Bundesliga-Kolumne : Der Chaos-Verein HSV und das Nord-Tief

Eine Trennung vom glücklosen Trainer Bernd Hollerbach ist gut möglich – auch wenn dies keinen Sinn ergeben würde.

Eine Trennung vom glücklosen Trainer Bernd Hollerbach ist gut möglich – auch wenn dies keinen Sinn ergeben würde.

Immerhin könnten dem HSV demnächst weitere Demütigungen in München erspart bleiben, kommentiert Jürgen Muhl.

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12. März 2018, 07:48 Uhr

Alles völlig normal: Es war wie immer. Es ist für den HSV nichts Besonderes mehr, in München unterzugehen. 0:6, 0:5, 2:9, 1:3, 0:8, 0:5, 0:8 und nun 0:6 – die Bilanz der Hamburger beim FC Bayern in den zurückliegenden acht Jahren ist ein einziges Trauerspiel.

Der Wirbel um die Freistellung von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportdirektor Jens Todt hat in der ohnehin desolaten Mannschaft Spuren hinterlassen. Es sieht so aus, als blieben dem HSV vorerst weitere Demütigungen in München erspart. Bei sieben Punkten Rückstand auf den Relegationsrang rückt der erste Bundesliga-Abstieg immer näher.

Und womöglich auch eine weitere Trennung. Nämlich die vom glücklosen Trainer Bernd Hollerbach. Auch wenn dies keinen Sinn ergeben würde – zuzutrauen ist es dem Chaosverein, bei dem jetzt auch noch die Spieler aufeinander losgehen. So wirft Sven Schipplock, einer der vielen Fehleinkäufe, einigen Mitspielern Lustlosigkeit vor. Das sagt ein Stürmer, der in dieser Saison das Tor noch nicht ein Mal getroffen hat. Und Kyriakos Papadopoulos beschwert sich, dass der Club in der Winterpause keinen neuen Stürmer verpflichtet hat.

In Hamburg wird geredet, geschludert, rausgeschmissen. Die Vokabel Kontinuität darf man getrost aus dem HSV-Wortschatz streichen. Seit 2009 hat es fünf Vorstandsbosse, sechs Sportdirektoren, zwölf Trainer und neun Aufsichtsratsvorsitzende gegeben. Ein knappes Jahrzehnt hat ausgereicht, um den Traditionsclub herunterzuwirtschaften. Einer, der durchgehalten hat, ist Bernd Wehmeyer. Der Clubmanager versucht zu retten, was noch zu retten ist.

Tiefs über Norddeutschland

Nach unten orientiert: Ratlosigkeit in Hamburg, Unverständnis in Wolfsburg, Kopfschütteln in Hannover und Mut in Bremen. So sieht es in Norddeutschlands Bundesliga-Städten aus. Auch der als „Feuerwehrmann“ bislang so erfolgreiche Bruno Labbadia bekommt das Wolfsburger Ensemble von Einzelkünstlern nicht in den Griff. Geldgeber Volkswagen, so hieß es am Wochenende, denkt darüber nach, den jährlichen Zuschuss an seine Betriebsmannschaft um die Hälfte zu kürzen. Von derzeit 100 auf 50 Millionen Euro.

Mit dieser Summe könnte VW tausende Betrugs-Diesel-Fahrzeuge so nachrüsten, dass sie wieder freie Fahrt hätten. Bei den Kunden wäre das Geld sicher besser angelegt als bei nimmersatten Fußballprofis, denen es ohnehin völlig egal ist, ob sie in einem Touareg oder in einem Cayenne sitzen. Selbstverständlich bezahlt vom Arbeitgeber. Ob er nun VW oder Porsche heißt.

Kiel in Wartestellung

Nach dem 1:1 in Bochum bleibt Holstein Kiel weiter auf Rang drei und somit im Geschäft um den Erstligaaufstieg. Das ist eine große Leistung nach 26 Spieltagen. Im Gegensatz zum HSV mit mehr als 100 Millionen Euro Minus hat Holstein keine Schulden. Seit einem Jahrzehnt wird in Kiel mit Vernunft gewirtschaftet. Die Pläne für einen Komplettumbau des Stadions liegen in der Schublade von Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. Er muss sie nur öffnen. Holstein ist auf den nächsten Schritt – wenn er denn kommt – vorbereitet.

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