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Kommentar zum Niersbach-Rücktritt : DFB-Skandal: Schlinge um Beckenbauer und Co. zieht sich weiter zu

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Das Aufklären der WM-Affäre überlässt Beckenbauer dem Fußvolk. Also unter anderem Niersbach. Jürgen Muhl kommentiert.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2015 | 07:32 Uhr

Die wichtigste Person im Skandal um die angeblich gekaufte Fußball-Weltmeisterschaft 2006 fehlte gestern. Franz Beckenbauer, der wohl alles erklären könnte, hatte keine Einladung zur Befragungsaktion in der Frankfurter Verbandszentrale erhalten. Gekommen wäre der Fußball-Kaiser ohnehin nicht. Beckenbauer denkt gar nicht daran aufzuklären. Das überlässt er dem Fußvolk. Also jenen Funktionären, die in seinem Windschatten zu Ruhm und Ehre gekommen sind.

Wie Wolfgang Niersbach, der einstige treue Freund des Kaisers. Das war einmal. Als Niersbach den Kaiser in Salzburg aufsuchte und zu einer gemeinsamen Erklärung zum Verbleib der 6,7 Millionen Euro überreden wollte, zeigte Beckenbauer ihm die kalte Schulter. Was folgte, war eine Verzweiflungsaktion Niersbachs im Rahmen einer verkorksten Pressekonferenz. Das war der Anfang vom Ende eines Verbandschefs, dem die Bodenhaftung verloren gegangen war. Niersbach hatte sich um Kopf und Kragen geredet. Und: Er hat gelogen.

Eben diese Lügengeschichten wurden dem DFB-Präsidenten zum Verhängnis. Auf die Frage, seit wann er von der falsch deklarierten 6,7-Millionen-Euro-Überweisung wusste, hatte Niersbach immer wieder behauptet, dies sei in diesem Sommer gewesen. Als dann der „Spiegel“ ein Faksimile eines Briefentwurfs aus dem Jahr 2004 mit einer handschriftlichen Bemerkung veröffentlichte, die Niersbach zuzuschreiben ist, stand fest, dass der DFB-Präsident mehrfach die Unwahrheit gesagt hatte.

Dass Niersbach trotz allem seine Posten in den Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union UEFA und des Weltverbands FIFA behalten soll, wirft kein gutes Licht auf den DFB. Eine Fortsetzung jener Klüngelei, mit denen sich Verbandsfunktionäre gegenseitig über Wasser halten. Ein fatales Signal.

Nach dieser Demission zieht sich die Schlinge um Beckenbauer und Co. weiter zu. Die 6,7 Millionen Euro waren Schmiergeld, das steht so gut wie fest. Für wen auch immer. Der Kaiser könnte es erklären. Wird er aber wohl nicht.

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