Ausblick auf das Sportjahr 2018 : Abstieg, Hintermänner, Schaltstelle

Die HSV-Misere begann beim sh:z-Fußballsommer: Holsteins Noah Awuku (links) drückt den Ball gegen HSV-Keeper Julian Pollersbeck zum 5:3 über die Linie.

Die HSV-Misere begann beim sh:z-Fußballsommer: Holsteins Noah Awuku (links) drückt den Ball gegen HSV-Keeper Julian Pollersbeck zum 5:3 über die Linie.

Ein etwas anderer Ausblick auf das neue Sportjahr im Norden. Es geht um viel Geld, dunkle Kneipen und einflussreiche Funktionäre.

shz.de von
30. Dezember 2017, 17:55 Uhr

Was für ein Sportjahr im Norden. Welches? Dieses Jahr – und noch mehr das kommende Jahr 2018. Es war am 19. Juli im VfR-Stadion von Neumünster. Testspiel zwischen Holstein Kiel und dem Hamburger SV. Der Höhepunkt im sh:z-Fußballsommer. Gut 6000 Zuschauer, mehr wollen die Ordnungsbehörden nicht zulassen. Darunter haben sich zwei US-Boys gemischt. Gekleidet in Karo-Hosen. Als würden sie gerade vom Golfplatz kommen. In der Hosentasche Fifa-Ausweise. Das heißt, sie brauchen keinen Eintritt zu zahlen. Und doch sind die Herren inkognito. Was vermuten lässt, dass die beiden Amerikaner HSV-Stürmer und Landsmann Bobby Wood beobachten wollen. Holstein schießt den HSV mit 5:3 aus dem Stadion. Der Zweitliga-Aufsteiger spielt den Bundesliga-Dino in Grund und Boden. HSV-Trainer Markus Gisdol nimmt die Schlappe noch gelassen hin. Inzwischen darf er sich kaum noch Pleiten dieser Art erlauben. Wird es nicht kurzfristig besser, dürfte der Schwabe Ostern nicht mehr auf der HSV-Bank erleben. Ganz sicher nicht.

Die beiden Amis gönnen sich in der VfR-Baracke noch einige deutsche Biere. Und verschwinden im nächtlichen Regen von Neumünster. Inzwischen wissen wir, was die beiden Amerikaner im Schilde führten. Beobachtung des HSV. Die Herren arbeiten für den Club Soccer Predictions. Die erstellen Sport-Prognosen. Und melden sich über die Weihnachtstage mit einem für den HSV niederschmetternden Rechenmodell: Abstieg. Der HSV landet mit 34 Punkten und einem Torverhältnis von minus 17 auf dem vorletzten Tabellenplatz. Vor Köln zwar, aber hinter Stuttgart, Bremen und Mainz. In die Relegation geht der VfB. Und doch bleibt Hoffnung. Haben doch die Amerikaner in der Regel keine Ahnung von Fußball. Die USA mit ihrer Operettenliga – und für die WM qualifiziert haben sie sich auch nicht. Daher unsere eigene Prognose: Der HSV geht in die Relegation und trifft auf Holstein Kiel. Welch ein Hammer. Erst im Volkspark, dann im Holsteinstadion. Ausgang offen.

Aufregung hinter den Kulissen im Flensburger Sport

Alt und Jung: SG-Profi Thomas Mogensen im Gespräch mit Manfred Werner, dem Geldbeschaffer für Fußball und Handball.
Alt und Jung: SG-Profi Thomas Mogensen im Gespräch mit Manfred Werner, dem Geldbeschaffer für Fußball und Handball.
 

Welcher Sponsor unterstützt welchen Club? Bislang hat Handball-Bundesligist SG Flensburg-Handewitt die Sponsoren aus der Region fest im Griff: Nord-Schrott mit seinen zahlreichen Unterfirmen, Flensburger Brauerei, Jacob Cement, Dänisches Bettenlager, Scandinavian Park und wie sie alle heißen. „Wir geben unseren gesamten Etat an die SG“, heißt es weitgehend, wenn andere Anfragen kommen. Kein Geld für den Fußball? Nur wenig. Dabei will der ambitionierte Viertligist SC Weiche Flensburg 08 in die dritte Liga. In den Profi-Fußball. Machtkampf hinter den Vorhängen. Der über 80-jährige Manfred Werner zieht die Fäden. Werner, der einst mit seinen guten Kontakten den Handball in Flensburg hoffähig gemacht hat, holt zusammen mit Club-Geschäftsführer Edgar Nies einen Sponsor nach dem anderen ins Weicher Stadion, das seinen Namen trägt. Das finden natürlich nicht alle SG-Funktionäre gut. Für Mitte Januar soll ein „Sponsoren-Gipfel“ angesetzt worden sein. Nicht im mondänen „Alten Meierhof“ und auch nicht im schönen Glücksburger Strandhotel. Sondern in einer anrüchigen dunklen Kneipe irgendwo zwischen Flensburg und Schleswig. Wo Tacheles gesprochen werden soll. Von Hintermännern im Hinterzimmer.

Holsteinstadion

Schleswig-Holsteins höchster Sportfunktionär: LSV-Präsident Hans-Jakob  Tiessen zieht viele Fäden.
sh:z
Schleswig-Holsteins höchster Sportfunktionär: LSV-Präsident Hans-Jakob Tiessen zieht viele Fäden.


Der Ausbau des Kieler Holstein-Stadions wird im neuen Jahr fortgesetzt. Was auch dringend erforderlich ist. Rund 7,5 Millionen Euro fließen aus Landesmitteln in dieses Projekt. Die Kieler haben aufgepasst, haben sich rechtzeitig schlau gemacht und den Weg zum Präsidenten des Landessportverbandes, Hans-Jakob Tiessen, gesucht. Hier, im „Haus des Sports“, ist so etwas wie die Schaltstelle – auch in Geldangelegenheiten. Sind doch insgesamt 15 Millionen Euro im Landestopf für Sportbauten. Bevor das Land die Mittel vergibt, führt die Politik zumeist Gespräche mit Tiessen. In Flensburg wundert man sich, wie schnell dies in Kiel gehen kann. Während das Städtische Stadion in der Grenzstadt vor sich hin altert, passiert im Rathaus so gut wie nichts. Der Sport spielt hier kaum eine Rolle. Keine Fahrt nach Kiel, kein Besuch in der Schaltstelle. Kein neues Stadion. Eher wird Flensburg wieder dänisch.
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