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Football-Stipendium für Hamburger : Scientology lockt via Instagram deutsche Sportler in die USA

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Der 19-jährige Footballspieler Jan Wawrzosek wurde von der Sekte über Instagram angeworben.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 12:13 Uhr

Hamburg/Osnabrück | Für viele Footballspieler in Deutschland wäre es buchstäblich der große Wurf: Einmal in der amerikanischen Football-Liga NFL spielen. Die Sekte Scientology macht sich diesen Wunsch zu eigen und versucht mit perfiden Mitteln junge deutsche Sportler in die USA zu locken.

Laut einem Bericht des NDR schien der Traum vom Footballspielen in den USA für den 19-jährigen Jan Wawrzosek zunächst in Erfüllung zu gehen. Über Instagram habe sich ein Headhunter bei dem Quarterback der Hamburg Young Huskies gemeldet und an den Footballtrainer Jesse Chinchar der „Clearwater Academy International“ vermittelt. Dieser bot Wawrzosek laut Bericht ein halbjähriges Sprach- und Sportstipendium in der Stadt Clearwater im amerikanischen Bundesstaat Florida an.

Was die Familie des 19-Jährigen nicht wusste: Clearwater ist der Hauptsitz und Machtzentrum der Sekte Scientology, die in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Im Gespräch mit der Familie hat die Academy ihre Nähe zu Scientology zugegeben, heißt es weiter in dem Bericht des Senders. Die Hamburger hätten daraufhin den Kontakt abgebrochen und Wawrzosek seinen Auslandsaufenthalt nicht angetreten.

Häufig verdeckt und mit Tarnorganisationen

Wie der Hamburger Verfassungsschutz mitteilt, wird die „Clearwater Academy“ von Scientology betrieben, auch wenn der Name der Organisation nicht öffentlich genannt wird. Stattdessen werde aber die Scientology-Unterorganisation „Applied Scolastic“ im Impressum der Schulwebseite geführt. „Applied Scholastic ist eine Unterorganisation von Scientology, die im Bereich Bildung weltweit aktiv ist, um die Technologie der Scientologen zu verbreiten und verdeckt neue Mitglieder zu werben“, schreibt der Verfassungsschutz.

Laut der Hamburger Behörde versuche Scientology seit Jahren in sozialen Netzwerken neue Anhänger zu finden. Wie im Fall von Wawrzosek gehe die Organisation häufig verdeckt und mit Tarnorganisationen vor. Über gesellschaftlich relevante Themen versuche die Organisation, Kontakt zu potenziell interessierten Menschen aufzunehmen – etwa über Sport. Mit Hilfe von Facebook seien mehrere Sportler, darunter ein 18-jähriger Hamburger und drei junge Hessen von einem Headhunter angesprochen worden. Der Mann sei laut Verfassungsschutz selber Scientologe und auf einer internationalen Sportplattform für die Football Premier League aktiv.

„Zentrale demokratische Grundwerte außer Kraft“

Seit 1997 wird Scientology vom Verfassungsschutz beobachtet. Nach Einschätzung der Behörde ist die Sekte „weiterhin bestrebt, neue Mitglieder zu gewinnen, ihre Einnahmen zu erhöhen und ihr politisches Fernziel einer scientologischen Gesellschaft zu erreichen. In einer solchen Gesellschaft wären zentrale demokratische Grundwerte außer Kraft gesetzt“. Die Vereinigung bezeichnet sich selbst als Religionsgemeinschaft. Deutscher Dachverband ist die „Scientology Kirche Deutschland“ mit Sitz in München.

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