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Menschenhandel in der Fußball-Welt : Allofs vor zwei Wochen: „De Bruyne bleibt zu 99,9 Prozent“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Fall Kevin De Bruyne: Im Fußball zählen Millionen und nicht Worte oder Werte, kommentiert sh:z-Sportchef Jürgen Muhl.

Fußball ist zum Tagesgeschäft verkommen. Planung – höchstens für eine Saison. Verträge haben zwar noch eine Laufzeit, sind aber von einem Verfalldatum geprägt. Wie beim Belgier Kevin De Bruyne, dessen Kontrakt beim VfL Wolfsburg noch bis zum Sommer 2018 läuft. Das Verfalldatum aber könnte schon heute oder morgen eintreten. Eben dann, wenn Manchester City 70 Millionen oder gar 80 Millionen Euro als Ablösesumme auf den Tisch legt. Oder etwa Bayern München 60 Millionen Euro anbietet und den Profi noch ein Jahr beim VfL Wolfsburg belässt. Als Zugabe kommt der Brasilianer Dante in die VW-Stadt. Dies alles ist noch bis zum kommenden Montag um 18 Uhr möglich, wenn die Transferperiode endet. Drei Wochen nach dem Bundesliga-Start. Schon fast mitten in der Saison also. Planungen werden über Nacht aus der Kabine geworfen. Der Profi-Fußball spielt verrückt wie noch nie in der weiß Gott nicht langweiligen 52-jährigen Geschichte der Bundesliga.

Noch vor zwei Wochen erteilte der Manager des VfL Wolfsburg all diesem eine Absage. Zu 99,9 Prozent bleibe De Bruyne bei seinem Verein, verkündete Klaus Allofs. Der frühere Bremer nimmt es ohnehin mit der Wahrheit nicht immer ganz genau. Was aber im Profi-Fußball gang und gäbe ist. Wer in diesem Geschäft nach hanseatischen Gepflogenheiten arbeitet, verliert nicht nur Millionen, sondern auch Punkte. Und dann seinen hoch dotierten Job. Allofs hatte den Belgier 2013 für 25 Millionen Euro vom FC Chelsea geholt. Dort saß De Bruyne nur auf der Ersatzbank. Wenn jetzt ein Gewinn von rund 50 Millionen Euro ins Haus steht und Allofs immer noch erklärt, er würde den Spieler lieber gern behalten und auf das Geld verzichten, dann mag es sich zu 99,9 Prozent um eine mit Kalkül formulierte Falschaussage handeln.

Der Fall De Bruyne ist nicht nur das Ergebnis von englischen TV-Milliarden und arabischen Geldleuten, die sich ganze Vereine kaufen. Diese Art von Menschenhandel zeigt die Machtlosigkeit von nationalen Fußballverbänden, Sportpolitikern oder auch von den Millionen von Fußballfans, denen es um Tore, Titel und Abstiegskampf geht. Der Welt-Fußballverband Fifa hat es ja seit Jahrzehnten vorgemacht. Erst die Millionen und dann, wenn überhaupt, dürfen Tore erzielt werden. Zu 99,9 Prozent wird der Fußball trotzdem überleben. Was eher der Wahrheit entspricht.

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