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17. Dezember 2017 | 03:56 Uhr

Dortmunds schönste Niederlage

vom

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Madrid/Dortmund | Sichtlich übernächtigt verließen die Dortmunder Partylöwen den Flieger. Die Feier hatte ähnlich viel Substanz gekostet wie das spektakuläre 0:2 (0:0) im Halbfinal-Krimi bei Real Madrid wenige Stunden zuvor. In der vom ehemaligen Real-Profi Nuri Sahin empfohlenen Buddha-Bar stieß die Mannschaft auf den Einzug ins Champions-League-Finale an. Einige Profis feierten danach in anderen Kneipen der spanischen Hauptstadt bis in die frühen Morgenstunden weiter.

Dass schon kommenden Sonnabend der allerdings sportlich bedeutungslose Bundesliga-Gipfel gegen den FC Bayern ansteht, interessierte in diesem Moment niemanden. Selbst Jürgen Klopp hatte keine Einwände gegen eine rauschende Party: "Wenn ich der Mannschaft jetzt nicht gestatte auszugehen, bin ich ja ein Vollhorst." Schmunzelnd fügte er an: "Wir haben ja einen Tag länger Pause als die Bayern. Den werden wir nutzen."

Der historische Abend im Bernabéu versetzte auch den Trainer in Euphorie: "Dass diese Mannschaft im Finale steht, ist die außergewöhnlichste Leistung, von der ich seit langen, langen Jahren im Sport gehört habe." Gleichwohl hätte auch er sich die Zitterpartie in der Nachspielzeit liebend gern erspart: "Aber Borussia Dortmund gibt es nur all inclusive."

Beim nervenaufreibenden Schlussakt ergriff Hans-Joachim Watzke trotz der aufmunternden Worte des spanischen Königs die Flucht. Den BVB-Geschäftsführer hielt es nicht länger an der Seite seines Tribünennachbarn Juan Carlos. "Ich habe mich auf der Toilette eingeschlossen und mir die Ohren zugehalten", gestand Watzke. Erst als es keine "Stadion erschütterungen mehr gab" und der Finaleinzug des BVB trotz des 0:2 (0:0) besiegelt war, traute er sich zurück in die Ehrenloge. "Wir können einfach nur dramatisch", kommentierte Watzke die erfreulichste Niederlage der Clubgeschichte.

Trotz des üppigen 4:1-Polsters aus dem Hinspiel geriet der BVB im infernalisch lauten Bernabéu mächtig ins Wanken. Viel Fortune und die Klasse von Weidenfeller bewahrten die Dortmunder bereits in den ersten 20 Minuten vor einem frühen Rückstand. "Der König hat immer meine Hand gehalten. Er hat mich immer beruhigt, denn wir waren ja massiv unter Druck", sagte Watzke schon zur Halbzeit. Gerade als der BVB sich anschickte, die Partie nach Hause zu bringen, sorgte Real mit zwei späten Treffer von Karim Benzema (83. Minute) und Sergio Ramos (88.) für das große Zittern.

Das passte ins Bild von einer denkwürdigen Saison auf internationaler Bühne. Schließlich war bei fast allen BVB-Partien höchster Unterhaltungswert garantiert. In den Gruppenspielen bei Manchester City und Real Madrid kassierte der BVB in den Schlussminuten den Ausgleich. Beim unvergessenen 3:2 im Duell mit Malaga ebneten zwei Tore in der Nachspielzeit den Weg ins Halbfinale. Und auch der Showdown gegen Madrid war nichts für schwache Nerven.

Die überragende Champions-League-Saison hat dem Club bereits jetzt Einnahmen von mehr als 60 Millionen Euro beschert. Zudem schwärmt ganz Europa vom BVB, auch wenn er - wie in Madrid - nicht zaubert, sondern vor allem leidenschaftlich kämpft. Getrübt war die Freude nur bei Mario Götze. Schon nach 14 Minuten war die Partie für den künftigen Bayern-Profi wegen eines Muskelfaserrisses beendet. Das aus seiner Sicht höchst brisante Topspiel übermorgen gegen den Tabellenführer aus München wird deshalb ohne ihn stattfinden. Sogar sein Einsatz im Champions-League-Finale am 25. Mai ist fraglich.

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