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Sportpolitik : Bach-Gegner Carrion von allen Ämtern zurückgetreten

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IOC-Präsident Thomas Bach hat bei der personellen Neuausrichtung der Ringe-Organisation komplette Gestaltungsfreiheit - und ausreichend Zeit.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2013 | 14:12 Uhr

Erst in knapp vier Monaten, zum Ende der Problemspiele in Sotschi (7. bis 23. Februar 2014), muss der Ober-Olympier aus Tauberbischofsheim die Schlüsselpositionen in den fünf wichtigsten IOC-Kommissionen besetzt haben.

Der Rückzug seines härtesten Widersachers im Kampf um das IOC-Präsidentenamt, Finanzchef Richard Carrion, passt in Bachs Personalpuzzle. Der 60 Jahre alte Banker aus Puerto Rico, seit 2002 Vorsitzender der Finanzkommission im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), ist nach seiner gescheiterten Kandidatur von allen Ämtern zurückgetreten.

Er wolle damit den Weg für einen Neuanfang frei machen, schrieb Carrion an Bach. Auch seine Aufgabe als Chefunterhändler aller TV-Rechte außerhalb Europas und als Mitglied der Koordinierungskommission für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro legte der Chef der Banco Popular nieder.

Carrion, im Wahlfinale um den IOC-Thron mit 29:49-Stimmen von Bach deutlich geschlagen, hat für das IOC unter anderem den Rekord-TV-Deal mit dem US-Giganten NBC über 4,382 Milliarden Dollar für die Spiele bis 2020 ausgehandelt. Im Wahlkampf warb der Finanzexperte zudem damit, die Reserven des IOC von 100 Millionen auf 900 Millionen Dollar gesteigert zu haben.

Auf Bachs Bitte erklärte sich Carrion bereit, die bereits laufenden TV-Verhandlungen zumindest bis Sotschi fortzuführen. Die kommende Sitzung der Finanzkommission im Dezember soll aber IOC-Vize Ng Ser Miang (Singapur) leiten. Der Cheforganisator der ersten Jugendspiele 2010 in Singapur war mit seiner Bewerbung um die IOC-Präsidentschaft ebenfalls gescheitert.

Wie Carrion hatten auch Arne Ljungqvist, Vorsitzender der Medizinischen Kommission im IOC, und Marketingchef Gerhard Heiberg ihre Rücktritte erklärt. Beide wollen aber bis zum Ende des Winterspektakels in Sotschi im Amt bleiben und eine gewisse Kontinuität gewährleisten. Als Nachfolger des 74 Jahre alten Heiberg wird Richard Pound, ehemaliger Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, gehandelt, mit dem Bach in der Vergangenheit schon erfolgreich in der Marketingkommission zusammengearbeitet hatte.

Die problembeladenen Winterspiele in Russland sind Bachs erste große Herausforderung als IOC-Chef. Terrorgefahr, Menschenrechtsverletzungen, internationale Empörung über das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz und die Kostenexplosion belasten die Olympia-Veranstaltung - und das IOC-Selbstverständnis von Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit.

Bachs Masterplan sieht vor, den Ringe-Orden für Diskussionen mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu öffnen und die allgemeine Mitgliederstruktur im IOC zu erneuern. Die erste wichtige Personalie für sein Vorhaben ist bereits abgesegnet. Der Australier John Coates wurde in Buenos Aires zum IOC-Vize gewählt - und könnte Bach auch als Vorsitzender der juristischen Kommission und als Vorsitzender der Kommission Sport und Recht ablösen. Am Mittwoch wurde Coates zum Vorsitzenden der IOC-Koordinierungskommission für die Spiele 2020 in Tokio ernannt.

Pressemitteilung IOC

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