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17. Dezember 2017 | 07:50 Uhr

Der Fußball kommt wieder nach Hause

vom

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Exportschlager: Der deutsche Fußball war zu Gast im englischen Fußball-Tempel. Es war nicht der glanzvollste Auftritt von Borussia Dortmund und auch nicht von Bayern München. Und doch kann man von einer gelungenen Vorstellung der beiden deutschen Top-Mannschaften auf englischem Boden sprechen. Überraschend dominierten die Dortmunder in der ersten Hälfte und hätten in Führung gehen können. Mitte des zweiten Spielabschnitts ließen die Kräfte nach, Bayern gewann die Oberhand und letztlich verdient das Spiel und den Sieg in der Königsklasse. Mirko Slomka war des Lobes voll: "Ein überaus schnelles und rasantes Spiel, gute Ballpassagen und eine kämpferische Einstellung wie man es von englischen Mannschaften her kennt", schwärmte der Trainer von Hannover 96 im Gespräch mit unserer Zeitung am Rande des Endspiels.

Borussia Dortmund bevorzugte im Gegensatz zu den Bayern, die sich mitten in London einquartiert hatten, ländliche Ruhe etwa 30 Kilometer vor den Toren der englischen Hauptstadt am Rande von Watford im noblen Country Hotel "The Grove". Hier logierte 1966 auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor dem legendären Endspiel, das durch das irreguläre Wembley-Tor entschieden wurde. Jürgen Klopp wollte dies nicht als schlechtes Omen gewertet wissen, schließlich sei man damals, so Klopp, doch betrogen worden. Nun, Betrug war es nicht, was die Dortmunder auf dem heiligen Rasen von Wembley über sich ergehen lassen mussten. Auch wenn der schwache italienische Schiedsrichter Ribery nach seiner Tätlichkeit die Rote Karte hätte zeigen müssen.

Kontaktsuche: Die Präsenz von Uli Hoeneß auf Wembleys Ehrentribüne war von zwiespältigen Emotionen und differenzierten Meinungen umgeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ja vor Wochen öffentlich ihre distanzierte Haltung begründet hat, begrüßte Hoeneß doch eher unterkühlt. Hoeneß selbst verzichtete in der Halbzeit auf den Besuch der VIP-Räume und suchte auf der Galerie von sich aus das Gespräch mit BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Noch kurz vor Bekanntwerden der steuerlichen Verfehlungen hatte der Bayern-Boss seinen Dortmunder Kollegen übel beschimpft. Watzke reagierte zurückhaltend. Er fiel Hoeneß nicht um den Hals. So wie es die Bayern-Spieler bei der Siegerehrung machten, sie wollten Hoeneß gar mit der Trophäe jubeln sehen. Das war dem sichtlich angeschlagenen Bayern-Boss dann doch nicht ganz geheuer. Ja, es war ihm offenbar peinlich. Er nahm den Pokal nur für Sekunden in seine Obhut.

Es gab aber auch eine Reihe von Ehrengästen, die eine gewisse Distanz bevorzugten. Dazu zählten VW-Chef Martin Winterkorn und sein Adidas-Kollege Herbert Hainer, die im Aufsichtsrat noch vor zwei Wochen Hoeneß Beistand gewährten.

Wie sagte doch Hoeneß selbst: Bis zum Champions-League-Finale trete er nicht zurück. Das ist jetzt gespielt.

Zurück ins Land: Football is coming home. Zu gern kokettieren die Engländer mit der Besitznahme dieser Sportart. Der deutsche Fußball kommt in seine Heimat zurück. Die Bayern mit dem Cup, der BVB mit einem Koffer voller Sorgen. Jetzt wechselt wohl auch noch Lewandowski ins Bayern-Lager, wie Heynckes es in seiner letzten Personalmitteilung süffisant wissen ließ. Während Pep Guardiola mit dem FC Bayern die derzeit weltbeste Mannschaft übernimmt, steht Dortmund vor einem Umbruch. Klopp ist gefordert.

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