Kein Tabuthema : DOSB-Chefin zu Olympia im eigenen Land: «Gäbe es Schöneres?»

Die neue DOSB-Chefin, Veronika Rücker, wünscht sich Olympische Spiele in Deutschland. /DOSB
Die neue DOSB-Chefin, Veronika Rücker, wünscht sich Olympische Spiele in Deutschland. /DOSB

Veronika Rücker hat am 1. Januar das höchste Hauptamt im Deutschen Olympischen Sportbund übernommen. Sie hat die Nachfolge von Michael Vesper als Vorstandschefin angetreten. Eine Olympia-Kandidatur ist für sie kein Tabu.

shz.de von
15. Januar 2018, 10:38 Uhr

Die neue DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker will im deutschen Sport Akzente setzen. Auch eine erneute Olympia-Bewerbung ist für sie kein Tabuthema.

«Gäbe es etwas Schöneres, als einmal Gastgeber von Olympischen Spielen im eigenen Land zu sein?», sagte die 47-jährige Sportwissenschaftlerin im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

«Ich bin überzeugt, dass das möglich sein wird, aber dafür ist viel Vorbereitung notwendig», erklärte Rücker. Man müsse dafür aber «einen Nährboden» legen, um Akzeptanz für so ein großes Projekt zu schaffen. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Deutschland dem Wunsch nach Olympischen Spielen auf Dauer verschließen wird», meinte die Nachfolgerin von Michael Vesper.

Die passionierte Tennisspielerin ist die erste Frau im höchsten Hauptamt des Deutschen Olympischen Sportbundes. «Für mich ist die Rolle etwas Besonderes, unabhängig davon, ob ich eine Frau bin oder nicht», betonte Rücker. Bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Pyeongchang wird sie mit Präsident Alfons Hörmann die Delegation anführen.

Trotz des Debakels 2014 in Sotschi, wo das Team Deutschland nur 19 statt der prognostizierten rund 30 Medaillen gewinnen konnte, steht für sie das Sammeln von Edelplaketten bei nächsten Winterspielen - und auch bei der Leistungssportreform - nicht allein an erster Stelle. «Medaillen ja, aber nicht um jeden Preis. Dabei bleibt es!», betonte Rücker.

«Wir werden keinerlei Anstrengungen unternehmen, um das Medaillenziel über alles andere zu setzen.» Da stünden die Werte und der olympische Gedanke «vor der Währung der Medaillen». Nach den bisherigen vorolympischen Ergebnissen in diesem Winter seien die Ausgangsbedingungen für Pyeongchang jedoch sehr gut.

Das Urteil und die Sanktionen des Internationalen Olympischen Komitees nach dem russischen Doping-Skandal um die Sotschi-Spiele hält Rücker für «einen gut akzeptablen Kompromiss». Damit sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan worden. «Es war für das IOC unmöglich, ein Urteil zu fällen, das alle für gut befinden», meinte die frühere Direktorin der Führungsakademie des DOSB. «Entscheidend wird aber sein, dass man die Sanktionen nun auch konsequent einhält und endlich ein Umdenken in Russland erfolgt.»

Dass möglicherweise mehr als 200 Russen nach individueller Prüfung in Pyeongchang starten werden und die Athleten des Landes bei der Schlussfeier bereits wieder unter eigener Fahne einmarschieren könnten, verwässert nach ihrer Ansicht die Strafe nicht. «Das IOC hat einen guten Weg gefunden, deutlich zu machen, dass hier eine Grenze überschritten ist», erklärte Rücker.

«Zugleich hat es die Hand gereicht und gesagt, dass es auch ein Zurück in die Olympische Familie geben kann.» Man könne jede einzelne Sanktion überdenken, «aber im Gesamtpaket war es ein ganz deutliches Signal».

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