Macht weiter so! : Wladimir Putin ruft russischen Trainer während Pressekonferenz an

Bildeten eine Einheit: Die russischen Zuschauer und ihre Fans, wie hier beim Jubel zum 1:0.

Bildeten eine Einheit: Die russischen Zuschauer und ihre Fans, wie hier beim Jubel zum 1:0.

Ungläubig blickten die russischen Zuschauer umher, bevor sie sich um den Hals fielen: Russland gewinnt zum WM-Auftakt.

shz.de von
14. Juni 2018, 22:45 Uhr

Moskau | Das Format Eröffnungsspiel stand bisher eher für defensives Ballgeschiebe, für Kampf und Krampf, für taktische Prägung. Die Russen haben es am Donnerstag revolutioniert – mit einem Kantersieg, den keiner der Nummer 70 der Weltrangliste zugetraut hätte. „Dabei haben sie nur das durchgezogen, was sie sonst auch tun: Diagonalbälle, hohe Flanken, Kopfball- und Zweikampfstärke einsetzen“, sagte Juan Antonio Pizzi als Coach der unter die Räder gekommenen Araber. „Da hat er aber unsere Diszipliniertheit und Kompaktheit vergessen“, entgegnete ihm Russland-Trainer Stanislav Tschertschessov später. Der Ex-Torhüter von Dynamo Dresden lobte, dass seine Elf trotz des immensen Drucks zum Turnierauftakt so ruhig gespielt habe.

Jubelorkan von der Tribüne

Das stimmt, wobei der russischen Elf die Nervosität zu Beginn schon anzumerken war. Saudi-Arabien wirkte vom Start weg vor allem auf engerem Raum wendiger und passsicherer – aber auch verspielter und zu wenig zielstrebig zum gegnerischen Tor.

Ganz anders die Russen: Sie schlugen mit der ersten Chance sofort zu, als Jury Gazinsky eine lange Flanke von Jungstar Alexander Golovin mit dem Kopf an Saudi-Keeper Abdullah Almuaouf vorbei in die Maschen drückte. Es folgte ein Jubelorkan von der Tribüne: Die mit 78.011 Zuschauern ausverkaufte Arena mit den eng am Feld stehenden, steil aufragenden Tribünen entfaltete ihre Macht – die russischen Fußballer wirkten ab sofort alle einen halben Meter größer, was die Araber sichtlich beeindruckte.

WM-Eröffnung: Pop, Putin und die russische Seele

Psychologisch wichtig war der Zeitpunkt des zweiten Treffers. Ihn erzielte kurz vor der Pause Denis Cheryshev, der zuvor nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Alan Dzagoev in die Partie gekommen war: Nach einer Finte auf engstem Raum gegen zwei grätschende Araber und mit entschlossenem Abschluss ins kurze Eck. Der Mittelfeldmann des FC Villarreal, der zum 4:0 nochmal sehenswert per Außenrist traf und zum „Man of the Match“ gewählt wurde, sagte zu seinem ersten Tor: „Ich konnte den nur so machen, weil das Zuspiel auf mich ein wenig kurz war.“

Putin ruft Trainer während Pressekonferenz an

Als er sprach, war sein Coach Tschertschessov gerade telefonierend vom Podium der Pressekonferenz verschwunden. „Putin hatte angerufen“, entschuldigte sich der Coach nach seiner Rückkehr und ergänzte: „Er hat mir und den Jungs gratuliert und gesagt, dass wir so weitermachen sollen.“ Ob er den Trainer auch zu seinem richtigen Händchen beglückwünscht hat, blieb offen – Fakt ist, dass Tschertschessov auch den Schützen zum 3:0 erst einwechselte.

Es kam Artem Dzyuba, Typ Sturmtank von Arsenal Tula, der in seiner erstenAktion einen Einwurf erarbeitete und den zweiten Ballkontakt per Kopf ins Netz drückte. Dann rannte er zu seinem Trainer, der ihm in Armee-Tradition salutierte: Auftrag ausgeführt, Spiel entschieden.

Tschertschessov bremst die Euphorie

Für die Stimmung rund um das Turnier dürfte es gut sein, dass Russland so furios gestartet ist und nun gute Chancen auf das Achtelfinale hat. Tschertschessov bremste jedoch vor zu viel Euphorie: „Beim Confed-Cup haben wir auch das erste Spiel 2:0 gewonnen – gebracht hatte uns das nichts. Wir müssen dieses 5:0 abhaken und uns nun auf Ägypten konzentrieren.“

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