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Segeln : America's Cup: Der große Coup des Russell Coutts

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In seiner Heimat ist Sir Russell Coutts in diesen Tagen nicht gerade beliebt. In Neuseeland, wo täglich fast die Hälfte der 4,4 Millionen Einwohner das America's-Cup-Geschehen in San Francisco am Fernseher verfolgen, wird Coutts gehörig verflucht.

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 10:07 Uhr

Denn der 51-jährige ist Teamchef der Amerikaner und für die beinahe schon unglaubliche Aufholjagd der Cup-Verteidiger verantwortlich. Coutts geht auf in seiner Doppel-Rolle als maßgeblicher Cup-Erneuerer und Strippenzieher seines Teams hinter den Kulissen.

Heimlicher Teamchef war er schon 2003, als er das Schweizer Team Alinghi von Ernesto Bertarelli mit dem deutschen Steuermann Jochen Schümann zum 5:0-Cup-Sieg über die eigenen Landsleute führte - auch noch vor der neuseeländischen Küste. Auch jetzt hat Coutts wieder beim Gegner angeheuert - und ist verantwortlich dafür, dass die Amerikaner aus einem 1:8-Rückstand ein 8:8 gemacht haben. Da ist es ein schwacher Trost, dass nach dem großen Finale in jedem Fall ein Neuseeländer die verschnörkelte Silberkanne in Händen halten wird.

Der von Larry Ellison angeblich jährlich mit einem zweistelligen Millionen-Honorar entlohnte Superstar und Olympiasieger, der an Bord des US-Katamarans jüngeren Seglern den Vortritt gelassen hatte, ist schon jetzt der erfolgreichste Segler der Sportgeschichte. Er hatte jedoch nach den von ihm eingeführten radikalen Veränderungen im America's Cup, die er als «Sprung aus dem Flintstone-Zeitalter hinein in die Facebook-Generation» beschrieb, viel Kritik einstecken müssen. Der britische Cup-Experte Stuart Alexander schrieb: «Wenn im September-Showdown die Funken fliegen, dann wird vieles verziehen. Es gibt viel zu verzeihen.»

Die Herausforderserie zum America's Cup um den Louis Vuitton Cup war zunächst die langweiligste der Geschichte. Nur drei und nicht die von Coutts erhofften zehn bis zwölf Teams bildeten aufgrund der enormen Projektkosten die überschaubare Flotte. Ein toter Segler in Folge eines Trainingsunfalls am 9. Mai, Sicherheitsdebatten, Zuschauermangel und eine unzufriedene Gastgeberstadt San Francisco markierten vor dem 34. Cup-Duell zwischen Coutts Oracle Team USA und den Neuseeländern die Tiefpunkte. Schließlich wurden die Amerikaner noch beim Schummeln erwischt und mit zwei Minuspunkten für das Cup-Duell bestraft.

Doch was niemand für möglich hielt, das gelang Coutts und seiner Mannschaft um Skipper James Spithill. Sieben Matchpunkte in Folge wehrten die Amerikaner ab - es gelang das Comeback. Das Match zwischen Neuseeländern und Amerikanern ist nicht nur das spannendste, sondern mit 19 Tagen auch das längste in der Cup-Geschichte.

Der viermalige Cup-Sieger Coutts hatte vor dem Aufeinandertreffen der beiden Cup-Giganten gesagt: «Auf beiden Seiten lastet enormer Druck, denn es ist für beide eine Art Überlebenskampf. Für den Verlierer kann es das Ende des Teams bedeuten.»

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