 7:5, 3:6, 6:4, 6:4-Erfolg.

Dustin Brown steht erst zum elften Mal bei einem Grand-Slam-Turnier im Hauptfeld, fünfmal davon in Wimbledon. Über die dritte Runde kam der 30 Jahre alte Tennisprofi aus Winsen/Aller nie hinaus. Eine Übersicht über die bisherige Grand-Slam-Bilanz.
Jahr Turnier Abschneiden
2010 Wimbledon 1. Runde
2010 US Open 2. Runde
2011 Australian Open 1. Runde
2011 French Open 1. Runde
2012 Wimbledon 1. Runde
2013 Wimbledon 3. Runde
2014 French Open 1. Runde
2014 Wimbledon 1. Runde
2014 US Open 1. Runde
2015 Australian Open 1. Runde
2015 Wimbledon 3. Runde

„Das ist wahrscheinlich der beste Tag meines Lebens. Ich war selber überrascht, dass ich so ruhiggeblieben bin“, sagte Brown. „Man könnte fast sagen, dass ich wie in einem Tunnel war.“ Um 19.41 Uhr Ortszeit schmiss der Mann mit den markanten Dreadlocks seinen Schläger auf den Boden und fasste sich ungläubig mit beiden Händen an den Kopf. Die euphorisierten Fans erhoben sich von ihren Sitzen, als Brown das Stadion verließ und Autogramme schrieb.

Schon vor einem Jahr hatte der Deutsche mit jamaikanischen Wurzeln beim Rasenturnier in Halle den damals frisch gekürten neunmaligen French-Open-Rekordsieger bezwungen. Und auch diesmal fand der Weltranglisten-Zehnte aus Mallorca kein Mittel gegen die unorthodoxe und aggressive Spielweise Browns. „Mein Gegner, ich selber, eine Kombination aus allem hat zu der Niederlage geführt“, sagte Nadal.

Die Nummer 102 der Welt hatte sich erst durch die Qualifikation ins Hauptfeld gekämpft - wie vor zwei Jahren, als er in der zweiten Runde als Qualifikant den Ex-Champion Lleyton Hewitt in die Knie zwang.

„Ich hatte nichts zu verlieren. Wenn ich hier 6:1, 6:2, 6:3 verliere, sagen alle: Bravo, Rafa.“ Doch nach 2:33 Stunden Spielzeit feierte Brown nach einer beeindruckenden Vorstellung den größten Coup seines Lebens. „Dieser Typ ist unglaublich“, sagte der ehemalige Weltklassespieler John McEnroe als BBC-Kommentator.

Im Kampf um den Einzug ins Achtelfinale trifft Brown am Samstag auf den Serben Victor Troicki. Als einziger von anfangs acht deutschen Herren hat er es in die dritte Wimbledon-Runde geschafft.

Das gelang auch auch vier deutschen Damen. Am Donnerstag zogen Angelique Kerber, Sabine Lisicki und Tatjana Maria in die dritte Runde ein. Lisicki wendete bei ihrem 2:6, 7:5, 6:1-Erfolg gegen Christina McHale aus den USA mit einem Kraftakt ein frühes Scheitern ab. Kerber gewann gegen die Russin Russin Anastasia Pawljutschenkowa 7:5, 6:2 und bekommt nun gegen die Spanierin Garbiñe Muguruza die Chance auf eine French-Open-Revanche. Maria setzte sich gegen die chinesische Qualifikantin Duan Ying Ying mit 1:6, 6:2, 10:8 durch und steht erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier in der dritten Runde.

Andrea Petkovic hat an diesem Freitag bereits die Chance auf den Einzug in das Achtelfinale. Die 27-Jährige aus Darmstadt trifft auf Sarina Dijas aus Kasachstan. „Das wird ganz unangenehm“, sagte die Hessin vor dem Duell mit der Nummer 34 der Welt. Dijas hatte zuletzt in Stuttgart mit einem 6:0, 6:0 gegen Lisicki für Aufsehen gesorgt.

„Ich war am Anfang ein bisschen nervös, habe meine Chancen nicht genutzt und angefangen, leichte Fehler zu machen. Aber als ich den zweiten Satz gewonnen hatte, lief es sehr gut“, sagte Lisicki. Die Finalistin von 2013 trifft jetzt am Samstag auf die French-Open-Halbfinalistin Timea Bacsinszky aus der Schweiz.

Auch die Weltranglisten-Zehnte Kerber steht nun vor einer heiklen Aufgabe. Vor gut vier Wochen war die 27-Jährige aus Kiel in Paris in der dritten Runde an der 1,82 Meter großen Muguruza gescheitert. „Ich werde versuchen, meine Revanche zu nutzen“, sagte Kerber. Als letzte aus dem deutschen Trio feierte Maria einen bemerkenswerten Erfolg und schaffte es erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier in Runde drei.

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