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Sportticker

19. August 2017 | 00:42 Uhr

Rodolfo Cardoso : Der Unbelastete

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Interimscoach Cardoso soll den HSV mit einem Sieg im Bundesliga-Nordderby gegen Bremen aus der Krise führen.

Streng genommen hat es Rodolfo Cardoso nicht verdient, einen Bundesligisten zu trainieren. Zum einen, weil er noch gar nicht die nötige Fußballlehrerlizenz besitzt. Zum anderen aber auch, weil er – anders als seine inzwischen prominenten Berufskollegen Thomas Tuchel (Mainz) oder Christian Streich (Freiburg) – bei seiner Arbeit im Nachwuchsbereich nicht positiv auf sich aufmerksam gemacht hat. Im Gegenteil: In der vergangenen Saison brachte der etatmäßige U23-Coach des Hamburger SV sogar fast das Kunststück fertig, mit dem Reserveteam aus der Regionalliga abzusteigen. Und Talente, die unter Cardosos Anleitung den Sprung in die Bundesliga geschafft haben, gibt es beim HSV mit Ausnahme von Zhi Gin Lam nicht. Eine Erfolgsstory sieht anders aus.

Und dennoch ist es durchaus denkbar, dass ausgerechnet der 44-jährige argentinische Interimscoach den HSV im Bundesliga-Nordderby gegen Werder Bremen (heute, 15.30 Uhr) zum Sieg und somit vorerst aus der Krise führt. Weil es in der derzeitigen Ausnahmesituation womöglich gar keinen hochqualifizierten Fußballlehrer braucht, um dem schwer angeschlagenen Traditionsclub neues Leben einzuhauchen. Sondern einen unbelasteten Mann, der die Misere des Profiteams nicht verschuldet hat, der Optimismus ausstrahlt, und der seine Schützlinge an die Grundtugenden des Spiels erinnert – einen wie Cardoso eben. „Die Jungs geben im Training richtig Gas, Zweikämpfe und Aggressivität sind das A und O“, sagte Cardoso. Und: „Das Nordderby ist ein besonderes Spiel. Aber wenn der Ball rollt, wird meine Mannschaft den Druck vergessen.“

Gut möglich, dass das verunsicherte Team solche einfachen Ansagen jetzt braucht. Die Entlassung von Trainer Thorsten Fink, die Gerüchte um eine Verpflichtung von Ex-Werder-Coach Thomas Schaaf, die Unruhe durch die permanente Kritik des milliardenschweren Investors Klaus-Michael Kühne – für Rafael van der Vaart und Co. vielleicht alles ein bisschen viel.

Interimscoach Cardoso besinnt sich auf das Wesentliche und will die ebenfalls taumelnden Bremer niederkämpfen. „Das Spiel gewinnt der, der mehr läuft und den größeren Willen hat“, erklärte HSV-Abräumer Tomas Rincon, der unter Cardoso genauso gesetzt sein dürfte wie der kampfstarke Petr Jiracek. Den verletzten Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier (Fußbruch) vertritt voraussichtlich Heiko Westermann.

Und Cardoso durfte derweil übrigens schon einen kleinen persönlichen Erfolg verbuchen: Investor Kühne hat ihm noch nicht die Tauglichkeit abgesprochen. Das kann dieser Tage wahrlich nicht jeder Entscheidungsträger beim HSV von sich behaupten.

Die voraussichtliche HSV-Aufstellung: Adler – Westermann, Sobiech, Djourou, Jansen – Badelj, Rincon – Lam, van der Vaart, Jiracek – Beister

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erstellt am 21.Sep.2013 | 13:38 Uhr

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