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Bundesliga-Kolumne : Aus-Reden, Um-Bruch, Bonus-Spiele

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der HSV war willenlos, der FC Bayern emotionslos. Wie es dieser Tage geht, zeigt Werder Bremen, meint Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 09:00 Uhr

Willenloser Auftritt: Wenn etwas funktioniert beim Hamburger SV, dann sind es rhetorische Versuche, das Geschehene quasi über Nacht zu vergessen. Eine besondere Qualität von Sportchef Jens Todt und Trainer Markus Gisdol. Todt: „Mir macht Mut, dass ich die Mannschaft schon ganz anders gesehen habe.“ Und fügt hinzu, die Mannschaft sei gerade „ein bisschen kopfmüde“. Kopfmüde also. Da muss der Mental-Berater wieder ran. Über eine solche Personalie verfügt der HSV ja. Gisdols erstaunliche Erkenntnis: „Mir war klar, dass irgendwann so eine Delle kommt.“ Delle? Ach ja? Das war dem Trainer klar? Warum handelte Gisdol dann nicht? Hatte er doch für die Partie in Augsburg ein „anderes Auftreten“ gegenüber dem Darmstadt-Spiel angekündigt. Der HSV präsentierte sich wie ein Absteiger.

HSV-Sportdirektor Jens Todt und Coach Markus Gisdol. /Archiv
HSV-Sportdirektor Jens Todt und Coach Markus Gisdol. Foto: Christian Charisius
 

Und dann die hoffnungsvolle Prognose des Trainers: „Nächsten Sonntag brennt bei uns das Stadion, das ist hundertprozentig sicher. Wir haben noch zwei Heimspiele, in denen wir alles selber regeln können. Deswegen werden wir sicher nicht den Fehler machen und den Kopf in den Sand stecken.“ Eine erstaunliche Erkenntnis und eine Aufforderung an die Fans, ein Feuer zu entfachen. Dabei hatte gerade diese Art der Unterstützung in Form des Abbrennens von pyrotechnischen Brennelementen beim letzten Heimspiel großen Ärger bereitet.

HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen entschied sich für die Defensive. Auf die Frage eines Journalisten, ob er denn etwas sagen wolle, verneinte Bruchhagen. „Heute lieber nicht.“ Der HSV-Chef verschwand und suchte das Weite. Eine dem peinlichen Auftritt seiner Versager-Truppe angemessene Entscheidung.

Emotionsloser Meister: Zum 27. Mal kommt der deutsche Champion aus München, der fünfte Titel in Serie. Die Bayern sind erneut Deutscher Meister und kaum jemand nimmt davon Notiz. Trainer Carlo Ancelotti hat den besten Kader zur Verfügung, wieder einmal hat sich die Qualität des FCB durchgesetzt. Der FC Bayern hat seinen Titel auch schon am viertletzten Spieltag perfekt machen können, weil kein anderer Bundesligaclub in der Lage ist, die Münchner ernsthaft in Gefahr zu bringen. RB Leipzig und Hoffenheim sind noch nicht so weit, Borussia Dortmund hatte mehrere Durchhänger und Schalke oder Leverkusen werden ihren eigenen Ansprüchen seit Jahren nicht gerecht. Weil es international nicht zu großen Erfolgen reicht, steht der Rekordmeister aus München vor einem großen Personal-Umbruch. Auf die Namen darf man gespannt sein – der FC Bayern verfügt ja über ein gut gefülltes Festgeldkonto.

Der FC Bayern feiert nach dem 6:0 gegen Wolfsburg die vorzeitige Meisterschaft.
Der FC Bayern feiert nach dem 6:0 gegen Wolfsburg die vorzeitige Meisterschaft. Foto: Swen Pförtner
 

Europa in Sicht: Der Bremer Aufschwung geht weiter. Seit elf Spielen ist Werder ungeschlagen, ist vom Abstiegskandidaten zum Europacup-Anwärter avanciert. 29 Punkte haben die Hanseaten in der zweiten Saisonhälfte geholt, nur der alte und neue Meister, die Bayern, sammelte mehr, nämlich 31 Punkte. Eine beeindruckende Serie. Werder bleibt trotzdem auf dem Boden. Alles was jetzt noch dazukomme, seien Bonusspiele, sagt Alexander Nouri, dessen Vertrag in den nächsten Tagen verlängert werden soll. Im Gegensatz zum HSV hat sich Werder damit Zeit gelassen. So geht es also auch.

Werder-Stürmer Max Kruse traf auch gegen Hertha BSC.
Werder-Stürmer Max Kruse traf auch gegen Hertha BSC. Foto: Carmen Jaspersen
 
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