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Bundesliga-Kolumne : Ball-Spektakel, Handels-Ware, Lügen-Baron

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der erste Trainer fliegt in Hannover, Geld regiert im Fußball die Welt und der HSV braucht seine Skandale. Der Spieltag von Jürgen Muhl.

Dritter Spieltag: Eine Woche vor der Länderspielpause legt die Liga endlich los. So, wie das Fußball-Volk es erwartet. Will man doch das Spektakel und keine langweiligen 90 Minuten. Wie in München. Selbst ein ambitionierter und mit Millionen aus dem Pillengeschäft aufgerüsteter Werksclub wie Bayer Leverkusen kann gegen die Bayern nichts ausrichten. Bemerkenswert, wie der VfL Wolfsburg mitten im Wirrwarr um De Bruyne und Perisic Schalke in Grund und Boden spielte. Was für Dieter Hecking spricht. Wolfsburgs Trainer ließ die beiden Verkaufsobjekte auf der Tribüne und schloss mit dem Thema ab. Die VW-Betriebsmannschaft wird von den insgesamt rund 100 Millionen Euro an Ablösesummen profitieren. Da der Auto-Konzern auf eine Rückzahlung seiner gewährten Kredite verzichtet, wird weiter ins spielende Personal investiert. Eine Situation, wovon Vereine wie Darmstadt 98, FC Augsburg, Werder Bremen, der VfB Stuttgart, der HSV oder auch Hannover 96 nur träumen können. In Hannover wird bereits nach dem dritten Spieltag über den Trainer diskutiert. Noch zwei Niederlagen und Michael Frontzeck ist weg, heißt es im Umfeld. Was beileibe keine Überraschung wäre. Die Verpflichtung von Frontzeck war eine der schlechteren Schnapsideen von Präsident Martin Kind, der solche Dinge im Alleingang erledigt. Zweiter Wackelkandidat ist Stuttgarts Alexander Zorniger. Drei Niederlagen in Folge. Da bleibt nicht mehr viel Luft.

Tuchels frische Luft macht dagegen dem BVB weiter Beine. Borussia Dortmund und der VfL Wolfsburg - von anderen ernsthaften Bayern-Jägern ist nichts zu sehen. Man ist ja schon froh, dass es überhaupt Verfolger gibt.

Größenwahn: Der 24 Jahre alte Berufs-Fußballer Kevin De Bruyne verdient in den kommenden vier Jahren ein Gehalt wie es der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn als Chef des größten Automobilkonzerns der Welt bezieht. De Bruyne ist teurer als das Stadion, in dem er spielt. Für die Ablösesumme könnte sich der VfL Wolfsburg gleich drei Arenen hinstellen. Aberwitzig, aus den Fugen geraten ist die Handelsware Fußball-Profi. Der Fußball hat sich aus eben diesen Stadien längst verabschiedet. Die großen Clubs sind nicht mehr auf das Publikum angewiesen, das Geschäft über die Unterhaltungsindustrie - das Fernsehen ist nur ein Teil davon - gibt den Ton an. Vermarkter, Verkäufer, Berater - dazu zählen auch viele Scharlatane - machen die Musik. Der Fußball läuft große Gefahr, seine Identität zu verlieren. Bleibt die Hoffnung, dass die deutschen Vereine die hohen Ablösesummen aus England zu klugen Investitionen nutzen. Das müssen nicht nur Beine sein.

Pech und Dummheit: Zugegeben, Schiedsrichter Aytekin ist offenbar kein HSV-Freund. Bei aller Kritik an den Entscheidungen, die zur Niederlage in Köln führten, sollte die Hamburger jedoch die Endphase der letzten Saison inklusive Relegation nicht vergessen. So mancher Pfiff half mit zum Klassenerhalt. Stattdessen sollte der HSV im eigenen Haus für Ordnung sorgen. Nach der immer noch nicht aufgeklärten Rucksack-Affäre zeigt die Lügengeschichte von Holtby, wie weit es mit dem Verstand von hochbezahlten Profis her sein kann. Der HSV braucht offenbar seine Affären.

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