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Druck wächst: Auch Rauball für Anti-Doping-Gesetz

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erstellt am 14.Aug.2013 | 05:44 Uhr

Berlin (dpa) - Der Druck auf die Politik wächst - auch der Widerstand der DOSB-Spitze gegen das Anti-Doping-Gesetz wird aufgeweicht.

Nach den hitzigen Diskussionen über die Studie «Doping in Deutschland von 1950 bis heute» haben jetzt auch DOSB-Ehrenpräsident Manfred von Richthofen und Reinhard Rauball eine schärfere Gesetzgebung gefordert. Auf einer Sondersitzung am 2. September will sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Forschungsbericht über die dunkle Doping-Vergangenheit der Bundesrepublik beschäftigen - Thomas Bach wird bei dem Treffen fehlen. Bereits am 4. September tagt in Buenos Aires die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees zur Vorbereitung der 125. Vollversammlung, auf der er IOC-Präsident werden will.

Für Deutschlands Ober-Olympier kommen die Doping-Debatten im Endspurt seines Wahlkampfs um das wichtigste Amt des Weltsports zur Unzeit. Schließlich biegt der Jurist aus Tauberbischofsheim im Sechskampf um den IOC-Thron als Favorit auf die Zielgerade ein. Gefahren lauern überall. Bach gibt sich gelassen - und kämpferisch. Unspezifische Mediengerüchte, es gäbe innerhalb seiner fünf Konkurrenten eine Kampagne gegen ihn, wies der IOC-Vize entschieden zurück.

«Was da alles an Theorien aufgebaut wird, ist schon verwunderlich», sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der «Sport Bild» (Mittwoch). «Es gibt fünf Gegenkandidaten, die selber gewinnen wollen. Ich spreche auch mit meinen Konkurrenten, es gibt keine Verschwörung gegen mich.» Die Wahl sei ein sportlicher Wettbewerb und er gehe sie an wie ein Athlet, sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976. «Mein Wahlkampf richtet sich nicht gegen andere. Ich versuche, für mich eine Mehrheit zu gewinnen.»

Auf nationaler Ebene bekam die öffentliche Auseinandersetzung über die strafrechtliche Verfolgung bei Doping-Vergehen neuen Schwung. Neun Tage nach dem vorgestellten Abschlussbericht der Doping-Studie mischte sich auch der Fußball ein. «Ich bin der Auffassung, dass man jetzt ein Anti-Doping-Gesetz in Angriff nehmen sollte», sagte Ligapräsident Rauball der «Sport Bild» (Mittwoch). DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bewertete eine verschärfte Gesetzgebung eher kritisch. «Wenn es ein solches Anti-Doping-Gesetz gäbe, würde sich die Frage stellen: Wie schnell kommt man zu einem Urteil? Wir brauchen die Sportgerichtsbarkeit und ihre schnellen Entscheidungen, um den Wettbewerb in Gang zu halten», sagte der Boss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der «Sport Bild».

Vor von Richthofen und Rauball hatten sich bereits zahlreiche prominente Athleten und die beiden Verbandsbosse Clemens Prokop (Leichtathletik) und Rudolf Scharping (Radsport) für ein Anti-Doping-Gesetz eingesetzt. «Der maßgebliche Grund ist der, dass die Strafverfolgungsbehörden deutlich bessere Beweiserhebungsmöglichkeiten hätten, etwa in Form von Durchsuchungen oder Beschlagnahmungen. Dies kann die Verbandsgerichtsbarkeit nicht leisten», erklärte Rauball.

Von Richthofen hatte in dieser Thematik sogar eine Kehrtwende vollzogen. Das Arzneimittelgesetz sowie die Nationale und Welt-Anti-Dopingagentur reichten inzwischen nicht mehr zur Dopingbekämpfung aus, sagte der 79-Jährige in einem Interview des ZDF-Magazins «Frontal21». Er habe in dieser Frage seine Meinung geändert. Der Staat verfüge durch rechtsstaatliche Mittel über ganz andere Durchgriffsmöglichkeiten, sagte von Richthofen, der als Nachfolger von Hans Hansen bis 2006 Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) war. Die Unabhängigkeit der Sportverbände werde seines Erachtens dadurch nicht angetastet, weil in einem kriminellen Bereich der Staat um Hilfe gebeten werde.

Zuletzt hatte das baden-württembergische Justizministerium einen Gesetzentwurf zur Strafbarkeit des Dopings in den Bundesrat eingebracht. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Bach und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper haben sich bisher stets gegen ein Anti-Doping-Gesetz ausgesprochen. Das Arzneimittelgesetz sei ausreichend. In anderen europäischen Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und Österreich gibt es bereits Anti-Doping-Gesetze.

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