30 Jahre Wimbledon-Sieg : Boris Becker: Ein 17-Jähriger schreibt Sportgeschichte

Großer Moment: Boris Becker jubelt nach dem verwandelten Matchball im Finale...
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Großer Moment: Boris Becker jubelt nach dem verwandelten Matchball im Finale...

Heute vor 30 Jahren triumphierte Boris Becker erstmals beim Tennis-Klassiker in Wimbledon – und veränderte die Sportwelt.

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07. Juli 2015, 07:59 Uhr

Der Tag seiner persönlichen Mondlandung begann mit einem Traum. Im Schlaf, das erzählte er in der SWR-Dokumentation „Boris Becker und das Wunder von Wimbledon“, habe er vor Augen gesehen, „wie ich den Pokal in die Luft strecke“. Aus dem Traum wurde Wirklichkeit. Als Boris Becker an jenem 7. Juli 1985 um 17.26 Uhr Ortszeit einen unerreichbaren Aufschlag über das Netz schickte, hatten sich sein Leben und die Sportwelt für immer verändert. Der Jubel: unzählbare schnelle Trippelschritte, beide Arme in den Himmel gestreckt. „Game, Set, Match Becker!“

30 Jahre später schreitet Becker als Coach des Serben Novak Djokovic gemächlich durch den All England Club in Richtung Centre Court, den er als sein Wohnzimmer bezeichnet. Schneller geht es kaum, was nicht an den Menschenmassen, sondern an den Spätfolgen seiner glanzvollen Karriere liegt. Hüften und Sprunggelenke sind zerstört, Respekt und Bewunderung für den jüngsten Sieger des ältesten Tennisturniers der Welt geblieben. Das Phänomen des 17-jährigsten Leimeners auf Erden – hier im Londoner Südwesten ist es lebendig wie eh und je.

...und darf wenig später den Wimbledon-Pokal küssen.
Foto: Getty
...und darf wenig später den Wimbledon-Pokal küssen.
 

„Es ist ein unglaubliches Erlebnis gewesen, ein sehr einschneidendes“, sagt Becker 30 Jahre nach der Sternstunde des deutschen Sports, die in ihrer Dimension fast an das Wunder von Bern heranreicht. „Menschen, die mich dreieinhalb Stunden zuvor normal angeschaut hatten, starrten mich an wie ein Wunder aus einer anderen Welt.“

Während der zwei Turnierwochen spielt sich der junge rotblonde Kerl mit seiner spektakulären Spielweise, mit Hechtsprüngen, Becker-Faust und emotionalen Ausbrüchen in die Herzen der Fans. In Runde drei ist er gegen den Schweden Joakim Nyström zwei Mal nur einen Punkt vom Aus entfernt und auch im Halbfinale gegen Anders Järryd eigentlich schon auf der Verliererstraße. Was folgt, ist Geschichte.

Denn Becker verliert nicht und läutet stattdessen mit einem Urknall ein neues Zeitalter im Profisport ein. Das Leben und Leiden des jungen Boris mit seinen Millionen Fans und millionenschweren Werbeverträgen, später mit Besenkammer und Fliegenklatschen auf dem Kopf, wird die perfekte Grundlage für die große Inszenierung des aufkommenden Privatfernsehens. „Ich bin öffentlich groß geworden, mit Stärken und Schwächen, mit Fehlern.“

Wimbledon und Becker stehen heute für eine Liebesbeziehung, wie man sie selbst im emotional aufgeladenen Sportbusiness selten findet. Seit einigen Jahren lebt er in Wimbledon. In England, sagt Becker, begegnen ihm die Menschen mit Respekt. Auch heute wird er wieder dort sein. Im All England Lawn Tennis And Croquet Club. In „meinem Club“, wie er gern sagt. Groß feiern wolle er sein Jubiläum nicht. „Ich lebe im Hier und Jetzt, denke an die Zukunft und bin keiner, der zu viel in der Vergangenheit rumwühlt.“

Schauspieler und Produzent Matthias Schweighöfer (34) sicherte sich mit seiner Produktionsfirma „Pantaleon“ die Rechte, das sportliche Leben der Tennis-Legende zu verfilmen. Das berichtete die „Bild“-Zeitung. „Boris Becker ist einer der geachtetsten Deutschen weltweit. Wo man hinkommt, kennen und bewundern die Leute Boris Becker“, sagte Schweighöfer dem Blatt. „Wir wollen erzählen, wie alles begann - die Entstehungsgeschichte eines Idols.“ Das Drehbuch zu der internationalen Co-Produktion werde momentan entwickelt. Der Drehbeginn sei für 2016 geplant. „Alles im Leben hat seinen richtigen Moment, jetzt, zum 30. Jahrestag meines ersten Wimbledonsieges, ist es der richtige Zeitpunkt, einen Film darüber zu machen“, erklärte der dreimalige Wimbledon-Gewinner Becker. Wer ihn in dem Film spielt, ist dem Bericht zufolge noch offen.

Größte Erfolge:

Turnier Siege
Masters/ATP-Turnier 1988, 1992, 1995
Wimbledon 1985, 1986, 1989
US Open 1989
Australien Open 1991, 1996
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