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Sportpolitik : Der fleißige Jura-Professor Denis Oswald

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Denis Oswald schüttelt nicht gern Hände. Selbstdarstellung ist nicht seine Natur. Der Jura-Professor aus Neuchâtel hört lieber stundenlang juristische Fachvorträge und macht seit mehr als 40 Jahren den fleißigen Diener Olympias.

«Das Händeschütteln ist nichts für mich. Ich verkaufe mich nicht gern. Ich hoffe, dass meine Taten in der olympischen Bewegung überzeugender sind als Händeschütteln», sagte der 66 Jahre alte IOC-Spitzenfunktionär kurz vor der offiziellen Bekanntgabe seiner präsidialen Pläne am 24. Mai.

Oswald gilt als Idealist. Schmutziger Überzeugungskampf scheint ihm zuwider. Er war auch als Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur im Gespräch, wollte sich aber auf die IOC-Kandidatur konzentrieren. Der Schweizer geht auf in seiner Rolle als Olympia-Fachmann. Wenn er über die Verteidigung olympischer Werte spricht, schwingt in seinen Worten mehr Authentizität und Glaubwürdigkeit mit als bei den meisten seiner Mitstreiter um das wichtigste Amt im Weltsport.

Der ehemalige Ruderer holte bei drei Olympia-Teilnahmen 1968 in Mexiko Bronze im Vierer mit Steuermann. Nach elf Jahren als Generalsekretär wurde er 1989 Präsident des Internationalen Ruderverbandes (FISA). 1991 wurde er ins Internationale Olympische Komitee gewählt, von 2000 bis 2012 saß er in der Exekutive. Oswald arbeitet als Richter am Internationalen Sportgerichtshof (CAS) und führte die Vereinigung aller olympischen Sommersportverbände (ASOIF) an. Als Koordinator war er verantwortlich für die Vorbereitung der Sommerspiele in Sydney und Athen, in der Koordinierungskommission für die unvergesslichen London-Spiele hatte er sogar den Vorsitz.

«Wenige meiner Kollegen waren in solch bedeutsamen Rollen oder haben so erfolgreich internationale Führungsrollen auf so vielen verschiedenen Gebieten der olympischen Bewegung ausgefüllt», sagte der Multi-Funktionär, der auch im Sportrecht eine wichtige Figur ist. Sein Wahl-Manifest hat er unter den Titel «My Five Rings» (Meine fünf Ringe) gestellt. Neben dem Pflichtinhalt Wahrung der olympischen Werte möchte er seine Vision vom sauberen Sport vorantreiben.

Oswald will die Jugendspiele reformieren, eventuell das Mindestalter der Teilnehmer senken. Die Altersgrenze für IOC-Mitglieder sollte auf 75 angehoben werden und die Olympier sollten auch wieder zu Bewerberstädten reisen dürfen. Das olympische Programm könnte leicht modernisiert werden, auch ohne Sportarten zu streichen. Und am Ende würden die Olympischen Spiele auf «höchstem Niveau» und mit «unvergleichlichem Charakter» stehen, so Oswalds Vorstellung.

«Ich möchte dem Sport etwas zurückgeben von dem, was ich bekommen habe», sagte er, der Experte für Olympismus. Seinen unstrittigen Verdiensten steht allerdings die Kritik an einem Sponsorenvertrag gegenüber, den er 2010 als FISA-Boss mit dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung abschloss. Das Unternehmen, das zudem IOC-Partner ist, unterstützte damals auch die letztlich erfolgreiche Kandidatur Pyeongchangs für die Winterspiele. Pyeongchang wurde deshalb in einer wichtigen Bewerbungsphase von der IOC-Ethikkommission verwarnt. Oswald verzichtete schließlich darauf, beim entscheidenden Votum über den Olympia-Gastgeber 2018 seine Stimme abzugeben.

Jetzt kämpft er seit Monaten selbst um Stimmen. Erst als er das Gefühl hatte, es gäbe die Aussicht auf mindestens 30 Stimmen, soll er entschieden haben, fürs IOC-Präsidentenamt zu kandidieren. Oswald weiß, was er will. Blamieren will er sich nicht.

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erstellt am 04.Sep.2013 | 10:54 Uhr

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