zur Navigation springen
Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

19. August 2017 | 15:54 Uhr

Fragen und Antworten : Olympia in Sotschi: Medaillen, Terrorangst und Homophobie

vom

Terrorangst, Homophobie und Korruption: Die Olympischen Winterspiele von Sotschi stehen unter keinem guten Stern. Am Freitagabend eröffnet Präsident Putin das Großereignis mit einer spektakulären Show. Es gibt viele Fragen. shz.de beantwortet sie.

Die olympische Bühne ist bereitet, die Spiele von Sotschi können beginnen. Am Freitagabend beginnen in der schmucken Fischt-Arena die 22. Olympischen Winterspiele. 16 Tage lang kämpfen rund 2900 Athleten aus 87 teilnehmenden Nationen um die Medaillen. Wenn Präsident Wladimir Putin die ersten Winterspiele in Russland offiziell eröffnet, sollen auch endlich die Kritiker und Zweifler des umstrittenen Olympia-Gastgebers verstummen. Nicht nur der Gigantismus und die Rekordkosten gaben im Vorfeld Anlass zur Empörung. Es gibt also nicht nur sportliche Fragen:

Wie viele Medaillen sollen die deutschen Sportler holen?

„30 Medaillen plus eine“: Diese scheinbar einfache Formel hat der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Michael Vesper den deutschen Athleten mit auf den Weg zu den Winterspielen nach Sotschi gegeben. Zehn Gold-, 13 Silber- und sieben Bronzemedaillen waren es in Vancouver 2010. Bei Olympia an der Schwarzmeerküste soll dieses Ergebnis möglichst getoppt werden. Der mit den Fachverbänden für Sotschi ermittelte „Zielkorridor“ des DOSB liegt zwischen 27 und 42 Medaillen. Bei den Spielen in Vancouver 2010 hatte das deutsche Team mit 30 Mal Edelmetall Platz zwei in der Nationenwertung belegt.

 

Wer sind Deutschlands Goldhoffnungen?

Als Fahnenträgerin wird Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch die deutsche Delegation am Freitag ins Olympiastadion führen. Die Partenkirchenerin gilt neben den Rodlern um Felix Loch und dem Nordischen Kombinierer Eric Frenzel als größte Gold-Hoffnung in Sotschi.

 

Wen sehen die Buchmacher beim Medaillenspiegel vorn?

Norwegen wird in Sotschi 2014 die meisten Goldmedaillen abräumen - zumindest, wenn es nach den Buchmachern in Großbritannien und Deutschland geht. Wer zehn Euro auf die Skandinavier setzt, bekäme nach Olympia im Durchschnitt knapp das Doppelte zurück. Weitere Favoriten auf Platz eins im Medaillenspiegel sind die USA mit einer Quote von knapp 3:1, Deutschland (Quote 6:1), Russland (7,5:1) und Vancouver-Sieger Kanada (9:1).

 

Warum ist die Anzahl der Medaillen nicht so wichtig?

Im Medaillenspiegel liegt am Ende diejenige Nation vorn, die nicht die meisten Medaillen, sondern die meisten Goldmedaillen gewonnen hat. Die meisten Medaillen wird nach Meinung der Buchmacher die USA gewinnen. Die US-Amerikaner hatten bereits in Vancouver 2010 am häufigsten Edelmetall gewonnen - weil sie aber fünf Goldmedaillen weniger als Kanada und eine weniger als Deutschland ergatterten, landete die Mannschaft in der Nationenwertung nur auf Rang drei.

 

Wie groß ist die Angst vor Terrorangriffen?

Nicht erst seit den Drohungen des islamistischen Terroristenführers Doku Umarow, Olympia mit „allen Mitteln, die Allah erlaubt“, zu verhindern, herrscht in dem russischen Kurort Alarmstimmung. Nach den beiden Terroranschlägen in Wolgograd Ende Dezember mit mehr als 30 Toten bekannten sich nun Selbstmordattentäter in einem Video zu den Bluttaten. Und sie bestätigten, dass Sotschi Terror-Ziel sei. Insgesamt sind 40.000 Sicherheitskräfte von 30 Sicherheitsdiensten im Einsatz. Auch das Bundeskriminalamt ist mit Experten in Sotschi vertreten und hat Sicherheitshinweise für die deutsche Delegation herausgegeben. An der Küste sind auch U-Boote und Helikopter ständig einsatzbereit. Drohnen und Abwehrraketensysteme des Typs Panzir-S schützen den Luftraum.

 

Wie besorgt sind die USA?

Die USA verbieten Medienberichten zufolge vorübergehend jegliche Flüssigkeiten im Handgepäck auf Russlandflügen. Das Verbot der nationalen Behörde für Transportsicherheit TSA gelte auch für Gels und Spraydosen, berichtete der TV-Sender ABC am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf einen Beamten. Am Mittwoch hatten die USA vor Sprengstoff in Zahnpasta-Tuben in Flugzeugen auf dem Weg nach Russland gewarnt. Terroristen könnten in Tuben oder Kosmetik-Behältern Sprengstoff-Bestandteile an Bord schmuggeln. Während des Fluges könnten sie daraus Bomben bauen. Das würden Erkenntnisse der US-Geheimdienste nahelegen, berichteten US-Medien unter Berufung auf Regierungsbeamte. Für den Notfall kreuzen zwei US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer. Die USA hatten Russland auch Hilfe in Sicherheitsfragen angeboten.

 

Warum sind die Spiele für Russland so wichtig?

Mit der in sieben Jahren völlig neu entstandenen Infrastruktur hat Russland erstmals wieder ein vollwertiges Wintersportzentrum mit Wettkampfanlagen. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Russlands Bewerbung unterstützt. Der Grund, wie IOC-Chef Thomas Bach erklärt: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor gut 20 Jahren stand die stolze Wintersportnation auf einmal ohne ein solches Zentrum da. Viele Wettkämpfe musste Russland im Ausland austragen.

 

Wieso ist von den teuersten Spielen aller Zeiten die Rede?

Russland hat so viel Geld wie noch nie ein Olympia-Ort ausgegeben - und zwar 37,5 Milliarden Euro. Die reinen Organisationskosten, das betonten die Veranstalter, seien nicht höher gewesen als bei anderen Spielen. Weil aber für die ersten Winterspiele unter Palmen in den Subtropen alle Sportanlagen neu gebaut werden mussten, schnellten die Kosten in die Höhe. Experten führen dies vor allem auf die in Russland verbreitete Korruption zurück. Die Organisation Transparency International sieht das Riesenreich auf Platz 127 mit einer Liste von 177 Ländern.

 

Korruption ist nicht der einzige Kritikpunkt an den Spielen - was sonst noch?

Offiziell weisen die Funktionäre die Vorwürfe der Korruption zurück und fordern Beweise dafür, dass sie Olympia nur organisiert hätten, um sich zu bereichern. Umweltaktivisten sowie führende Oppositionelle wie Alexej Nawalny und der frühere Vize-Regierungschef Boris Nemzow kritisieren auch eine beispiellose Naturzerstörung im Nationalpark Kaukasus. Menschenrechtler monieren unter anderem, dass zwangsumgesiedelte Bürger nicht ausreichend oder gar nicht entschädigt worden seien. Ein großes Thema war die Ausbeutung von Gastarbeitern aus Zentralasien.

 

Werden die Rechte von Homosexuellen bei Olympia mit Füßen getreten?

Präsident Putin hat mehrfach betont, dass Russland sich an die Olympische Charta halte und niemanden wegen seiner „geschlechtlichen Orientierung“ ausgrenzen werde. Dass Intoleranz gegenüber Homosexuellen aber ein Problem ist, zeigte der Auftritt von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in Sotschi, der unerwartet deutlich vor Homophobie warnte. Streitpunkt ist vor allem ein Gesetz zum Verbot von „Homo-Propaganda“. Strafbar macht sich demnach, wer über Homosexualität positiv in Gegenwart von Minderjährigen spricht. Menschenrechtler beklagen, dass Funktionäre und Prominente vor allem in den Staatsmedien offen hetzen würden gegen Homosexuelle.

 

mit dpa-Material

Mehr Informationen zu den Olympischen Spielen in Sotschi finden Sie hier.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Feb.2014 | 13:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen