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"Wunder von Frisco" beim America's-Cup : Die unfassbare Aufholjagd der US-Segel-Giganten

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Acht Matchbälle abgewehrt: Die Amerikaner feiern den Segel-Traum als "die Mutter aller Comebacks", der Erfolg gilt schon jetzt eines der Glanzlichter der Sportgeschichte.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2013 | 14:50 Uhr

"Es ist zu diesem Zeitpunkt schwer zu sagen, ob das Team überleben wird", kommentierte "The New Zealand Herald" nach der 8:9-Niederlage der Neuseeländer im fernen San Francisco. Ihr Team hatte in der 34. Auflage des Segelklassikers scheinbar uneinholbar mit 8:1 vorne gelegen und stand am Ende mit leeren Händen da.

"Der Cup ist anders ausgegangen als viele Menschen und ich es erhofft hatten, aber dann doch so, wie man es erwarten musste", sagte Deutschlands Segel-Legende, der zweimalige America's-Cup-Sieger und dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann. Während das Team New Zealand, America's-Cup-Gewinner 1995 und 2000, mit etwa 60 Millionen Euro haushalten musste, von denen rund 20 Millionen Euro die neuseeländische Regierung aufbrachte, stand dem US-Rennstall von Milliardär Larry Ellison rund 150 Millionen Euro zur Verfügung.

"Es tut mir so leid für das Team. Sie haben nicht nur Wochen, nicht nur Monate, sondern Jahre für diese Kampagne gearbeitet. Das Oracle-Syndikat hatte eine enorme Menge Geld hinter sich, und wir sind ein kleines Land von sehr weit her. Wir sind wohl sehr gut im Segeln, mussten aber gegen ein dickes Scheckbuch antreten", klagte Neuseelands Premierminister John Key. Fast die Hälfte der 4,4 Millionen Landsleute in der Heimat hatte die Rennen am Bildschirm verfolgt. Die Amerikaner kamen mit den neuen, 80 Kilometern pro Stunde schnellen Hightech-Katamaranen mit Flugzeugflügel zunehmend besser zurecht.

Unter den elf teuren Spitzenseglern war lediglich ein Amerikaner an Bord. Dass beide Katamarane in Neuseeland gebaut wurden und mit Russell Coutts der berühmteste neuseeländische Segler zum Team der Amerikaner gehörte, tröstet im kleinen Pazifik-Staat kaum jemanden. Teamchef Grant Dalton hat seinen Rückzug angekündigt, und ein Nachfolger für den kämpferischen Boss ist nicht in Sicht.

Der Titelverteidiger ließ als Ausrichter der 35. Cup-Auflage Austragungsort, Bootsklasse und Format offen. Aber er kündigte eine Reduzierung der Kosten an. "Dieser America's Cup hat den Segelsport für immer verändert. Es war die schönste Regatta, die ich jemals auf dem Wasser gesehen habe. Es ist aber auch kein Geheimnis, dass er teuer war. Wir wollen das ändern, denn der America's Cup braucht wieder mehr Nationen", sagte Ellison.

Schümann sieht Chancen für eine zweite deutsche Cup-Teilnahme nach 2007: "Wir haben in unserem Land die Technologie, die Mittel und die Leute, um im America's Cup zu bestehen." Laut Schümann aber könne eine Kampagne unter deutscher Flagge nicht ohne olympische Erfolge entstehen: "Die brauchen wir, damit uns die Wirtschaft auch Erfolge im America's Cup zutraut."

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