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Bundesliga-Kolumne : Anfangs-Verdacht, Doppel-Spitze, Ehren-Amt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein möglicher Wechsel von Markus Anfang zum 1. FC Köln ist nicht nur ein Anfangsverdacht, schreibt Jürgen Muhl in seiner Bundesliga-Kolumne.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 07:35 Uhr

So läuft das Geschäft: Eine halbe gute Saison in der zweiten Liga, und schon ist ein Trainer für Liga eins interessant. So schnell kann es gehen. Markus Anfang hat Holstein Kiel zu einer Spitzenmannschaft im Vize-Oberhaus des deutschen Fußballs geformt. Große Teile von Schleswig-Holstein träumen von einem Aufstieg in die richtige Bundesliga. Also in die erste Liga. Noch nie ist dies einer Mannschaft aus dem nördlichsten Bundesland gelungen. Und jetzt, wo es in Kiel in diese Richtung gehen könnte, kommt der designierte Absteiger aus Köln und will Anfang von der Kieler Förde an den Rhein holen. Passt ja alles: Die Familie von Anfang lebt in Köln. Also ist diese Geschichte nicht aus der Luft gegriffen, sie ist mehr als ein reiner Anfangsverdacht.

Holstein Kiels Trainer Markus Anfang. /Archiv
Holstein Kiels Trainer Markus Anfang. /Archiv Foto: Daniel Reinhardt/dpa
 

Und doch kommt so richtig keiner aus der Deckung. Jedenfalls bis Sonntagabend nicht. Holsteins Chefetage bleibt in der Defensive – mit Ausnahme von Vereinspräsident Steffen Schneekloth, der auf irgendeinem Online-Kanal von einer Ablösesumme in Höhe von zehn Millionen Euro schwadroniert haben soll. Das ist wohl mehr eine Scherzeinlage – vielleicht, um mit den Offiziellen des Abstiegskandidaten aus der Karnevalshochburg ins Gespräch zu kommen. Was allerdings für einen Wechsel spricht, ist das Verhalten von Anfang selbst, der immer wieder an einem Dementi vorbeispricht. Was ihm – der nicht zu den führenden Rhetorikern im Lande zählt – ganz gut gelingt.

Letztlich, wie eigentlich immer im Profigeschäft, wird das Geld entscheiden. Insofern ist der Wechsel, ob schon in der Winterpause oder zum Saisonende, sehr wahrscheinlich. Bleibt die Hoffnung, dass dieses Techtelmechtel an der tüchtigen Kieler Mannschaft schadlos vorbeizieht.

Nur nicht nach vorne spielen: Es war dürftig, was der HSV in Freiburg geboten hat. So ganz falsch liegt Matthias Sammer mit seiner Kritik nicht. Die Doppelspitze mit Bobby Wood und Fiete Arp funktionierte nicht, beide Angreifer blieben blass. In Hamburg setzt man auf die Heimstärke, das müsste reichen, um den Abstieg zu vermeiden. Den Ansprüchen eines Hamburger SV genügt dies jedoch nicht. Jetzt folgen zwei Heimspiele gegen den VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt. Werden die gewonnen, bleibt es zumindest über Weihnachten ruhig im Volkspark.

HSV-Angreifer Bobby Wood blieb gegen den SC Freiburg blass.

HSV-Angreifer Bobby Wood blieb gegen den SC Freiburg blass.

Foto: dpa

Unruhig bleibt es in Dortmund. Der Niederländer Peter Bosz bringt die Borussia einfach nicht in die Spur. Mag sein, dass es in der Winterpause zu einer Entscheidung kommen wird. Nach dem neuerlichen Patzer von RB Leipzig in Hoffenheim und nach Schalkes Punktverlust gegen Köln ziehen die Bayern davon. Wobei eine nicht korrekte Elfmeter-Wiederholung Hannover 96 benachteiligt hat. Manchmal hilft eben immer noch der Bayern-Bonus.

Werbeträger: Auch die Bundesliga-Schiedsrichter befinden sich nicht mehr in der werbefreien Zone. Was merkwürdig anmutet, sind sie doch zur Neutralität verpflichtet, die Damen und Herren der Unparteilichkeit. Auf den Ärmeln werben die Referees für den Sicherheitsanbieter „Dekra“, auf dem Rücken – das wohl aber kostenlos – für das Ehrenamt. Jenes Ehrenamt, dem sich tausende Menschen im deutschen Fußball verschrieben haben. Ohne einen Cent dafür zu bekommen. Im Gegensatz zu den Bundesliga-Schiris, die pro Spiel rund 6000 Euro kassieren.

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