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"Das Jahr war großartig, nur das Ende war Mist"

vom

Dortmunder kündigen neuen Anlauf auf ein Champions-League-Finale an

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 03:59 Uhr

London | Bei allem Stolz überwog der Frust. Selbst der Applaus der rund 1400 Gäste bei der "schwarz-gelben Nacht" im Natural History Museum von London konnte Hans-Joachim Watzke nur bedingt aufheitern. Gleich der erste Satz seiner Rede spiegelte seine Stimmungslage wieder: "Es fühlt sich immer noch ein bisschen Scheiße an", bekannte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund rund vier Stunden nach dem 1:2 (0:0) im Champions-League-Finale gegen den FC Bayern.

Trotz großer Leidenschaft und taktischen Geschicks verspielte der BVB die Chance, zum zweiten Mal nach 1997 den europäischen Fußball-Thron zu besteigen. Sorgen, dass sich Dortmund damit vorerst aus dem Kreis der internationalen Topclubs verabschiedet haben könnte, wollte Watzke nicht aufkommen lassen. Ungeachtet des feststehenden Weggangs von Jungstar Mario Götze zum FC Bayern und des drohenden Verlustes von Torjäger Robert Lewandowski gab er sich kämpferisch. "Eines verspreche ich: Wir werden in der kommenden Saison eine Mannschaft haben, die mindestens genauso gut ist und die wieder angreifen wird", so Watzke, der diese Aussage gestern noch einmal vor den Fans wiederholte. Rund 15 000 Dortmunder Anhänger bereiteten der Mannschaft kurz nach der Landung am Nachmittag einen herzlichen Empfang im eigenen Stadion.

Watzke nutzte auch diesen Auftritt, um die Anhänger aufzurichten: "Es zeichnet diese Stadt und Region aus, dass sie auch aus dieser Niederlage gestärkt hervorgehen wird."

Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp benötigte eine Anlaufzeit, um in Stimmung zu kommen: "Ich brauche einen Moment, dass ich wieder den Stolz fühle, der irgendwo in mir schlummert auf meine Mannschaft." Klopp formulierte aber auch hehre Ziele: "Jetzt gehen wir in den Urlaub, und dann kaufen wir ein paar Spieler. In zwei Jahren ist das Finale in Berlin. Das wäre vielleicht ein guter Platz, um in ein weiteres Champions-League-Finale einzuziehen."

Es wird nun viel davon abhängen, wie viel Geschick die Borussia beim Auffüllen des Kaders beweist. Die überraschend offene Andeutung von Bayern-Coach Jupp Heynckes, dass auch ein Wechsel von Lewandowski zu den Münchnern "nicht mehr lange auf sich warten" lässt, verheißt für den BVB wenig Gutes. Demnach steht der Verlust eines weiteres Leistungsträgers bevor.

Roman Weidenfeller ist aber guter Dinge, dass die Lücken ohne großen Qualitätsverlust geschlossen werden können. Dennoch schwante dem Torhüter, dass eine solche Chance auf Ruhm und Ehre so schnell nicht wiederkommt. "Jeder weiß, dass man nicht jedes Jahr die Möglichkeit hat, so ein tolles Finale spielen zu können", sagte er und verwies auf die vergeblichen Versuche von Real Madrid: "Man sieht es an solchen Vereinen, die einen unglaublichen Etat haben und es dennoch nicht schaffen. Das wird einem in solchen Momenten bewusst."

Es passte ins Bild vom großen Kampfgeist der Borussia, dass Kevin Großkreutz trotz einer schmerzhaften Verletzung in den letzten 20 Minuten weiterspielte. Nach erster Diagnose des Mannschaftsarztes hat sich der Mittelfeldspieler einen Mittelfußbruch zugezogen.

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