China bleibt das Maß aller Dinge

Im WM-Viertelfinale raus: Timo Boll.
Im WM-Viertelfinale raus: Timo Boll.

Tischtennis-WM in Paris: Stark aufspielende Boll und Baum verpassen Medaille nach Aus im Viertelfinale / Zhang Jike verteidigt Titel

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21. Mai 2013, 03:59 Uhr

Paris | Timo Boll ist in China immer willkommen, doch auf dem WM-Podest blieb die Tischtennis-Großmacht diesmal unter sich. Der WM-Dritte von 2011 und sein Düsseldorfer Clubkollege Patrick Baum verpassten als letzte Europäer die Medaillenränge in Paris. Boll verlor im Viertelfinale nach grandiosem Kampf 2:4 gegen den Weltranglisten-Zweiten Ma Long, Baum hatte mit 1:4 gegen den erneut siegreichen Titelverteidiger Zhang Jike das Nachsehen. Allerdings war der 25 Jahre alte Baum, der im Achtelfinale seinen höher eingeschätzten Freund Dimitrij Ovtcharov ausgeschaltet hatte, nicht chancenlos gewesen. Doch beim Stand von 1:1 und 10:5 vergab der zweimalige EM-Zweite fünf Satzbälle.

Rekord-Europameister Boll war nach dem Aus am Pfingstsonntag zwar enttäuscht, aber nicht todunglücklich. "Das Spiel gibt mir Mut. Ich war nah dran und bleibe heiß auf weitere Duelle mit meinen chinesischen Kollegen", kündigte der 32-jährige Linkshänder an. Sechs Monate hatte er international pausiert, um seinen Akku nach Olympia neu aufzuladen. Zwei Sätze benötigte er, um sich auf das Niveau von Ma Long einzustellen. Dann lieferten sich beide einen offenen Schlagabtausch auf Augenhöhe, der rund 10 000 Fans faszinierte.

"Das war ein Superspiel. Zwei, drei Bälle haben den Unterschied ausgemacht. Timo hat eine tolle WM gespielt", lobte Bundestrainer Jörg Roßkopf den Weltranglisten-Fünften. "Ich war am oberen Limit", ergänzte Boll. Er will nun im Juni die China Open und danach in der Sommerpause mit Ovtcharov in der chinesischen Super-Liga spielen. Das Reich der Mitte ist weiterhin das Maß aller Dinge - trotz einiger Rückschläge.

14 von 20 Medaillen gingen nach China, das neue Akzente setzte. In den Einzel-Konkurrenzen war die Überlegenheit erdrückender denn je. Olympiasiegerin Li Xiaoxia gewann zwei Titel im Einzel und Doppel, und Herren-Olympiasieger Zhang Jike entschied die Neuauflage des Endspiels von 2011 mit 4:2 gegen Wang Hao erneut die Königsdisziplin für sich.

Dafür siegten im Mixed die Nordkoreaner Kim Hyok Bong/Kim Jong, und im Herren-Doppel holte der Bremer Chuang Chih-Yuan mit seinem Partner Chen Chien-An das erste WM-Gold für Taiwan. Zuvor hatte China 2005, 2007, 2009 und 2011 jeweils alle fünf WM-Titel abgeräumt, erstmals seit 1993 begnügte sich das Reich der Mitte mit drei Titel.

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