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Bundesliga-Kolumne : Betten-Wechsel, Überlebens-Kampf, Kartell-Ball

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nichts Neues im DFB-Skandal, Bayern München schwächelt und bei den Bundesliga-TV-Rechten droht Ärger. Die Bundesliga-Kolumne von Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 07:50 Uhr

Am grünen Tisch: Es wird spannend. Wenn schon nicht im Kampf um die Meisterschaft in der Bundesliga, dann eben neben dem Platz. Oder wie es im Fußballjargon heißt: am grünen Tisch. Allein schafft es der Deutsche Fußball-Bund (DFB) offenbar nicht, Licht ins Dunkel um die Merkwürdigkeiten mit den verschwundenen Millionen bei der Vergabe der WM 2006 zu bringen. Womöglich will der Verband dies auch gar nicht. Aufklären soll es die mit dem DFB befreundete Kanzlei Freshfields, die sich jedoch schwer tut, belastende Fakten auf den grünen Tisch zu legen.

Inzwischen haben sich Schweizer Behörden und die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet. Es werden Prognosen gehandelt, wonach Uli Hoeneß nach seiner Haftentlassung Ende Februar direkt von Franz Beckenbauer abgelöst werden könnte. Eine Bettenwechsel-Spekulation, die vom Kaiser als Schmarrn abgetan wird – und dennoch nicht von der Hand zu weisen ist. Wenn morgens die Staatsanwaltschaft vor der Tür stünde, müsste auch die bisherige Lichtgestalt den Schlafanzug beiseite legen.

Der DFB wackelt, gibt sich aber immer noch dermaßen abgehoben, als sei alles ein Irrtum. Auch die deutsche Staatsanwaltschaft spielt bislang eher Tipp-Kick als mutigen Offensivfußball. Beim Neujahrsempfang fielen sich Ex-DFB-Chef Wolfgang Niersbach und seine Kumpanen im Stil einer verschworenen Gemeinschaft um den Hals. Als wäre nie etwas gewesen. Elf Freunde eben.

Müder Auftakt: Langeweile prägte den Rückrundenauftakt. Die desorientierten Bayern benötigten eine glückliche Fügung, um beim tapfer kämpfenden Hamburger SV als Sieger vom Platz zu gehen. Nichts war mehr zu sehen von jener Elf, die in der Hinrunde Fußball zelebriert hatte. In dieser Verfassung wird es nichts mit dem Gewinn der Champions League. Der verkündete Abgang von Trainer Pep Guardiola hat Spuren hinterlassen.

Dem HSV wäre fast eine Sensation gelungen. Jetzt aber müssen die Hamburger aufpassen, nicht doch wieder Bekanntschaft mit dem Abstiegskampf zu machen.

Schlecht bestellt ist es um Hannover 96. Die Verpflichtung von Trainer Thomas Schaaf hat nichts gebracht, wie die Pleite gegen Darmstadt offenbarte. Mit Hannover und Werder Bremen, das gestern einen überraschenden Auswärtscoup auf Schalke feierte, kämpfen zwei norddeutsche Traditionsclubs ums Überleben. Eine bittere Erkenntnis.

Sehenswert war der Auftritt von Borussia Dortmund in Mönchengladbach. Lägen nicht acht Punkte zwischen dem BVB und den Bayern, würde die Bundesliga noch mehr Freude bereiten.

TV-Ärger: Sollte sich das Kartellamt durchsetzen, wird es ab der Saison 2017/18 komplizierter für die Fernsehkunden. Dann würde nicht nur ein Pay-TV-Sender – wie derzeit Sky – die Liverechte halten, sondern zwei oder gar drei Anbieter. Und der Spielplan würde weiter zerstückelt. Weil die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Milliardengrenze überschreiten will, sitzt der Fan in der dritten Reihe. Dies ist der Preis für die Konsumware Fußball, die immer teurer und irgendwann als Luxusprodukt an der Börse gehandelt wird.

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