DOSB bremst Erwartungen : Olympia-Pleite von Sotschi soll keine Last sein

DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker möchte den Druck von den deutschen Athleten nehmen.
DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker möchte den Druck von den deutschen Athleten nehmen.

Vier Jahre nach dem Absturz der Wintersportnation Deutschland bei den Spielen in Sotschi bremst der DOSB die Erwartungen vor der Reise nach Pyeongchang. Die 19 Medaillen von 2014 sind das Minimalziel. Die Athleten wollen auf sich schauen - und nicht auf die Gesamtbilanz.

shz.de von
25. Januar 2018, 13:27 Uhr

Das deutsche Olympia-Debakel von vor vier Jahren soll keine Bürde und Last bei den Winterspielen in Pyeongchang werden.

«Unsere Athleten sind keine Maschinen. Der Erfolg ist nur bedingt planbar», sagte die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker auch eingedenk des Tiefs von Sotschi mit nur 19 (8 Gold, 6 Silber, 5 Bronze) Medaillen. Bei den damaligen Zielvereinbarungen zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Spitzenverbänden waren mindestens 30 Medaillen wie 2010 in Vancouver hochgerechnet worden.

Trotz der guten Resultate in den vergangenen zwei Wintern in vielen der 14 Sportarten ist der DOSB bemüht, den Erwartungsdruck zu dämpfen und die Sotschi-Ausbeute als Maßstab zu deklarieren. Zumal die Leistungssportreform, die den Abwärtstrend im Weltsport bremsen und umkehren soll, frühestens 2022 in Peking greifen wird. «Im Moment spüren wir nichts von der Reform, aber die Ansätze des DOSB finde ich gut», sagte Eisschnellläuferin Roxanne Dufter.

Dennoch hofft der DOSB-Präsident schon auf einen kleinen Reformeffekt. «Die Gespräche mit den Verbänden sind in einer Qualität geführt worden, da würde jeder sagen: So hat es sie in Deutschland noch nie gegeben», erklärte Alfons Hörmann. Obwohl die umstrittenen Zielvereinbarungen abgeschafft sind, sei bei den Verbandsgesprächen auch über den «berühmten Medaillenkorridor» gesprochen worden. Dabei dürften mehr als die offiziell 19 anvisierten Plaketten addiert worden sein.

«Die Reform wird nur marginale Auswirkungen haben», sagte Michael Ilgner, Vorstandschef der Deutschen Sporthilfe, der die vom Sozialwerk geförderten Athleten aber nicht unter Erfolgsdruck setzen will. «Wir distanzieren uns vor den Spielen davon, explizite Erwartungen zu formulieren», sagte er. «Die höchsten Erwartungen hat der Athlet an sich selbst. Und als Außenstehender noch zusätzlich welche rein zu projizieren, finde ich ein stückweit anmaßend.»

Die Athleten des 154 Mitglieder großen Team Deutschlands, in das die Slopestyle-Spezialistin Kea Kühnel am Donnerstag nachträglich noch aufgenommen wurde, sehen sich selbst weniger als Teil eines Gesamterfolges und mehr als Ich-AG. «Den Druck kann man nur sich selber machen», sagte Eiskunstläuferin Aljona Savchenko, die mit Paarlauf-Partner Bruno Massot zu den Medaillenanwärtern zählt. «Ich mache mit keinen, weil ich weiß, was ich kann. Alles andere ist mir egal.»

Auch der Olympia-Vierte im Eisschnelllauf, Nico Ihle, sieht es so: «Jeder legt den Fokus zuerst auf das eigene Abschneiden. Für mich ist ein erfolgreiches Gesamtabschneiden kein Druck.» Zugleich fordert der Chemnitzer eine bessere Förderung. «Auf jeden Fall sollte Deutschland mehr für seine Topathleten tun», so Ihle. «Die Unterstützung muss besser werden, damit wieder mehr Medaillen purzeln.»

Für Steffi Böhler hat vor allem Vorrang, dass ihre Sportart wieder «ein Zeichen» setzen kann und zeigt, «dass der deutsche Langlauf noch lebt». Deshalb gibt sie das klare Ziel vor: «Wir fahren dahin, um um Medaillen zu kämpfen.»

Die zuletzt besonders erfolgreichen deutschen Wintersportler Laura Dahlmeier und Johannes Rydzek versuchen eher, gegen persönliche Enttäuschungen gewappnet zu sein. «Ich möchte beim Höhepunkt in Bestform sein und meine beste Performance machen», meinte die siebenmalige Biathlon-Weltmeisterin. «Dann schauen wir mal, zu was es reicht.» Und der viermalige WM-Champion der Kombinierer meinte: «Natürlich ist der Traum da, in Südkorea Edelmetall zu holen, vielleicht sogar Gold.» Er würde aber «auch nicht todunglücklich nach Hause fahren, wenn ich keine Medaille hole.»

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