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Die Bundesliga-Kolumne : Bayern-Liga, Rück-Fall, Betriebs-Fußball

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bayern hat keine Gegner mehr und der HSV muss den Blick wieder nach unten richten, meint Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 06:57 Uhr

Eine Klasse für sich: Ja, es war der deutsche „Clasico“, eben das Duell der beiden besten deutschen Teams. Davon überzeugten sich weltweit rund 900 Millionen TV-Zuschauer, das Spiel wurde in 207 Ländern live oder mit ein wenig Verspätung übertragen. 530 Millionen Euro Jahresumsatz (FC Bayern) gegen 280 Millionen Euro. Wie auf dem Spielfeld, kann Borussia Dortmund auch im täglichen Geschäft den Bayern nicht das Wasser reichen. Dies wurde gestern Abend besonders auf der Torhüter-Position deutlich. Während der Neu-Dortmunder Bürki in entscheidenden Situationen den Ball als feindliches Objekt in Augenschein nimmt, kann Manual Neuer auch noch Fußball spielen. Der FC Bayern hat keine Gegner mehr. Die Bundesliga wird zur Bayern-Liga. Der Titelkampf – wenn es denn überhaupt einer ist – hat die Spannung ins Abseits gestellt.

Angsthasen-Fußball: Es waren schon wieder große Worte, die in letzter Zeit in Hamburg die Runde machten. Wenn vom HSV die Rede war, hatte sich der Begriff Abstieg aus dem Staub gemacht. Oder besser gesagt: aus dem Volkspark gemacht. Raus aus der Hansestadt damit. Dabei hatte man doch schon am vergangenen Wochenende gegen Schalke verloren und jetzt auch noch in Berlin. Null zu drei – eine klare Sache für die Hauptstädter, die noch zu Beginn der Saison als Abstiegskandidat gehandelt worden waren. Die Hertha aber mischt oben mit, während Hamburg nach der erneuten Klatsche den Blick nach unten richten muss.

Der HSV ließ jeden Willen, mit einer offensiven Spielweise Stärke zu dokumentieren, vermissen. Behäbig – komm’ ich heut’ nicht, dann eben morgen – wollte man im Olympiastadion etwas holen. Das kann nicht funktionieren. Selbst die neue Frisur von HSV-Abwehrstratege Johan Djourou half nicht. Der Schweizer hatte während der Woche in einem Interview mit dem „kicker“ noch getönt: „Nichts ist vergleichbar mit dem Vorjahr.“ Welch ein Irrtum: Der HSV von Berlin war genau der HSV aus der letzten Saison. Ängstlich, stümperhaft im Mittelfeld, hinten anfällig, und vorne versagte Pierre-Michel Lasogga aufs Neue. Dieser Hamburger SV ist der alte. Ein Rückfall in alte Zeiten.

Selbstbedienung: Im Zuge des Abgas-Skandals bei Volkswagen kommen fast täglich neue Interna ans Licht. Danach hat Ex-Chef Martin Winterkorn die Schatulle des Konzerns immer dann geöffnet, wenn VfL-Manager Klaus Allofs vor der Tür stand. Den Weg zum Vorstandschef machte Konzern-PR-Chef Stephan Grühsem frei.

Grühsem galt als der Fußball-Konzern-Oberchef. Vor ihm kuschte der gesamte VfL Wolfsburg. Grühsem war es auch, der seinerzeit in der Saison der Meisterschaft mit Felix Magath auf Konfrontationskurs ging. Grühsem war der heimliche Fußballchef des VfL. Jetzt musste auch er im Zuge des VW-Skandals gehen. Details zur Trennung – die womöglich mit dem teuren Betriebsfußball im Zusammenhang stehen – will Volkswagen aber noch nicht bestätigen.

Der VfL Wolfsburg hat seit Bekanntwerden der VW-Affäre kein Spiel gewonnen. Wenn Manager Allofs immer noch keinen Zusammenhang sehen will, hat er offenbar Probleme mit der Sichtweise. Und auch mit dem Sehvermögen.

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