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Handball-Bundesliga : Der Weg der SG Flensburg-Handewitt wird kein leichter sein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Für Ljubomir Vranjes und seinen Co-Trainer Maik Machulla ist die Entwicklung der Mannschaft das wichtigste Anliegen und die größte Motivation

„Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Aber wir haben einen Weg, den wir konsequent weiter gehen werden.“ Mit diesen wenigen Worten von Maik Machulla ist alles gesagt – über die für viele SG-Fans überraschend erfolgreichen Spiele wie den grandiosen Champions-League-Sieg gegen Paris oder über für viele überraschenden Punktverluste wie die Heimniederlage gegen Melsungen.

Was steckt hinter diesem Weg, für den sich SG-Trainer Ljubomir Vranjes entschieden hat? Den er Schritt für Schritt mit seinem Co-Trainer Maik Machulla umsetzen will? „Es ist kein einfacher Weg“, sagt Machulla. Einfach wäre, die etablierte, eingespielte Sieben möglichst durchspielen zu lassen, die neuen Spieler als Joker oder Entlaster für wenige Minuten einzusetzen. „Aber dann hast du eine sehr langsame Entwicklung der Spieler, und das Verletzungsrisiko erhöht sich, das uns in vergangenen Jahren hart getroffen hat. Unser Weg ist daher komplett anders“, sagt Machulla. Jeder Spieler bekomme Verantwortung. Jeder soll an seinen Aufgaben wachsen und auch Fehler machen dürfen, ohne das Vertrauen der Trainer zu verlieren.

Zum Beispiel Kevin Möller, den Vranjes beim Champions-League-Spiel in Kiel von Beginn an ins Tor stellte. Viele Fans verstanden das nicht, fragten sich, ob Mattias Andersson verletzt sei. „Kevin ist für sein Alter schon sehr weit, doch er muss viel spielen, um sich entwickeln zu können“, sagt Machulla. „Als ich Kevin verpflichtet habe, habe ich ihm seinen Weg für die Zukunft erklärt, und er folgt dieser Philosophie mit Geduld“, sagt Vranjes. Gleiches gelte für die vier Neuen – Petar Djordjic, Kentin Mahé, Rasmus Lauge und Henrik Toft Hansen. Mahé gelang im Kiel-Spiel einiges nicht, dennoch spielte er weiter.

„Wir wollen das Potenzial jedes einzelnen Spielers voll ausschöpfen“, betont Machulla. Das dafür erforderliche Entwicklungs-Training ist fast nur während der Spiele möglich. „Bei drei Spielen pro Woche bleibt sonst nur Zeit für Vorbereitung und Regeneration“, sagt der ehemalige Spielmacher. Das, was während eines Spiels gelingt oder schief geht, hält er auf einem Taktikboard fest. Mehrmals pro Spiel schaut Ljubomir Vranjes auf diese Aufzeichnungen, „um zu sehen, was sein Gefühl und seine Intuition fast immer schon wissen“, sagt Machulla.

In seine neue Rolle ist der 38-Jährige gut hinein gewachsen. „Wir arbeiten prima zusammen, ich weiß genau, was Ljubo von mir erwartet.“ Der Alltag des zweifachen Vaters, der mit seiner Familie in der Gartenstadt Weiche wohnt, hat sich durch den Wechsel vom Spieler zum Trainer grundsätzlich geändert. „Früher kam ich vom Training nach Hause und hatte Feierabend, heute gehe ich ins Büro“, sagt Machulla. Noch sehr viel mehr Zeit als er verbringt Ljubomir Vranjes für die Analyse- und Taktikarbeit am Computer. „In dieser intensiven Saison-Phase mit drei Wettbewerben bleibt den Spielern wenig, den Trainern gar keine Zeit, um Erfolge zu genießen“, sagt Machulla.

Einige Fans und Förderer können auch nicht verstehen, wenn sich der Erfolgstrainer nach dem Spiel nicht in der Sponsoren-Lounge zeigt. Doch der liegt dann nicht auf dem Sofa, sondern bereitet am Schreibtisch bis weit in die Nacht schon das nächste Spiel vor. „Jeder, der uns nur zwei Wochen begleiten würde, würde verstehen, welche Prioritäten ich setze“, sagt Vranjes.

Freie Tage gibt es für die Trainer während der Saison nicht mehr. Die vielen Stunden im Büro bedeuten auch für die Familie eine gravierende Umstellung. „An manchen Tagen sehe ich meine Frau nach dem Frühstück erst beim Schlafengehen wirklich wieder – würde sie nicht mitziehen, könnte ich diesen Job so nicht machen“, sagt Machulla. Das intensives Video-Studium, die Analyse bis ins kleinste Detail ist der Beitrag der Trainer für den Weg der Perspektive. „Nur dadurch werden alle Entwicklungspotenziale sichtbar“, sagt Vranjes. Nur dadurch werden die neuen Spieler so schnell und gut wie möglich integriert und erfahrene Hasen wie Mogensen, Glandorf oder Andersson vor Ermüdungsverletzungen geschützt. „Ich schätze, schon in der Rückrunde werden wir weniger Punkte abgeben als in der Hinrunde. Und in den kommenden Jahren kann diese Mannschaft Großes erreichen“, sagt der Co-Trainer, der in Greifswald und Halle aufwuchs und unter anderem über Magdeburg im Sommer 2012 zur SG kam.

„Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Jedes Spiel in jedem Wettbewerb ist ein Endspiel, wenn man um Titel mitspielen will. Aber wir werden unseren Weg nicht verlassen“, sagt Vranjes. Warum auch? Die SG habe große Titel gewonnen und tolle Spieler entwickelt. Zu dem Aspekt, dass einige Entscheidungen des Trainers einige Fans und Förderer nicht verstehen, fragt Vranjes abschließend: „Wie viele haben meine Entscheidungen in Köln oder in Hamburg verstanden?“ Entscheidungen, durch die die SG die Champions-League und den DHB-Pokal gewann.  

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erstellt am 27.Okt.2015 | 12:59 Uhr

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