Der lange Tag der Abrechnung

Alles dreht sich um ihn: Der ehemalige HSV-Vorstandsvorsitzende  Bernd Hoffmann  und sein angeblich zweifelhaftes Finanzgebaren rücken auf der  morgigen Mitgliederversammlung in den Fokus.  Foto: getty
Alles dreht sich um ihn: Der ehemalige HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann und sein angeblich zweifelhaftes Finanzgebaren rücken auf der morgigen Mitgliederversammlung in den Fokus. Foto: getty

Showdown beim HSV: Ex-Vorstandschef Hoffmann steht im Mittelpunkt der morgigen Mitgliederversammlung / "Habe mir nichts vorzuwerfen"

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14. Januar 2012, 03:59 Uhr

Hamburg | Es wird ein langer Tag, so viel steht fest. Für seine Mitgliederversammlung am Sonntag hat der Fußball-Bundesligist Hamburger SV bis Mitternacht Saal 1 des Kongresszentrums (CCH) reserviert. Sicher ist sicher. Und nach Lage der Dinge wird der Tag nicht nur lang, sondern auch turbulent. Im Mittelpunkt der zu erwartenden Debatten wird der ehemalige Vorstandsboss Bernd Hoffmann stehen. Unter Punkt zwölf der Tagesordnung ist dessen Entlastung aufgeführt, aber es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass ihm diese verweigert wird - ein Vorgang, den es in der fast 125-jährigen Geschichte des Traditionsclubs noch nie gegeben hat.

Im März 2011 musste Hoffmann gehen, seitdem rüsten sich seine Gegner für die große Abrechnung. Der Vorwurf: vereinsschädigendes Verhalten. Nach Jahren mit Überschüssen wies die Clubbilanz für das am 30. Juni 2011 abgelaufene Geschäftsjahr ein Minus in Höhe von 4,87 Millionen Euro auf. Hoffmanns angeblich zweifelhaftes Finanzgebaren steht auf dem Prüfstand.

Der zwölfköpfige HSV-Aufsichtsrat hatte Hoffmanns achtjährige Amtszeit nach dessen Ausscheiden juristisch unter die Lupe genommen - mehrere Punkte blieben ungeklärt. Hat der Club hohe Summen an Berater gezahlt, ohne dafür Leistungen zu erhalten? Es geht um eine Imageberatung für Hoffmann in Höhe von 89 000 Euro, um Honorare an Spielerberater Roman Grill (30 000) und Beinahe-Sportchef Urs Siegenthaler (500 000). Kurios sind auch die Zahlungen im Zusammenhang mit dem geplanten Transfer des Brasilianers Vagner Love von ZSKA Moskau. Obwohl der Wechsel des Stürmers nach Hamburg scheiterte, überwies der Club dessen Berater 70 000 Euro. Außerdem soll Hoffmann zwei Freunden Jobs beim HSV verschafft haben.

Hoffmann droht im schlimmsten Fall eine Schadensersatzklage wegen Veruntreuung von Vereinsgeldern. "Die Mitglieder haben das Recht, genau informiert zu werden", sagte der neue Vorstandsboss Carl-Edgar Jarchow. Und Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff teilte mit: "Der Aufsichtsrat hat die Aufarbeitung abschließend beraten, er hat Beschlüsse zum weiteren Vorgehen getroffen." Da rüber werde morgen Bericht erstattet. Nicht wenige Beobachter vertreten unterdessen die These, dass Teilen des in sich zerstrittenen Aufsichtsrates gar nicht an lückenloser Aufklärung gelegen ist - weil sich dann herausstellen könnte, dass das Gremium seine Kontrollpflicht verletzt hat.

Hoffmann blickt den Debatten derweil nach eigener Aussage gelassen entgegen. "Ich habe stets im Interesse des Vereins gehandelt und mir nichts vorzuwerfen", sagte er der Tageszeitung "Die Welt". Ob der 48-Jährige zur Versammlung kommt und sich äußert, ließ er offen: "Ich weiß es noch nicht."

Übrigens: Die letzte Mitgliederversammlung dauerte acht Stunden und 50 Minuten. Gut möglich, dass dieser Rekord morgen gebrochen wird.

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