Aufschwung auf Pump

Am Ende gab es Applaus von den Hamburger Profis um Kapitän Rafael van der Vaart (links) für die eigenen Fans, die sich - anders als die Kicker - während der gesamten Saison in absoluter Topform präsentierten.
Am Ende gab es Applaus von den Hamburger Profis um Kapitän Rafael van der Vaart (links) für die eigenen Fans, die sich - anders als die Kicker - während der gesamten Saison in absoluter Topform präsentierten.

HSV bezahlt die Wandlung vom Abstiegskandidaten zum Tabellensiebten mit Saisondefizit in zweistelliger Millionenhöhe / Angriff auf Europa-League-Ränge wird zur Herkules-Aufgabe

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21. Mai 2013, 03:59 Uhr

Hamburg | Als das Verpassen des europäischen Wettbewerbs zur Gewissheit geworden war, verzichteten die Hauptdarsteller zum Glück auf große Gesten. Die Profis des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sanken nach der verdienten 0:1 (0:0)-Heimniederlage im letzten Saisonspiel gegen Bayer Leverkusen nicht theatralisch auf die Knie, sie schlugen nicht verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen, und Tränen flossen auch keine. Kapitän Rafael van der Vaart und Co. verabschiedeten sich kurz und unspektakulär von den eigenen Fans, dann trotteten sie in die Kabine. Und das war, wie gesagt, auch gut so. Denn der HSV hatte Platz sechs und die damit verbundene Teilnahme an der Europa League schließlich nicht durch großes Pech oder eklatante Fehlentscheidungen verfehlt - sondern nach einer wechselhaften Spielzeit 2012/13 insgesamt völlig zu Recht.

"Wir stehen auf Platz sieben, weil wir auch die Qualität für Platz sieben haben", sagte HSV-Trainer Thorsten Fink treffend und fügte erfrischend ehrlich hinzu: "Freiburg und Frankfurt waren einfach besser als wir." Dennoch zog der 45-Jährige aus sportlicher Sicht insgesamt ein positives Fazit - und auch das gar nicht mal zu Unrecht. "Ich finde, dass wir eine sehr ordentliche Saison gespielt haben", erklärte Fink und verwies darauf, "dass wir das ganze Jahr davor im Abstiegskampf gesteckt haben". Die Saison 2011/12 hatten die Hanseaten auf Tabellenplatz 15 (36 Punkte) abgeschlossen, diesmal reichte es im Endklassement zu Rang sieben (48). Nun gelte es, die "positive Entwicklung" fortzusetzen und das nächste Ziel ins Visier zu nehmen. Fink: "Unser Plan war immer: erst der Nichtabstieg, dann der einstellige Tabellenplatz, dann das internationale Geschäft."

Dass der angestrebte Sprung auf die europäische Fußballbühne in der kommenden Saison tatsächlich gelingt, darf allerdings bezweifelt werden. Denn Fink und Sportchef Frank Arnesen stehen im Sommer vor einer Herkules-Aufgabe: Sie müssen die HSV-Elf gezielt verstärken - haben aber praktisch kein Geld. Schließlich war der Aufschwung in dieser Saison ein teuer erkaufter, einer auf Pump. Der hanseatische Traditionsclub steuert auf ein Saisonminus in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro zu. Dass die Hamburger erneut für mehrere Spieler Millionenablösen zahlen - wie im Sommer 2012 für van der Vaart, Artjoms Rudnevs, Milan Badelj und Petr Jiracek geschehen -, ist eigentlich aus wirtschaftlicher Sicht unvorstellbar. Im Gegenteil: Der Verkauf von Shootingstar Heung-Min Son, an dem mehrere europäische Topclubs Interesse zeigen, ist weiterhin nicht vom Tisch.

Fink fordert nichtsdestotrotz "punktuelle Verstärkungen" für sein Team. Die Angreifer Andreas Cornelius (FC Kopenhagen) und Amido Balde (Viroria Guimaraes) werden ebenso als potenzielle Verstärkungen gehandelt wie Innenverteidiger Lorik Cana (Lazio Rom). Dient die Partie gegen Leverkusen als Maßstab, darf allerdings bezweifelt werden, dass dem HSV nur ein, zwei gestandene Profis fehlen, um die Lücke zu den Topteams der Liga zu schließen. Der Champions-League-Teilnehmer aus dem Rheinland war die klar bessere Elf und siegte durch den Treffer von Bundesliga-Torschützenkönig Stefan Kießling (90.) völlig verdient mit 1:0.

Die HSV-Fans verabschiedeten die Mannschaft derweil übrigens mehr als wohlwollend in die Sommerpause. Es gab minutenlangen Applaus für van der Vaart und Co. - trotz der Pleite gegen Bayer zum Abschluss, trotz der im Saisonverlauf so schmerzlich vermissten Konstanz, trotz der besonders schlimmen Rückschläge (2:9 in München, 1:5 bei Hannover 96). Bemerkenswert.

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