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Olympia 2016 in Rio - Nachrichten, Ergebnisse und Medaillenspiegel

25. November 2017 | 10:51 Uhr

Chronologie des Doping-Skandals : Nachkontrollen: 23 Sportler von London 2012 positiv getestet

vom

Das IOC landet im Anti-Doping-Kampf den nächsten Coup. Auch die Nachkontrollen von London 2012 bringen weitere Athleten unter Dopingverdacht. Insgesamt wurden innerhalb von zehn Tagen 55 Sportler positiv getestet.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 19:01 Uhr

Lausanne | 70 Tage vor den Sommerspielen in Rio hat das Internationale Olympische Komitee für das nächste Doping-Beben gesorgt: In einer zweiten Welle wurden bei Nachkontrollen insgesamt 23 Sportler von London 2012 und ein weiterer Teilnehmer von Peking 2008 positiv getestet, womit sich die Anzahl der verdächtigen Sportler innerhalb von zehn Tagen auf 55 Athleten erhöhte.

Systematisches Doping, Vertuschung von Kontrollen und Korruption: Der Skandal zerfrisst den Glauben an dopingfreien Sport und zerstört das Image eines Wettkampfes wie Olympia unter dem Motto: „Möge der Bessere gewinnen“.

Nachkontrollen zeigen unsere Entschlossenheit im Kampf gegen Doping“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach und ergänzte: „Wir wollen die Doper von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro fernhalten.“ Namen nannte das IOC nicht, zumal es sich in allen Fällen zunächst um die A-Probe handelt. Die nationalen Verbände werden im nächsten Schritt über mögliche Fälle informiert. Bei der ersten Auslese vor einer Woche, als 31 Sportler bei Nachtests zu den Spielen 2008 positiv getestet worden waren, hatte kein deutscher Athlet Post erhalten. Wohl aber 14 russische Sportler, darunter offenbar auch zehn Medaillengewinner. Eine davon war Hochsprung-Olympiasiegerin Anna Tschitscherowa, wie ihr Trainer bekanntgab.

Damit müssen vor den Rio-Spielen die Ergebnislisten eifrig umgeschrieben werden. Die B-Proben und mögliche Urteile sollen schnell abgewickelt werden, wie Bach durchblicken ließ: „Ich habe bereits eine Disziplinarkommission benannt, die mit der Befugnis ausgestattet ist, Entscheidungen im Sinne des IOC herbeizuführen.“ Von den Spielen in London wurden 265 Proben mit verfeinerten Analyseverfahren erneut untersucht, was offensichtlich ein voller Erfolg war. Auf welche Mittel neu getestet wurde, ließ das IOC zunächst aus taktischen Gründen offen. Die Ringe-Organisation kündigte jedoch an, weitere Tests durchzuführen, so dass sich die Anzahl verdächtiger Sportler weiter erhöhen kann.

Michael Vesper, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), begrüßte das rigorose Vorgehen des IOC. Die Ermittlungen seien eine wichtige Nachricht für die sauberen Sportler. „Und sie dient gleichzeitig der Abschreckung und ist eine Warnung an alle Athleten, die betrügen wollen: Sie können sich nicht sicher fühlen, auch wenn sie Mittel nutzen, die noch nicht nachweisbar sind.

Sie können auch sehr viel später noch überführt werden. Wir unterstützen diesen bemerkenswerten Schritt des IOC voll und ganz.“ 55 positiv getestete Athleten innerhalb kürzester Zeit, ein derartiger Coup ist den Doping-Fahndern noch nicht geglückt. Zum Vergleich: Bei den Spielen in London wurden bis zum Schlusstag nur acht Athleten bei der Rekordzahl von mehr als 5000 Doping-Kontrollen erwischt. Doch neue, feinere Testverfahren lassen die Betrüger mit vielen Jahren Verspätung zittern. „Die sogenannte Nachtestung ist doch ein herrliches Instrument, die Sportgeschichte zu korrigieren“, sagte Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel der dpa.

Das Thema Doping dürfte im Vorfeld der Spiele das vorherrschende Thema bleiben, zumal auch in der Causa Russland noch wichtige Entscheidungen anstehen. Am 17. Juni will der Leichtathletik-Weltverband entscheiden, ob der Ausschluss russischer Sportler auch für die Spiele in Rio aufrechterhalten wird. Ein WADA-Report hatte im vergangenen November über systematisches Doping, Vertuschung bis hin zu Korruption in der russischen Leichtathletik berichtet.

Doch womöglich ist der gesamte russische Sport betroffen, sollten sich die Äußerungen von Gregori Rodschenkow bewahrheiten. Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors hatte vor gut zwei Wochen von systematischer Manipulation bei Doping-Proben während der Winterspiele 2014 in Sotschi gesprochen. 15 der russischen Medaillengewinner sollen demnach gedopt gewesen sein. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hat eine Untersuchung eingeleitet, die bis zum 15. Juli abgeschlossen sein soll. Der von Erfolg besessenen Sportnation stehen ungemütliche Zeiten bevor. Und die nächsten „blauen Briefe“ aus Lausanne könnten schon unterwegs sein.

Die Chronologie des Doping-Skandals

3. Dezember 2014 Auslöser des Skandals ist der ARD-Dokumentarfilm „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“. Darin wird enthüllt, dass die Erfolge russischer Leichtathleten Ergebnis von systematischem Doping, Vertuschung von Kontrollen und Korruption war.
11. Dezember  Papa Massata Diack, der Sohn von IAAF-Präsident Lamine Diack, lässt seine Tätigkeit als Marketingberater ruhen. Russlands Leichtathletik-Präsident Walentin Balachnitschjow zieht sich als Schatzmeister des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF zurück.
12. Dezember Der Direktor der Anti-Doping-Abteilung in der IAAF, der Franzose Gabriel Dollé, legt sein Amt nieder.
16. Dezember Der frühere WADA-Chef Richard Pound leitet die Kommission zur Aufklärung der Doping-Vorwürfe gegen Russland. Weitere Gremiumsmitglieder sind der Sportrechtsexperte Richard McLaren und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger.
17. Februar 2015 Wegen des Dopingskandals tritt Russlands Leichtathletik-Chef Balachnitschjow zurück. Nachfolger wird Wadim Selischenko.
16. Juli Aufgrund von Doping-Ermittlungen zieht der russische Leichtathletik-Verband vorläufig sein komplettes Geher-Team von internationalen Wettkämpfen zurück. Die WM findet Ende August in Peking ohne die mit Abstand erfolgreichste Geher-Nation statt.
2. August ARD und „Sunday Times“ haben eine Liste mit 12.000 Bluttests von rund 5000 Läufern ausgewertet. Darunter sollen 800 Sportler mit dopingverdächtigen Werten sein, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gestartet sind.
19. August Der Brite Sebastian Coe wird zum neuen IAAF-Präsidenten gewählt. Er löst Diack ab, der fast 16 Jahre lang amtierte.
4. November Diack wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Die französische Justiz erhebt Anklage gegen den 82-Jährigen.
6. November Diack soll in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Doping-Proben kassiert haben, erklärt eine französische Staatsanwältin.
9. November Die unabhängige WADA-Kommission um Pound legt ihren ersten Bericht vor, der ein Schreckensbild der Doping-Praktiken in der russischen Leichtathletik zeigt. Die Kommission empfiehlt in Genf, Russland aus der IAAF auszuschließen.
10. November Die WADA entzieht dem Doping-Kontrolllabor in Moskau vorläufig die Akkreditierung. Das Internationale Olympische Komitee suspendiert das IOC-Ehrenmitglied Lamine Diack.
13. November Die IAAF suspendiert den Gesamtrussischen Leichtathletik-Verband ARAF angesichts der gravierenden Dopingvorwürfe. Wenn die Suspendierung nicht aufgehoben wird, ist eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio nicht möglich.
18. November Die WADA suspendiert Russlands Anti-Doping-Agentur RUSADA, weil sie die Regeln nicht eingehalten hat.
7. Januar 2016 Die Ethikkommission der IAAF sperrt im Zuge des Dopingskandals den Sohn von Ex-Präsident Diack, Papa Massata, den ehemaligen IAAF-Schatzmeister Balachnitschjow und Russlands Ex-Cheftrainer Alexej Melnikow lebenslang. Der frühere Anti-Doping-Chef Dollé wird für fünf Jahre gesperrt.
12. Januar Interne Dokumente aus der IAAF-Zentrale, die der Nachrichtenagentur AP zugespielt wurden, belegen, dass der Weltverband seit 2009 vom massiven Doping in Russland wusste.
14. Januar Bei der Präsentation des zweiten Berichts wirft die unabhängige WADA-Kommission im Münchner Vorort Unterschleißheim der IAAF „ein komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption“ vor. Hauptverantwortlicher für die „Organisation und Ermöglichung der Verschwörung“ sei der frühere IAAF-Präsident Diack.
16. Januar Mit einer neuen Führung will sich der russische Leichtathletikverband (WFLA) die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro sichern. In einer Sondersitzung wählt der WFLA den angesehenen Sportfunktionär Dmitri Schljachtin zum neuen Präsidenten.
6. März Das angeblich große Reinemachen in der russischen Leichtathletik wird durch neue Vorwürfe gegen die Sport-Weltmacht erschüttert. Eine neue TV-Dokumentation präsentiert im WDR Belege für Verstöße von Russlands Leichtathletik gegen Auflagen vom Weltverband IAAF und der Welt-Anti-Doping-Agentur.
12. Mai Der ehemalige Leites des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, sagt der „New York Times“, er habe systematische Manipulationen im russischen Team 2014 während der Olympischen Winterspiele in Sotschi mitorganisiert. 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen. US-Justiz, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die WADA nehmen Ermittlungen auf.
17. Mai Gut elf Wochen vor den Sommerspielen hat die olympische Bewegung den Kampf gegen Doping verschärft. Bei Nachkontrollen sind 31 Olympia-Teilnehmer von Peking 2008 positiv getestet worden, wie das IOC mitteilt.
27. Mai Bei Nachkontrollen zu den Olympischen Spielen 2012 in London sind 23 Sportler positiv getestet worden, gibt das IOC bekannt. Hinzu kommt eine weitere positive Probe von den Sommerspielen 2008 in Peking.
17. Juni Die IAAF will in Wien entscheiden, ob Russlands Leichtathletik-Verband inzwischen die Auflagen für wirksame Dopingkontrollen erfüllt hat und der Bann aufgehoben werden kann. Rechtzeitig vor den Rio-Spielen will die WADA auch eine Untersuchung zu Sotschi abgeschlossen haben. Die Ergebnisse sollen bis zum 15. Juli vorliegen. Die Sommerspiele beginnen am 5. August.
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