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Vor Bundesliga-Partie gegen Schalke 04 : Der HSV in finanzieller und sportlicher Not

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor dem Spiel am Samstag musste Milliardär Kühne wieder aushelfen – und Trainer Gisdol bringt markige Sprüche.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2017 | 10:02 Uhr

Hamburg | Den Kopf über Wasser halten. Sowohl, was die Finanzen als auch die Punkte angeht. Der Hamburger SV steckt in einer verzwickten und verflixten Situation. Wie schon seit Jahren wird die missliche Lage immer dann in der Öffentlichkeit diskutiert, wenn der hanseatische Traditionsverein um den Klassenerhalt kämpft. Dieser sportliche Existenzkampf hat eine direkte Verbindung zum Kontokorrent: Jämmerliche 34 Punkte auf der Habenseite und mit rund 90 Millionen Euro Schulden im Soll. Hätte nicht der in der Schweiz lebende und aus Hamburg stammende Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne vor einigen Tagen einmal wieder dem HSV 18 Millionen Euro aufs Konto überwiesen, würde es Probleme mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geben. Nur mit dieser Finanzspritze wurde die Lizenz gesichert.

Kühne hält nun 17 Prozent an der HSV Fußball AG. Eine Hilfsaktion, die nicht unbefristet wiederholt werden kann, dürfen doch insgesamt nur 24,9 Prozent an Anteilseigner vergeben werden. Das Wohl des HSV hängt also an einer Person. Insofern besteht für die Fangemeinde des Clubs nicht der geringste Grund, Bundesligisten wie RB Leipzig oder 1899 Hoffenheim an den Pranger zu stellen. Das Sponsoring von Red Bull in Leipzig oder das Wirken von Dietmar Hopp in Hoffenheim unterscheidet sich nur in einer Hinsicht zum Modell HSV-Kühne: Im Hamburger Volkspark müssen mit den Millionen Löcher gestopft werden, während in Leipzig und Hoffenheim mit Sachverstand Mannschaften geformt werden. Und doch bewertet Kühne die Lage kritisch: „Ich bin frustriert. Die Finanzen wurden zerrüttet, der Club wandert auf einem schmalen Grat“, sagte der Milliardär jetzt in einem Interview mit der „Sport Bild“.

Weil der HSV aus der Misswirtschaft im letzten Jahrzehnt keine Lehren gezogen hat und weiter Gehälter wie ein Spitzenclub zahlt, steht er vor einem Scherbenhaufen. Daran würde wohl auch ein erneuter Klassenerhalt nichts ändern. Und doch hofft ein Großteil der deutschen Fußballfreunde auf den Verbleib im Oberhaus. Der HSV hat offenbar immer noch Kredit. Wenn auch nicht bei den Banken, beim Fußballvolk sehr wohl. Und auch bei der Deutschen Fußball-Liga und bei den Fernsehanstalten. Garantieren doch Spiele der Hamburger weitaus höhere TV-Quoten als bei den meisten anderen Bundesligisten. Ausgenommen Bayern München und Borussia Dortmund. Ein Abstieg des HSV hätte fatale Folgen. Nicht nur für den Club, auch für die Liga insgesamt.

Kurz vor Ostern, als die Leistungen der Mannschaft noch Hoffnung machten, wurde der Vertrag mit Trainer Markus Gisdol großzügigerweise um zwei Jahre verlängert. Auch für den Fall des Abstiegs soll er bleiben. Was dann aber wohl kaum Sponsoren und Fans zu vermitteln wäre. Gisdol überzeugte bislang mehr mit markigen Sprüchen als mit Ergebnissen. Von einem funktionierenden Team kann keine Rede sein. Spielerische Ansätze fehlen gar gänzlich. Es läuft hin und wieder, wenn Einzelleistungen den Ausschlag geben.

Vor der heutigen Überlebens-Aufgabe bei Schalke 04 hofft der Coach, dass sein Team nach der Nullnummer gegen Mainz das aggressive Pressing besser zur Geltung bringen kann. „Mainz hat den gleichen Scheißfußball gespielt wie wir in einem Spiel, das man nicht sehen will. Schalke kommt über das Spielerische, das wird eine ganz andere Partie.“ Gisdol macht auf heile Welt. „Die Jungs wissen, um was es geht.“ Er bringt Gideon Jung für den gesperrten Abwehrchef Mergim Mavraj, muss Aaron Hunt (Zerrung) ersetzen und hofft auf das Comeback von Nicolai Müller. Der HSV hofft auf ein Schalke 04, das auch heute von einem Sieg nichts wissen will. Wie im Hinspiel in Hamburg. So eine Art Schützenhilfe für den HSV.

Gisdol will es vermeiden, dass der HSV ein weiteres Mal die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten bestreiten muss. 2014 gegen Fürth und 2015 gegen Karlsruhe hatten sich die Hanseaten jeweils knapp durchgesetzt. „Unterm Strich willst du das nicht wiederhaben. Die Lebensqualität nimmt in einer Relegation extrem ab“, sagte Gisdol. Der Verein sei aber seit seinem Amtsantritt im September durchgängig in dieser schwierigen Phase. Es werde auch sicher nicht von Nachteil sein, dass der Verein positive Erfahrungen in der Relegation gemacht habe.

Der HSV Supporters Club bringt etwa 1300 Fans mit einer eigens organisierten Sternfahrt aus ganz Deutschland zum Spiel gegen Schalke. Aus 16 Städten fahren 26 Busse nach Gelsenkirchen. Insgesamt werden 6000 HSV-Fans ins Ruhrrevier mitreisen.

Bayern München ist Meister, RB Leipzig sicher in der Champions League, Dortmund und Hoffenheim spielen auf jeden Fall im Europapokal und Darmstadt 98 in der 2. Bundesliga – so viel ist klar. Am 33. Spieltag der Fußball-Bundesliga können heute weitere Entscheidungen fallen:
Borussia Dortmund spielt sicher in der Champions League, wenn... ...es beim Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg einen Sieg gibt und Hoffenheim in Bremen maximal Unentschieden spielt.
Der SC Freiburg ist für die Europa League qualifiziert, wenn...

...der Sport-Club sein Heimspiel gegen Ingolstadt gewinnt und die drei Verfolger Hertha BSC (in Darmstadt), Köln (in Leverkusen) sowie Bremen (gegen Hoffenheim) maximal Unentschieden spielen.

...der SC sein Heimspiel gegen Ingolstadt gewinnt, Hertha BSC in Darmstadt verliert und entweder Köln in Leverkusen oder Bremen gegen Hoffenheim nicht gewinnt.

Hertha BSC ist sicher in der Europa League, wenn... ...die Berliner ihr Auswärtsspiel in Darmstadt gewinnen, die Kölner in Leverkusen sowie die Bremer zu Hause gegen Hoffenheim verlieren und Mönchengladbach in Wolfsburg nicht gewinnt.
Der FC Ingolstadt steigt ab, wenn...

...er beim SC Freiburg verliert.

...er beim SC Freiburg einen Punkt holt, dem HSV aber beim FC Schalke 04 und Mainz 05 gegen Frankfurt ebenfalls Unentschieden gelingen.

...er gegen Freiburg zwar gewinnt, aber auch der HSV gegen Schalke und Mainz gegen Frankfurt siegen sowie Wolfsburg (gegen Gladbach) und Augsburg (gegen Dortmund) zumindest einen Punkt holen.

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