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Der Fall-Müller und das Transfersystem : Aufatmen im Profifußball: Gericht lässt befristete Verträge zu

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Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hat das Urteil der Vorinstanz gekippt. Eine Revision ist dennoch möglich.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 12:03 Uhr

Mainz | Fußballvereine dürfen ihren Spielern auch weiterhin befristete Verträge geben. In einem brisanten Rechtsstreit zwischen dem FSV Mainz 05 und seinem früheren Torwart Heinz Müller fällte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz am Mittwoch ein Urteil, das den Profifußball vor radikalen Umwälzungen bewahrt. Das Landesarbeitsgericht als nächst höhere Instanz änderte dieses Urteil jetzt wieder ab, ließ aber auch gleichzeitig eine Revision zu. Sowohl Mainz 05 als auch Müller können jetzt noch vor das Bundesarbeitsgericht ziehen.

Heinz Müller ist ungeplant im Brennpunkt. Eigentlich wollte der ehemalige Spieler von Mainz 05 „nur“ eine Abfindung von seinem früheren Club – mit seiner Klage drohte er, das Transfersystem zum Einsturz bringen.

„Wir freuen uns über dieses klare Votum“, teilte die DFL am Mittwoch mit. Der Richter habe in „überzeugender Weise begründet“, warum die speziellen Arbeitsbedingungen von Profi-Fußballern einen „sachlichen Grund“ für eine Befristung von Arbeitsverträgen darstelle. Profi-Clubs hatten einen Präzedenzfall befürchtet. Das Urteil bewahrte den Profi-Fußball aber vor radikalen Umwälzungen des Arbeitsrechts.

Begonnen hatte die juristische Debatte mit einem Urteil des Arbeitsgerichts Mainz vom 24. März 2014: Müller hatte 2012 noch einmal einen Zweijahresvertrag in Mainz unterschrieben. Nachdem dieser Kontrakt ausgelaufen war und Müller den Verein verlassen musste, klagte er erfolgreich auf „Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis“.

Das Arbeitsgericht entschied: Müllers Vertrag hätte nicht befristet werden dürfen, weil eine solche Befristung laut Gesetz nur im Falle eines „sachlichen Grundes“ oder bis zu einer Gesamtdauer von maximal zwei Jahren zulässig ist. Beides habe nicht zugetroffen, weil der heute 37-Jährige zuvor schon einmal einen von 2009 bis 2012 befristeten Vertrag bei den Mainzern besessen hatte.

Mainz 05 war danach in Berufung gegangen und will zur Not bis vor das Bundesarbeitsgericht ziehen. Viele Vereine befürchten nun, ihre Profis nicht mehr - wie bislang gängige Praxis - mit Drei- oder Vierjahresverträgen ausstatten zu können. „Rentenverträge“ sind aber nach Ansicht von Funktionären im Profifußball undenkbar. Zumal die Spieler dann fristgerecht kündigen und ablösefrei den Verein wechseln könnten.

 

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