Vergabe durch das IOC : Peking wird Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2022

Zum dritten Mal in Folge kommt Olympia nach Asien. Die chinesische Metropole setzte sich gegen das kasachische Almaty durch.

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31. Juli 2015, 12:05 Uhr

Peking wird 2022 Gastgeber der Olympischen Winterspiele. Auf der 128. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Freitag in Kuala Lumpur gewann Chinas Metropole die Wahl gegen Almaty. Peking ist die erste Stadt in der Olympischen Geschichte, die nach Sommer- auch Winterspiele ausrichtet. Nach 2018 in Pyeongchang und 2020 in Tokio wird damit zum dritten Mal hintereinander das größte Sportereignis der Welt in Asien stattfinden.

Was München vergeblich angestrebt hat, ist Peking gelungen. Als erste Stadt wird die chinesische Hauptstadt nach den Olympischen Sommerspielen 2008 auch die Winterspiele 2022 austragen.

München, das 1972 die Sommerspiele ausgerichtet hatte, verlor mit der Winterspiele-Bewerbung für 2018 gegen Pyeongchang/Südkorea und scheiterte bei der Kandidatur für 2022 am Widerstand der Bürger.

Mit der Wahl von Peking für 2022 wird zum zweiten Mal in Folge nach Pyeongchang/Südkorea (2018) eine Stadt des asiatischen Kontinents Austragungsort der Winterspiele. Zwischendurch finden auch noch die Sommerspiele 2020 in Asien statt: Gastgeber ist Tokio.

Bei den 21 Winterspiele-Vergaben von 1924 bis 2014 erhielt aus Asien zuvor nur Japan mit Sapporo (1972) und Nagano (1998) den IOC-Zuschlag.

Für die Mehrheit der 85 IOC-Mitglieder dürfte auch die große organisatorische Erfahrung der chinesischen Ausrichter, die schon die Sommerspiele 2008 erfolgreich über die Bühne gebracht hatten, ausschlaggebend gewesen sein. Dass das Olympia-Konzept Pekings eines der langen Wege ist und die Ski-Wettbewerbe weitgehend auf Kunstschnee ausgetragen werden müssen, fiel nicht ins Gewicht.

Menschenrechtsorganisationen kritisierten die Entscheidung scharf. In Reaktionen wurde am Freitag vor verschärfter Verfolgung von Bürgerrechtlern und Unterdrückung von Minderheiten gewarnt. „Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erweist der olympischen Idee und den Menschenrechten in China damit einen Bärendienst“, fand die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen.

„Hunderte Menschenrechtler in China werden diese Fehlentscheidung mit Haft oder sogar ihrem Leben bezahlen müssen, da die Volksrepublik vor den Spielen erneut ihre Verfolgung von Uiguren, Tibetern, Mongolen und Anhängern der Demokratiebewegung verstärken wird“, sagte der GfbV-Experte Ulrich Delius. IOC-Präsident Thomas Bach müsse sich für verfolgte Journalisten, Blogger und Anwälte in China einsetzen und einen Missbrauch der Spiele für Pekings Propaganda verhindern.

„Das IOC hat die falsche Botschaft an die falschen Leute zur falschen Zeit gesendet“, kritisierte die Tibet Initiative Deutschland. „Die chinesische Regierung hat es einmal mehr geschafft, dass die Welt ihre verheerenden Menschenrechtsverletzungen einfach so hinnimmt.“ Die Ehre, Olympische Spiele zum zweiten Mal austragen zu dürfen, sei „ein Propaganda-Geschenk“ zu einer Zeit, wo Chinas Regierung eigentlich für ihre Menschenrechtspolitik abgestraft werden müsste.

Auch die Hamburger NOlympia-Bewegung prangerte die Entscheidung an. Die Vergabe sei ein „Alptraum für die Menschenrechte“, erklärte Sprecher Florian Kasiske am Freitag. Würde das Internationale Olympische Komitee (IOC) es ernst meinen mit den in der Agenda 2020 beschlossenen Empfehlungen zur Wahrung von Menschenrechten, hätte es den Auswahlprozess aussetzen müssen, nachdem nur noch Peking und Almaty als Bewerber übriggeblieben waren, erklärte NOlympia.

Angesichts des fragwürdigen Demokratie-Verständnisses des IOC sei es wenig verwunderlich, dass Olympische Spiele immer wieder in autoritären Regimen ausgetragen werden. „Mit der Bewerbung Hamburgs legitimiert Hamburg das IOC, das sich immer wieder mit autoritären Regimen einlässt“, sagte Kasiske.

Der Außenseiter aus Kasachstan hatte sich bereits vergeblich um die Spiele 2014 beworben, die am Ende Sotschi/Russland bekam. Almaty gewann durch die Bewerbung mit einem Konzept von kompakten, kostengünstige Spielen viel Anerkennung. Der Appell des kasachischen Ministerpräsidenten Karim Massimow an das IOC, „eine goldene Gelegenheit“ zu nutzen und ein kleines Land die Winterspiele organisieren zu lassen, wurde nicht erhört.

Die Entscheidung wurde in China mit Jubel aufgenommen. Bei den offiziellen Feiern am „Vogelnest“ genannten Olympiastadion in der chinesischen Hauptstadt sowie in den anderen Austragungsorten in Zhangjiakou sprangen die Menschen in die Höhe und schwenkten Fähnchen. „Wir haben es geschafft“, sagte die Eisschnellläuferin Wang Beixing.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping versprach in einer Fernsehansprache kurz vor der Vergabe „außergewöhnliche und ausgezeichnete Spiele“. China werde alle Verpflichtungen gegenüber dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) einhalten. Der Zuschlag für 2022 werde viele Chinesen zu Wintersportlern machen.

Der Jubel in Peking für die Winterspiele 2022 war allerdings deutlich zurückhaltender als 2001 für die Sommerspiele 2008, als die Menschen auf die Straßen der Stadt strömten, in einer Festivalatmosphäre ausgelassen feierten und sogar das Mobilfunknetz zeitweise zusammenbrach.

Die Austragungsorte der Olympischen Winterspiele seit 1924:

1924 Chamonix
1928 St. Moritz
1932 Lake Placid
1936 Garmisch-Partenkirchen
1940 und 1944 wegen Zweitem Weltkrieg abgesagt
1948 St. Moritz
1952 Oslo
1956 Cortina d'Ampezzo
1960 Squaw Valley
1964 Innsbruck
1968 Grenoble
1972 Sapporo
1976 Innsbruck
1980 Lake Placid
1984 Sarajevo
1988 Calgary
1992 Albertville
1994 Lillehammer
1998 Nagano
2002 Salt Lake City
2006 Turin
2010 Vancouver
2014 Sotschi
2018 Pyeongchang
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